In Prora, einem kleinen Ort auf der Insel Rügen, sollte die gigantischste und tollste Ferienanlage des Landes, nein der Welt, errichtet werden. Es war geplant, dass gleichzeitig 20.000 Nazis an einem der schönsten und längsten Sandstrände der Insel Kraft durch Freude tanken können, um danach wieder gestärkt gegen Rassen- bzw. Volksschädlinge agieren zu können. Doch dann kam der Zweite Weltkrieg und das “Seebad der 20.000″ wurde nie fertig gestellt. Immerhin hatte man es geschafft, einen 4,5km langen und sechs Stockwerke hohen, potthässlichen Gebäudekomplex zu errichten, der heute größtenteils noch steht. Nach dem Krieg zog das russische Militär und später die NVA ein. Erst hat der Koloss von Prora also die Niederlage des Nationalsozialismus erlebt und dann den Niedergang des Kommunismus. Heute leidet er unter randalierenden Jugendlichen, einem NVA-Museum, das “neutral, nicht glorifizierend, nicht negativ” ist, und das Erbe des Massentourismus in Prora übernehmen die im nördlichsten Block gelegene größte Jugendherberge Mecklenburg-Vorpommerns und im Süden die größte Disko Rügens. Herzlichen Glückwunsch. Am besten ihr sucht euch irgendwo ein nicht verschanztes Fenster oder eine nicht verbarrikadierte Tür und schaut euch das ganze von innen an oder macht einen Spaziergang über die Dächer. Ach, scheiß drauf, vielleicht findet ihr ja noch ein paar heile Fensterscheiben.
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