Nahaufnahmen von Narben, Nägeln und Nabeln

Nahaufnahmen von Narben, Nägeln und Nabeln

Körper im Makroformat geben unserem Autoren Durchfall—Outtakes von Diana Pfammatter.
11.7.16

Die Kruste um das leere, etwas durchhängende Ohrloch? Der Schorf und das Haar, das das gefüllte, leicht entzündete Ohrloch umspielt? Der Plaque um die Zahnspange, allein die Verfärbung vom Leim der angeklebten Fingernägel? Ein Fingernagel, der von einer Nähmaschine oder einer Mutprobe gestanzt wurde? All die Narben! All die Härchen! Versteht mich nicht falsch. Ich mag diese Fotos von Diana Pfammatter.

Das Foto vom blutumrandeten Auge ist so wunderschön unmitleidig, in seiner Verletztheit anmutig, dass es zurecht in einer Kunstausstellung und nicht auf einem Gewaltpräventionsplakat gezeigt wird. Alle sind sie schön. Alle thematisieren sie Körperkult, Eingriffe, ob freiwillig oder nicht.

Alltäglich zu wiederholende Badezimmergewohnheiten und Überbleibsel von Erfahrungen, die wir unser ganzes Leben mit uns herumtragen. Ich weiß, dass jeder von uns was zeigen kann, das in diese Serie passt, und schätze das auch als eine von vielen Stärken in Dianas Arbeiten. Das Eigene und das Urmenschliche. Trotzdem, ich darf's doch sagen: Mir wird schlecht. Und ich kann nicht aufhören, mich durch die Bilder durchzuklicken.

Sie sind wie das Ekzem, das ich bereits mit vier Salben behandelt, zwei Ärztinnen und drei Apothekern gezeigt habe und an dem ich seit drei Jahren herumkratze (liebe Diana, bitte sag mir, falls du das mal fotografieren magst).

Mehr von Dianas Arbeiten findest du hier: dianapfammatter.ch