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Der Papst ist ein Popstar und das Internet liebt ihn

Pünktlich zum Beginn der Karwoche ist Franziskus auf Instagram angekommen. Was ist der nächste Schritt für einen Papst, der im Internet lebt?
21.3.16

Franziskus am süß sein. Screenshot via Twitter

Es war ein vorösterliches—wenn auch unverlangtes—Geschenk der katholischen Kirche an den Rest der Welt: Einen Tag vor Beginn der Karwoche war Papst Franziskus in all seiner großväterlichen Knuddeligkeit plötzlich auf Instagram zu finden. Wenig überraschend ist es der Account, von dem wir nie wussten, dass wir ihn brauchen würden: Der päpstliche Content bietet neben andächtigen Gebets-Fotos sogar schlecht gefilmte Handy-Videos, die den Pontifex höchstpersönlich dabei zeigen, wie er nach abgeschlossener Ansprache wild entschlossen auf einem iPad rumdrückt.

Der Papst—oder einfach nur „Franciscus" if you nasty—ist ein Popstar. Nach nur zwei Tagen auf Instagram zählt er aktuell rund 1,5 Millionen Follower—Scary Spice hat vergleichsweise nicht mal halb so viele. Nahezu jede seiner Handlungen scheint wie geschaffen für Memes und Viralität: Sei es als Rapper, der mit seiner Crew gerade ein krasses Battle bestreitet, oder als (unechter) Zauberer in GIF-Form, der seine Bischofs-Kollegen mit einem magischen Tischtuch-Trick verblüfft.

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Natürlich könnte man jetzt behaupten, der letzte Papst wäre ja auch nicht minder unterhaltsam gewesen: Benedikt XVI. fiel während seiner Amtszeit vor allem durch Modebewusstsein und eine Vorliebe für stylische Kopfbedeckungen auf. Vom Sombrero bis hin zum gewagteren Modell in Rot mit goldenen Akzenten war alles dabei—eine wahre vatikanische Fashion Icon. Nur war die Welt während der Ära Ratzinger eine andere und alles, was Papst Benedikt an Meme-Potential mitbrachte, war seine besorgniserregend hohe Ähnlichkeit mit dem Imperator aus Star Wars. Franziskus hingegen regelt das Internet, als hätte er nie etwas anderes gemacht—sogar dann, wenn er ab und zu mal auszuckt.

Während die multilingualen Twitter-Accounts des Papsts zusammengerechnet an die 26 Millionen Follower zählen, sein Insta-Game weiterhin wächst und Facebook viel zu 2010 für jemanden wie Franziskus ist, bleibt die Frage, wohin als Nächstes für den Papst. In Anbetracht der Tatsache, dass der Pontifex täglich motivierende Sprüche via SMS an Fastende verschickt, sind folgende Szenarios wohl gar nicht mehr so unrealistisch.

Der Papst auf Snapchat

Screenshot via Twitter

Zum letztjährigen US-Besuch von Franziskus gab es neben eigenen Emojis auch einen Snapchat-Filter inklusive päpstlichem „They see me rollin'"-Meme. Nachdem die Snapchat-Lawine 2016 mit ziemlicher hoher Wahrscheinlichkeit auch die letzten Opfer überrollen wird, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Papst uns mit Daily Snaps aus der Sakristei beglückt und sein knuffiges Gesicht mit diesem Hunde-Filter nochmal knuffiger macht.

Der Papst auf WhatsApp

Wie bereits erwähnt, verschickt Franziskus ohnehin schon SMS an seine Fans. Auf WhatsApp wären die Möglichkeiten im Hinblick auf Sündenvergebung, Weihnachtsgrüße sowie Segnungen jeglicher Form nochmal um ein ganzes Stück größer. Man denke dabei nur mal an Sprachnachrichten und Gruppenchats.

Abgesehen davon ist WhatsApp wohl auch die eine Plattform, mit der sich sogar unsere Omas irgendwie zurechtfinden zu scheinen. Und selbst wenn das einen unfassbar willkürlichen und exzessiven Einsatz von Emojis bedeutet, so wäre WhatsApp in Anbetracht der erreichten Altersgruppen wohl das effizienteste Tool für Papst Franziskus.

Der Papst auf Tinder

His palms are sweaty, knees weak, arms are heavy. Foto via Twitter

Der wahrscheinlich letzte Schritt in der Transformation zum wahrhaftigen Internet-Heiland. Jeder, der in Wien tindert, hatte schon mal diesen Typen, der dort Handys repariert—seine Tagline liest sich ungefähr so: „Bitte nur rechts swipen, wenn ihr eine Handy-Reparatur braucht". Seine Fotos zeigen währenddessen ausgebaute Einzelteile von Smartphones. Dieser Typ hat das Businessmodell der Zukunft begriffen. „Bitte nur rechts swipen, wenn ihr an Gott glaubt" könnte der katholischen Kirche womöglich ganz neue Türen öffnen.

Und warum auch nicht—schließlich hat Madonna ihr Album ja auch zielgruppengerecht auf Grindr promotet. Und wenn der Papst ein Popstar ist, dann ist er für die katholische Kirche das, was Madonna für Grindr ist. Es kann nicht mehr lange dauern, bis Franziskus seine Debütsingle droppt. Und vielleicht streamt er den Ostersegen ja schon auf Periscope.

Habemus Franz auf Twitter: @FranzLicht