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Reisen

Cat Fighters

28.6.10

Eines der wenigen Fotos von einem der wenigen Leoparden.

Im Juni letzten Jahres reiste ich mit dem Fotografen Thomas Hausgersveen in die vom Krieg erschütterte Nagomo-Karabakh-Enklave um die „Forest Guerilla” zu treffen, eine Truppe Förster, die hauptsächlich aus Veteranen des blutigen Aserbaidschan-Armenien-Krieges besteht. Jemand schon mal davon gehört?

In den früher 90ern kämpften sie, um ihre Dörfer vor den Waffen des Feindes zu schützen, wobei abertausende von Leuten starben. Jetzt, da die letzten 20 (vielleicht auch weniger) kaukasischen Leoparden die noch leben, dem Aussterben ins Auge blicken, tritt die vom Krieg zerfressene Nagorno-Karabakh-Enklave in den Blick der Öffentlichkeit und die alten Veteranen haben all das Zeug bekommen, das sie benötigen um die Katzen zu retten. Als der Förster-Guerillaführer, Ruben Mkrtchyan, hörte, dass wir Norweger sind, erzählte er uns von seiner Zeit als junger Offizier in der Sowjetmarine der Nordflotte in den späten 70ern. Er war immer darauf vorbereitet in den Krieg gegen den Westen zu ziehen. „Oft sind wir an der NATO-Grenze entlang gesegelt. Die norwegischen Klippen und das arktische Meer waren bezaubernd.“ sagte er. Der kalte Krieg wurde nie so recht aufgewärmt in der Arktis, aber ungefähr eine Dekade später, als er als lokaler Förster arbeitete, wurde er dazu gezwungen, die Waffen wieder in die Hand zu nehmen. Er erzählte uns, wie seine Truppe von nur 30 Männern monatelang alleine gegen die aserbaidschanischen Militärs und deren bewaffneten Einsatztruppen kämpfen musste, als der Krieg auch seine Stadt erreichte. Er verlor seinen Sohn, 30.000 Menschen starben, über 80.000 wurden verwundet. Millionen Menschen wurden und blieben Flüchtlinge. Die Nagorno-Karabakh-Enklave, wo die letzten kaukasischen Leoparden leben, gehört weiterhin, wenn auch umstritten, de-facto zu einer Regierung die amerikanische Unterstützung genießt. Da es sich um eine gefährdetes Ökosystem handelt, hat diese Region endlich etwas Aufmerksamkeit des Westen auf sich ziehen können, und Rubens Truppe von bewaffneten Förstern wurde mit Jeeps, Petroleum, Ferngläsern, GPSs, detaillierten Landkarten und neuen Uniformen und Waffen ausgestattet.

Cerush Adamir und die anderen Förster haben über den WWF neue Ferngläser und GPS-Transmitter vom norwegischen Umweltministerium erhalten, um damit den Wald besser sichern zu können.

In der Zeit nachdem das Sowjetregime zusammenbrach und nach dem blutigen Krieg, haben die Leute aus dem Dorf nur dank der natürlichen Ressourcen des Waldes überleben können. Die Strafen für Wilderei und illegales Holzfällen wurden aber mittlerweile hochgesetzt und die Leute aus dem Dorf können nicht mehr vom Jagen, Vieh und Feuerholz leben. Diese Bemühungen, politisch unterstützt von der Regierung in Yerevan, wurden unter anderem von europäischen Hilfsorganisationen gesponsort und von Umweltorganisationen, wie beispielsweise dem WWF, durchgeführt. Der gewählte Sprecher des Dorfes Nerkin, das ganze 100 Einwohner hat und inmitten des Reservats liegt, erzählt uns, „In den Zeiten der Sowjets hatten wir alle Jobs in Büros und Fabriken. Jetzt sind wir abhängig von der Natur. Aber Ruben hat uns erklärt, dass wenn wir zu viele Tiere jagen, diese dann aussterben, wenn wir zu viel Holz aus dem Wald fällen, werden die Bäume sterben. Wir akzeptieren, dass dies nun mal die Fakten sind. Aber gleichzeitig trifft es uns hart zu sehen, dass die Regierung so viel Geld dafür ausgibt, Tiere zu beschützen, während wir leiden.“ Um das Herz der Dorfleute für das Leopardenschutzprogramm zu gewinnen, wurden nun einige Investitionen getätigt um alternative Lebensgrundlagen zu schaffen. Kaum jemand hat einen kaukasischen Leoparden, der nicht in Gefangenschaft lebt gesehen und es sind vermutlich nur noch ein knappes Dutzend übrig, die noch in der Region leben. Einige bewegen sich frei über die armenischen Staatsgrenzen hinweg, nach Nagorno-Karabakh und in den Nordiran, aber dort werden sie nicht von Ruben beobachtet und sind demnach nicht sicher. „Vor vier Jahren haben wir einen Leoparden verloren“, erzählt uns der Raubtierforscher Igor Khorozyan, „als er die Grenze nach Nagorno-Karabakh überschritt, wurde er dort erschossen.” Khorozyan studiert Leoparden und ihr Verhalten seit 12 Jahren, hat aber bisher nur selten lebende gesehen. Sie zu sehen ist nahezu unmöglich, sie wandern in der endlosen südarmenischen Berglandschaft herum. Man kann nur anhand von Kot- und Kratzspuren und Beuteresten (manchmal tote Wölfe) ausmachen, wo sie sich befinden. Der Krieg ist vielleicht der größte Killer in Südarmenien, aber die majestätischen Wildkatzen sind immer noch ganz oben in der Nahrungskette.

Förster am Meghi-Abgrund, über der Enklave in Süd-Armenien. Der Abgrund ist der einzig große Weg zum Reservat und wird ununterbrochen bewacht um Wilderer fern zu halten.

Unter den Einheimischen ist es nicht so gerne gesehen, dass die Förster Jeeps, Waffen und andere Ausrüstungsgegenstände aus dem Westen erhalten haben, aber sie respektieren die Förster dennoch, da viele von ihnen für das Dorf im Karabakh-Krieg gekämpft haben.

Der gewählte Sprecher des kleinen Dorfes Nerkin, Tatjik Vagadasaryan (rechts) und der Förster und Guerrillführer Ruben Mkrtohyana (links).

Eine vom Krieg verwüstete armenische Stadt.

Die Statue der UDSSR steht noch immer in Yerevans zentralem Park, während das Sowjetregime schon längst eine verschwommene Erinnerung in dem kleinen Kaukasusstaat Armenien ist.

Dank den Naturschutzbemühungen und Armeniens unglaublichen Bergen, findet nach und nach mehr Ökotourismus in diesem kleinen Land statt. Hoffentlich wird das den Leuten im Dorf den einen oder anderen Extra-Dollar bringen.

Fotos: THOMAS HAUGERSVEEN