Google-Bildersuche und ‚Melfies‘

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Google-Bildersuche und ‚Melfies‘

Jackson Eaton, ein Fotograf aus Melbourne, stellt das Konzept von Selfies auf den Kopf.
16 Januar 2015, 5:57am

Die Leute folgen Jackson Eatons Fotos im Internet mit der gleichen Intensität, die sie ansonsten nur bei Fernsehserien an den Tag legen. Seine Bilder lassen dich an den intimsten Momenten seines Lebens teilhaben—durch sie kannst du viel über seine Beziehungen erfahren, seine Freunde und Bekannte kennenlernen und seiner Gesichtsbehaarung beim Wachsen zuschauen. OK, ich weiß, das könnte sich erstmal etwas langweilig anhören, aber das ist es wirklich nicht. Für sein aktuelles Projekt, Melfies 2, hat er Körperteile von sich fotografiert, die Fotos durch die umgekehrte Bildersuche bei Google gejagt und die Ergebnisse dann in verschiedenen Collagen zusammengestellt. Das erzählt zwar nicht so viel über sein Leben, dafür erhalten seine begeisterten Follower einen spannenden Einblick in seinen Kopf.

VICE: Wann hast du für dich entschieden, Google auf diese Weise zu nutzen?
Jackson Eaton: Die Bildersuche auf Google hat mich schon immer fasziniert, weil ich sie für ein gutes Ausgangsmittel zur Herstellung von Kunst halte. Natürlich versuchst du es am Anfang erst mal mit einem Foto von dir selbst. Dieses Jahr habe ich ein Masterprogramm in bildender Kunst an der Monash University in Melbourne begonnen. Ich untersuche das Selbstporträt in einem zeitgenössischen Kontext. Ich hatte ja schon mal das Projekt Melfies 1 gemacht. Melfies 2 war dann eine Idee, die sich daraus entwickelt hat.

Hattest du schon Copyright-Probleme, weil sich jemand darüber beschwert hat, dass du sein Gesicht verwendet hast?
Nein. Bei meiner aktuellen Reichweite ist das auch eher unwahrscheinlich. Sollte ich mal so bekannt werden wie Richard Prince und riesige Prints von Instagram-Fotos anderer Personen verwenden und diese in der Gagosian Gallery ausstellen, könnte ich natürlich ein Problem bekommen.

Was willst du—abgesehen von Selfies—noch mit deinem Projekt untersuchen?
Natürlich geht es darum zu untersuchen, inwieweit wir mit solchen Bildern wirklich einen Teil unserer individuellen Erfahrung zum Ausdruck bringen. Was nämlich wirklich passiert, ist, dass diese Ausdrucksformen einen repetitiven Charakter einnehmen—die immer selben Selfies tauchen auf. Ich will also mithilfe dieses Projekts aufzeigen, dass wir durch Selfies nicht unsere Individualität ausdrücken können.

Würdest du jemals deine Arbeiten in einer Galerie ausstellen, oder glaubst du, ihr einziger Platz sollte das Internet sein?
Genau mit dieser Frage schlage ich mich gerade herum. Ich möchte, dass Instagram die wichtigste Darstellungsform dieser Arbeiten bleibt, dass die Arbeiten wieder in der Form zu sehen sind, die sie selber kritisieren und aufs Korn nehmen. Wenn sich aber mal die Gelegenheit ergeben sollte, werde ich mir überlegen, wie man meine Arbeiten an einen anderen Kontext anpassen könnte.

Hast du dich auch schon mal dagegen entschieden, ein bestimmtes Werk zu posten, weil sich dein Internet-Ich und deine wahre Person am Ende noch gekreuzt hätten?
Natürlich sind das die Fragen, die wir uns die ganze Zeit über stellen, und genau solche Themen schwingen auch bei meinen Arbeiten mit. Es gibt viele Fragen zum Thema erweiterte Darstellungskontexte und dazu, wie wir über unser wahres Selbst bzw. unser natürliches/biologisches Selbst denken. Auch das ist ein Teil von Melfies: Die Maskierung unseres natürlichen Körpers und unserer wahren Identität.