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Werden morgen Tausende Nackte mitten in Berlin für den Zionistendelfin demonstrieren?

Die Hamas hat einen israelischen Delfin-Agenten in ihrer Gewalt. Mit #freedolphinfromhamas werden Berliner Aktivisten dagegen demonstrieren.
3.9.15
Foto: Flickr | Juanedc | CC BY 2.0

Dieser Mossad ist ja an allem schuld. Anonymous-Kollektiv, immer gut für „aufklärerische" (manche würden sagen hetzerische) Posts, implizierte, dass der israelische Geheimdienst hinter dem Anschlag auf Charlie Hebdo stand. Belege dafür gab und gibt es keine. Macht nichts. Im Letzten Jahr veröffentlichte die englischsprachige Tehran Times eine Geschichte, die enthüllen sollte, dass der IS ein gemeinsames Projekt von CIA und Mossad ist. Dabei bezog man sich auf ein gefälschtes Interview mit Edward Snowden. Obwohl auch diese Theorie widerlegt wurde, sich keine Beweise in den von Snowden geleakten Dokumenten zu finden sind und er in der Realität auch nie das entsprechende Interview gegeben hat, ist der Mossad in den Köpfen deutscher und internationaler Verschwörungsideologen auch hier an allem schuld. Selbst Jürgen Möllemann fühlte sich schon 2003 von den Israelis verfolgt. In seinem Buch Klartext schrieb er über einen geheimnisvollen „Mann ohne Namen", der Guido Westerwelle anwies, Möllemann abzusägen. Westerwelle soll nachgefragt haben, wer sein Gesprächspartner war, und „der Mossad" als Antwort erhalten haben. Dass niemand in Israel Möllemann überhaupt kannte: macht nichts. Egal, ob Dominique Strauss-Kahn, MH-370 oder 9/11. Es war immer der Jude, äh, der Mossad, natürlich.

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Und jetzt das, Ende August wird ein israelischer Agent von der Hamas festgesetzt. Und es herrscht anscheinend eine Nachrichtensperre. Denn nichts dringt mehr an die Öffentlichkeit über den Festgenommenen. Keine Stellungnahme, keine Fotos.

Vielleicht auch, weil es sich um einen Delfin handelt. Einen Delfin, der laut der in London erscheinenden Zeitung Al-Kuds Al Arabi mit Kameras, Spionageausrüstung und giftigen Pfeilen ausgerüstet war. Beweise dafür gibt es keine, ebenso wenig für die angeblich vom Mossad ausgebildeten Riesenratten, Adler und Geier, die immer wieder der Spionage für Israel verdächtigt werden. Oder für die Mossad-Haie, die vor der ägyptischen Küste Touristen fressen, um der Wirtschaft des Landes zu schaden. Trotzdem hat die Hamas den Artikel auf ihrer Website weiterverbreitet.

Eine Aktivistengruppe aus Berlin hat nun für morgen eine Soli-Demo für den gefangenen Agenten angekündigt, bei der sich Gerüchten zufolge auch Menschen aus Solidarität mitten auf dem Alexanderplatz ausziehen werden. Alexander Nabert, einer der Organisatoren der Demonstration, sagt dazu: „Am Freitag kommen wir mit vielen delfinsolidarischen Zionismusfreunden zusammen, um gemeinsam die Freilassung unseres schwimmenden Genossen zu fordern. Viel zu lange ist er schon in Gefangenschaft der Terroristen—wir sind uns nicht mal sicher, ob er genug Wasser bekommt. Oder noch schlimmer: Vielleicht setzt man gar Waterbording gegen ihn ein. Und Merkel schweigt! Wir werden auf dem Alexanderplatz unsere Solidarität mit allen politisch gefangenen Mossad-Agenten —ob stromlinienförmig oder nicht—zeigen. Letzten Endes sind Delfine auch nur Menschen."

Tatsächlich geht es Nabert und den anderen Aktivisten aber um vielmehr. Laut der Gruppe ist die Geschichte vom gefangenen Delfin nur das neueste Kapitel eines Propagandakrieges der Hamas gegen Israel: „Derartige antisemitische Verschwörungsmythen sollen die Vernichtung aller Juden weltweit legitimieren, die die Hamas schon in ihre Gründungscharta ankündigt. Darauf wollen wir hinweisen."

Wenn ihr noch gute Verschwörungstheorien auf Lager habt, erzählt sie Stefan bei Twitter.


Foto oben: Flickr | Juanedc | CC BY 2.0