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Musik

Maximilian Hecker erträgt die eigene Kleinheit nicht

Maximilian Hecker ist ein Getriebener, der ständig zwischen Depression und Manie, Angst und Größenwahn pendelt.
2.8.12

Fotos: Grey Hutton

Maximilian Hecker möchte sich eigentlich im St. Oberholz am Rosenthaler Platz mit mir treffen, doch dann entscheiden wir uns schnell dagegen. Ihm ist es zu laut, ich komme mit der übertriebenen Berlin-Mitte-Attitüde nicht klar. Wir gehen der Einfachheit halber nur über die Straße und setzen uns ins Fabisch. Das ist zwar noch immer Mitte pur, aber zumindest haben wir Ruhe. Und die tut dem Gepräch gut. Statt der veranschlagten 30 Minuten reden Maximilian und ich mehr als eine Stunde über seinen Aufstieg und den vermeintlichen Fall.

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Noisey: Dein Buch heißt The Rise and Fall of Maximilian Hecker. Du hast allerdings schon im Vorfeld mehrfach betont, dass sich der Titel nicht auf deine musikalische Karriere bezieht. Siehst du nicht die Gefahr, dass trotzdem viele zuerst diese Assoziation herstellen?
Maximilian Hecker: Das stimmt, die Karriere ist natürlich auch am Ende.

Das möchte ich nicht beurteilen. Aber du gehst das Risiko ein, dass Leute, die das Buch im Laden sehen und vielleicht länger nichts von dir gehört haben, genau so denken.
Ja. Aber kann so etwas schaden? Aus welchem Grunde sollte es? Ich glaube, der Leser ist bei diesem Buch ständig aufgefordert, das Augenzwinkern mitzulesen. Mit Augenzwinkern meine ich nicht, dass das, was ich geschrieben habe, nicht stimmt. Aber Ironie ist wichtig für mich, ich benutze sie gern und häufig, auch im Alltag und deshalb ist die Ironie natürlich auch im Text. Natürlich sollte der Leser das Übertriebene und Größenwahnsinnige des Titels The Rise and Fall of Maximilian Hecker bemerken. Ob er das tut, weiß ich nicht. Es ist ein Leichtes zu sagen, ,Der Hecker ist ein Spinner, größenwahnsinnig‘ und so weiter …

Es ist allerdings auch ein Leichtes zu sagen, das ist ironisch gemeint.
Ich glaube, dass man so bei so mächtigen Worten wie The Rise and Fall nicht einen G-Prominenten wie mich erwartet, sondern jemanden, der tatsächlich Großes vollbracht hat. Im Grunde ist das eine Phrase, in die ich mich eingefügt habe, ohne da hineinzupassen. Ironischer geht es nicht.

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Wie kam es dazu, dass du angefangen hast, ein Buch zu schreiben?
Ich habe schon seit ich ungefähr 17 war, immer Aufzeichnungen gemacht. Ich würde es nicht Tagebuch nennen, sondern es war eher so, dass ich Erlebnisse rückblickend aufgeschrieben habe. Oder ich habe im Dezember ganze Jahre rückblickend zusammengefasst. Ich habe dann, nach einer gewissen Zeit, diese Texte immer binden lassen. Die Vorläufer von The Rise and Fall of Maximilian Hecker stehen zuhause in meinem Regal.

Hast du dich jetzt bei diesen Aufzeichnungen bedient?
Ja, etwa ein Drittel stammt daher. Die anderen zwei Drittel habe ich geschrieben, als ich wusste, das ich nun an einem Buch arbeite. Lange Zeit habe ich nicht gedacht, dass das, was ich für mich schreibe, gut genug geschrieben oder interessant genug ist, um veröffentlicht zu werden. Und dann habe ich innerhalb kürzester Zeit The Tokyo Diaries von David Schumann und 52 Wochenenden von Jens Friebe gelesen und dachte, okay, das kann ich eigentlich auch. Und dann habe ich begonnen, The Asia Diaries zu schreiben. Habe also die Aufzeichnungen über meine Asienreisen gesammelt und diese ergänzt. Ich wollte das erst fertig schreiben und danach gucken, ob ich es veröffentlichen kann. Aber dann meldete sich ein Literaturagent, der ein Interview von mir gelesen hatte, und fragte, ob ich nicht ein Buch schreiben möchte. Und darauf habe ich ihm gesagt, ich habe bereits ein Buch fertig. Er hat mich dann motiviert, eben nicht nur meine Asienerlebnisse aufzuschreiben, sondern auch den Gegenpol: Europa, Deutschland, Berlin. Trotzdem ist dieses Buch für mich ein Experiment, ich sehe mich nicht als Schriftsteller.

Auf mich wirkt der Text sehr offen, sehr ehrlich und auch sehr ernst.
Das finde ich gut, weil es Leute gibt, die den ernsten oder auch den lyrischen Aspekt gar nicht bemerkt haben. Sondern eher davon berichten, dass sie sich unterhalten gefühlt haben oder lachen mussten. Aber natürlich gibt es viele ernste Passagen, man kann dieses Buch auch als einen tragischen Entwicklungsroman lesen. Da ist einer, der hat Hummeln im Hintern und einen Stock im Arsch—also gleich zwei interessante Sachen im Enddarm—und dazu noch Flausen im Kopf. Und der versucht, sich zurechtzufinden und schwankt dabei immer zwischen zwei Polen: seiner Heimat, beziehungsweise seiner Depression und der Metropole, beziehungsweise seiner Manie. Er fühlt sich auf beiden Seiten nicht wohl, weil er sich im Grunde nur wohlfühlen könnte, wenn er sich selbst erkennt und sein eigenes Leben führt. Nicht das der Eltern oder das des Klischee-Popstars. Das ist die Suche, die man als Leser miterlebt. Nur leider endet diese Suche nicht, denn was ich geschrieben habe, ist ein Entwicklungsroman ohne Entwicklung.

Es gibt weit und breit kein Happy End.
Ja, es war mir total wichtig, dass das Buch nicht so endet, wie in der Biografie von Eric Clapton, der seine Melia findet und damit ist sein ganzes Leben mit all den Aufs und Abs, mit Drogenkonsum und so weiter plötzlich gut. Ein Happy End wäre ja auch in meine Alter etwas verfrüht.

Wie das interview weitergeht und ob sich vielleicht doch ein Happy End anbahnt, könnt ihr auf Noisey lesen!