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Happy Birthday Muhammad

Gestern Abend haben wir auf Muhammads Geburtstagsfeier Bier getrunken und gewartet, dass er endlich auftaucht. Er hatte sich auf der Brücke von uns getrennt und war allein durch das U-Bahn-System nach Tahrir gelaufen.
4.2.11

Gestern Abend haben wir auf Muhammads Geburtstagsfeier Bier getrunken und gewartet, dass er endlich auftaucht. Er hatte sich auf der Brücke von uns getrennt und war allein durch das U-Bahn-System nach Tahrir gelaufen. Seitdem hatte ihn niemand mehr gesehen. Die Telefone funktionierten noch immer nicht und Ahmed war bei ihm. Ich war müde, wollte aber nicht schlafen bis ich sein Gesicht gesehen hatte. Ich legte mich auf ein Kissen neben die Anderen, um meinen Kopf ein bisschen auszuruhen – und schlief dann sofort ein. Ein paar Stunden später wachte ich von dem Song aus dem Ghost Soundtrack auf.

„Das war mein Abschlussball-Song“, verkündete ich.

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„Warst du die Ballkönigin?“, fragte Maia.

„Natürlich nicht!“

Sherif gab mir sein Telefon. Darauf war ein Video von einem Typ zu sehen, der in Midian in den Kopf geschossen wird.

„Warum sehe ich mir so was an?“, fragte ich. „Wo ist Muhammad?“

Ich hatte fruchtbare Träume gehabt und beschlossen, nicht noch mal zu schlafen. Ich fand heraus, dass Muhammad irgendwo in einem Hotelzimmer war. Wir hatten aber noch immer nichts von Ahmed gehört.

Irgendwie hatten wir Dope klargemacht. Ich fragte nicht wie oder woher es gekommen war. Ich rauchte einfach und legte mich hin. Dann merkte ich, dass es nicht mal Dope war – ich konnte nicht sagen was es war - es war aber zweckmäßig.

Ich wachte völlig erschöpft auf und Maia fragte: „Rachel, was würdest du machen wenn du dich verliebt hättest, aber mit jemand anderem zusammen wärst?“

„Naja, das wär cool“, sagte ich.

„Was ist Liebe?“, fragte sie.

„Was ist der Unterschied zwischen verliebt sein und jemanden lieben?“, erwiderte ich.

Ja, ich hab mich in einen ägyptischen Typen verliebt – er ist derjenige, auf den ich im Apartment gewartet hab.

Little Lew wohnt jetzt bei uns. Er wüsste nicht wohin, wenn wir abreisen würden. Ich glaube das Internet funktioniert zwar immer noch, läuft aber nicht besonders zuverlässig. Wir blieben bis sieben Uhr wach und warteten auf Muhammad und Ahmed. Sie tauchten nicht mehr auf. Der New-York-Giants-Hut, den ich Muhammad zum Geburtstag schenken wollte, liegt immer noch auf dem Tisch.

Unsere zwei ägyptischen Freunde sind heute morgen wieder aufgetaucht, nachdem sie die ganze Nacht in Tahrir verbracht hatten. Sie sahen so müde aus. Ich ging raus um was zu essen und Zigaretten zu kaufen. Niemand hatte welche. Ein paar Typen sahen mich suchen und flüsterten: „Psssst, Aiza Sigara?“ Dann brachten sie mich in eine Seitenstraße und ich kaufte zwei Packungen angemessen-teure (ich glaube es waren umgerechnet ungefähr 3$) Schwarzmarktzigaretten.

Unsere Freundin, die ein drei-jähriges Kind hat, war letzte Nacht hiergeblieben nachdem eine Menge Leute darauf bestanden hatten, dass sie abreist. Sie ist heute morgen panisch aufgewacht und sofort gefahren. Dann schauten wir die Nachrichten. Es sah aus, als hätten sich die Krawalle etwas beruhigt und die Menschen versammelten sich wieder in Tahrir. Wenn wieder zwei Millionen Menschen zusammenkommen, dachten wir, müsste bald alles vorbei sein. Unsere ägyptischen Freunde baten uns, heute zuhause zu bleiben. „Wenn ihr uns unterstützen wollt, bleibt hier“, sagten sie. Natürlich taten wir das. Wir planten, bald nachhause zu gehen um little Lew und alle anderen zu treffen, die eventuell wieder bei uns auftauchen könnten. Unsere Wohnung und die unserer irischen Freunde war irgendwie zum Zufluchtsort für jeden geworden, der irgendwo unterkommen musste. Unser Freund Merc beschloss trotz unserer Bedenken in sein Apartment in die Stadt zu gehen. Seine Nachbarn hatten gestern angerufen und gesagt, er solle nach seinen Wertsachen sehen weil sie nach Saudi-Arabien geflüchtet wären.

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Ein paar Minuten später merkte ich, dass mein Telefon endlich wieder funktionierte und fand heraus, dass es Ahmed gut ging.

„Wir haben versucht, das Problem zwischen den Pro- und Anti-Mubarak Demonstranten zu lösen“, sagte er. „Wir haben es geschafft.“

Er sagte er hätte von Muhammad nichts gehört aber einige Leute hätten ihn gesehen und es ginge ihm gut. Ahmed und ein paar unserer Freunde wollten heute wieder zur Arbeit gehen. Auf den Straßen sah es ganz normal aus, sogar die Händler verkauften Kassetten, Sonnenbrillen und Hüte. Allerdings fuhr ein Rudel Panzer an uns vorbei während wir Getränke kauften. Sie fuhren nach Tahrir.

Als wir nachhause kamen, hatte Lew das gesamte Apartment geputzt und für uns gekocht. Er hatte auch einige der Kommentare gesehen, die die Leute nach meinen letzten Einträge hinterlassen hatten, und schämte sich für den „Sex mit einer 19-jährigen“-Post. Er ist so verdammt cool.

L sagte: „Scheiße, wir sind auf Gawker! War ich aber schon mal… ich war in einer American Apparel Werbung“.