Die AfD hat jetzt nicht nur Angst vor Muslimen, sondern auch vor Vibratoren

Nachdem ein lautloses Sexspielzeug als sächsische Technikinnovation gefeiert wurde, sieht die AfD die Zukunft unseres Landes in Gefahr.

|
16 November 2016, 12:20pm

Die AfD hat ein Problem mit Sexspielzeug. Zumindest wenn es als deutsche Technik-Innovation gehandelt und auch noch wirtschaftlich gefördert wird. Vergangene Woche wurde die AfD unruhig. Der Grund: Das Start-up Laviu aus Freiberg hatte beim sächsischen Gründerwettbewerb "futureSAX" den mit 5.000 Euro dotierten dritten Platz belegt. Das Problem der Rechtspopulisten mit der sächsischen Forschungsförderung: Die prämierte Entwicklung aus dem Hause Laviu ist ein Vibrator. Oder wie die Unternehmenswebsite verspricht: "Das erste lautlos pulsierende Lovetoy der Welt".

Vor diesem Gerät zittert die AfD | Screenshot: Laviu

Die Empörung der AfD kommt allerdings etwas verzögert. Die Preisverleihung hatte bereits im vergangenen Juni stattgefunden.

"Wer die Entwicklung eines lautlosen Vibrators für innovativ hält und mit dem dritten Platz prämiert, muss sich fragen lassen, welches Technologie-Verständnis er vertritt", echauffierte sich der AfD-Landesvize Thomas Hartung. Und, obwohl sich die Entwickler des Liebesspielzeugs von technischen Innovationen aus Luft- und Raumfahrt inspirieren ließen (was wohl auch den stolzen Preis von 139 Euro rechtfertigt), ist Hartung der technische Anspruch noch immer nicht genug. "War Sachsen früher stolz auf Erfindungen wie die Lochtrommelwaschmaschine, den mechanischen Webstuhl oder die erste funktionstüchtige in Deutschland gebaute Dampflokomotive, sollen es heute Sexspielzeuge sein."

Screenshot: AfD Sachsen

Welche Innovationsaspekte der AfD generell als qualitativ wertvoll erscheinen, erläutert Hartung nicht weiter. In diesem Fall jedoch kommt die Sextoy-Forschung der parteilichen Familienpolitik empfindlich in die Quere. Denn: Wer Dildos benutzt, zeugt keine Kinder. Da liegt es scheinbar auf der Hand, dem sächsischen Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), der für den Wettbewerb "FutureSAX" zuständig ist, den Beinamen "Dildo-Dulig" zu verpassen. (Wobei der Minister selbst fortpflanzungstechnisch die meisten AfD-ler in den Schatten stellt. Dulig hat sechs Kinder.)

Hartung unterfüttert seine Kritik nicht nur mit der vergleichbar "hanebüchenen Idee von 'Onkel Ahmed-Läden'" [türkischen Lebensmittelläden], sondern verweist auch auf die Inszenierung der SPD Sachsen als Familienpartei. So sei die Förderung von Sexspielzeug so ziemlich das Gegenteil einer Politik, die die Zukunft der Kinder in den Mittelpunkt stellt, so der Landesvize. Ein "Armutszeugnis" sei die Innovationsförderung der sächsischen SPD. Stellt sich natürlich die Frage, ob die AfD-ler keine Lust haben, Kinder zu zeugen, nur weil sie sich ab und zu mal selbst einen Orgasmus verschaffen.

Ebenfalls aus der Angst, das deutsche Volk sei vom Aussterben bedroht, positioniert sich die AfD auch gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. So äußerte sich kürzlich Frauke Petry mit den Worten: "Herr Maas möchte die Ehe für alle und übersieht dabei, dass es die klassische Familie ist, die dem Land Kinder schenkt." Ob es ohne gleichgeschlechtliche Ehen mehr Kinder im Land geben würde, sei dahingestellt. Der Gebrauch von Sexspielzeug gilt bisher jedoch in keiner Weise als Verhütungsmittel für eine Schwangerschaft. Weder beim Sex noch zwischen den einzelnen Akten. (Nur als kleine Zusatzinfo, falls unter den Lesern der ein oder andere verwirrte Rechtspopulist ist.)

Wirtschaftsminister Martin Dulig selbst äußert sich nicht zu den Vorwürfen. Sein Sprecher sagte allerdings: "Die AfD erwartet doch nicht ernsthaft, dass Minister Dulig über dieses peinlich-billige Stöckchen aus dem Moralbuch der 50er Jahren springt und reagiert. Wenn Dildos für die AfD im Jahr 2016 ein Skandal sind, sie ein innovatives Unternehmen herabwürdigen will, ist das ihre Sache und sagt viel über die Partei aus. Wir bemühen uns hingegen lieber um neue Arbeitsplätze in Sachsen [...] Dies interessiert die Sachsen garantiert mehr."

Laviu hingegen kommt die Aufmerksamkeit sicher sehr gelegen. Die Crowdfundig-Kampagne, die die serielle Produktion des lautlosen Vibrators sichern soll, war bereits innerhalb von fünf Tagen mit 20.000 Euro komplett finanziert. Mittlerweile sind über 30.000 Euro zusammen gekommen—und die Kampagne läuft noch einen ganzen Monat. Im Frühjahr 2017 soll das preisgekrönte Sexspielzeug auf den Markt kommen.

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Snapchat.