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Dieser Artikel ist vor mehr als fünf Jahren erschienen.
GAMES

Videospiele sind die Krone der menschlichen Schöpfungskraft

Games sind fantastisch und die größte gesellschaftliche Errungenschaft nach Milchschnitte.

von Lisa Ludwig
16 Juli 2014, 10:20am

Foto: Joshua Livingston | Flickr | CC BY 2.0

An ähnlicher Stelle hatte es sich ein hoch geschätzter VICE-Kollege zur Aufgabe gemacht, zu erklären, warm Videospiele „der größte Scheiß" sind. Sorry Andreas, aber das ist natürlich absoluter Schwachsinn. Es hatte sicherlich seinen Charme, vor rund 50 Jahren als Kind mit Stöcken und Steinen zu spielen. Ich bin mir auch sicher, dass es eine Zeit gab, in der nichts anderes als Brettspiele den ewigen Spieltrieb des Menschen befriedigen konnten. Aber seien wir mal ehrlich: die Gaming-Industrie hat den Rest der Popkultur hart in den Arsch gefickt. Selbst die schlechteren Releases machen immer noch mehr Spaß als eine Runde Schafkopf mit der senilen Verwandtschaft und allein die Tatsache, wie schnell sich dieser Markt von 8-Bit zu Virtual Reality in High Definition entwickelt hat, lässt uns alle mit großen Augen in die Zukunft blicken. Games gehören zum Eindrucksvollsten, was der Homo Sapiens sich jemals ausgedacht hat (nach Milchschnitte) und ich erkläre euch jetzt, warum sie so unglaublich fantastisch sind.

MODS!

Als Mods bezeichnet man im Allgemeinen Modifikationen bereits bestehender Spieletitel. So hat man beispielsweise die Möglichkeit, die offene Welt von GTA als tödlichstes Pferd aller Zeiten unsicher zu machen, im verschneiten Skyrim gegen Drachen mit Bart und Sombrero anzutreten oder als David Hasselhoff in Wolfenstein die Nazis zu Fall zu bringen. (Eines davon habe ich mir ausgedacht. Aber es sollte existieren.) Fakt ist: Kauft man heutzutage ein Computerspiel, sollte man es nicht als fertiges Produkt bezeichnen. Irgendwo da draußen sitzt ein Mensch mit zu viel kreativer Energie und viel zu viel Zeit, der all das möglich werden lässt, was die ursprünglichen Videospiele-Entwickler zu albern fanden. Das macht jede Menge Spaß und ist durch verbesserte Texturenpacks, zusätzliche Charaktere oder die simple Option, durch eine Welt voller Nackte zu wandeln, nicht nur wahnsinnig spaßig, sondern oftmals auch atemberaubend schön.

SIE DECKEN DEIN INNERSTES SELBST AUF

Manche erfahren mehr über sich, wenn sie esoterische Bücher lesen, andere spielen 15 Minuten Sims und schrecken vor den eigenen seelischen Abgründen zurück, die sich plötzlich aufgetan haben. Klar, nur weil man eine zuvor liebevoll zusammengestellte Figur in einen Whirlpool steigen lässt, anschließend die Leiter entfernt und minutenlang dabei zuguckt, wie sie qualvoll ertrinkt, ist man noch lange kein Psychopath. Dahingegen sagt es sehr wohl etwas über dich aus, ob du deine virtuellen Kinder auf die Militärschule schickst, oder sie dazu zwingst, so lange zu lesen bis sie sich in die Hose machen. Und wer hätte von sich selbst gedacht, dass er ein rassistischer Sexist mit Tourette-Syndrom ist, bevor er sich das erste Mal bei XboxLive eingeloggt hat? Nichts ist faszinierender als der eigene Geist—und Videospiele offenbaren dir deine dunkelsten Seiten.

EGO-SHOOTER KÖNNEN FANTASTISCH SEIN

Auch wenn ich mich Michael Douglas' Charakter in Falling Down manchmal sehr nahe fühle: Ich habe weder jemals auf einen Menschen geschossen, noch habe ich vor, es zu tun. Immer wieder müssen First-Person-Shooter als die Wurzel aller Gewalt herhalten, die Teenager zu hochfunktionalen Tötungsmaschinen ausbildet. Wenn das aber wirklich der Fall wäre, hätte ich schon längst ein Anwerbungsschreiben vom SEK im Briefkasten haben müssen. Tatsächlich sorgen Spiele aus der Ego-Perspektive vor allem für eines: unfassbare Adrenalin-Schübe. Und ja, manchmal macht es einfach Spaß, nach einem stressigen Arbeitstag durch eine zerbombte Metropole zu laufen und auf alles zu schießen, was sich bewegt. Es muss ja nicht für jeden ein Battlefield sein, vielleicht versucht ihr euch erst einmal an Genre-Hybriden wie Bioshock.

DIE GAMING-COMMUNITY IST SUPER

Wenn wir die irre lachenden Multiplayer-Teenager und die albernen Konsolenkriege mal ausblenden, sind Videospiele-Fans ziemlich gut drauf. Die stundenlangen Diskussionen, die du mit Gamern über versteckte Bedeutungen, emotionale Höhepunkte und visuelle Highlights eines Titels führen kannst, lassen dich immer wieder aufs Neue vergessen, dass die Gesellschaft dich für einen sozial isolierten Asi hält. Außerdem gehören die Leute, die im 21. Jahrhundert Spiele entwickeln, zu den kreativsten und krassesten Menschen überhaupt. Neben der Tatsache, dass viele Games Filmen im cineastischen Bereich in nichts nachstehen und die Macher zusätzlich auch noch den Faktor einer fordernden, spaßigen und im Idealfall auch noch innovativen Spielmechanik integrieren müssen, haben die Leute von Naughty Dog, Irrational Games und Co. einen gottverdammten Orden verdient.

DU LIEBST SIE, AUCH WENN SIE DIR DAS HERZ BRECHEN

Es ist ein bisschen peinlich, aber ich—erwachsen und mitten im Leben stehend—habe schon des Öfteren wegen Videospielen geweint. Manchmal aus Wut, meistens aber aus einem unfassbaren emotionalen Tief heraus. Klar, Spiele wie Army of TWO oder Gears of War schaffen es in den seltensten Fällen, einen wirklich zu berühren und wollen das auch gar nicht. Von meinem ersten Heavy Rain-Durchlauf habe ich mich allerdings wochenlang nicht erholt, das Ende von Red Dead Redemption stürzte mich in eine der existenziellen Krisen meines Lebens und The Last Of Us musste ich mehrmals pausieren, um mit zitternden Händen eine gefühlte Schachtel Zigaretten wegzuatmen. Ganz zu Schweigen von der absoluten Leere, die mich nach dem Beenden der Mass Effect-Trilogie überkam. Ihr kuschelt euch bei The Notebook mit Pipi in den Augen auf die Couch? Ich musste in Far Cry 3 meinen Lieblingscharakter töten und liebe dieses Spiel trotzdem! (Ach ja: Spoiler.)

VIDEOSPIELEJOURNALISMUS IST BESSER ALS SEIN RUF

Wer mit dem Finger auf die Berichterstattung zur Gaming-Branche zeigt, sollte dabei den kompletten kulturjournalistischen Bereich miteinschließen. Ja, es gibt immer Fanboys, deren komplettes schreiberisches Schaffen darauf abzielt, möglichst viele Sachen umsonst zu bekommen und mit ihren großen Idolen abzuhängen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch immer Leute, die sich intensiv mit der Materie auseinandersetzen, wichtige Debatten anstoßen und einen immer wieder daran erinnern, dass Videospiele durchaus Kunst und Kulturgut sind. Egal was andere Teile der Gesellschaft einem erzählen wollen.

SIE LEGITIMIEREN FAULHEIT

Foto: The World According to Marty | Flickr | CC BY-ND 2.0

Nur Videospiele schaffen es, dich vollkommen von dem Fakt abzulenken, dass du seit Stunden mit Chipskrümel im Bauchnabel vor dem Fernseher hängst und nahezu alles tust, um frühzeitig an einem Herzinfarkt zu sterben. Games verurteilen dich nicht. Sie lassen dich die Tatsache zelebrieren, dass du ein faules Schwein bist. Außerdem würden sie niemals von dir verlangen, dass du eine Hose trägst.

Können wir also endlich alle aufhören uns dafür zu schämen, dass uns einer abgeht, wenn wir mit GTA-Trevor ein Frachtflugzeug rammen, in Saints Row mit einem Tiger im Auto durch die Stadt rasen oder wir uns zu Demos von Next-Gen-Titeln intim berühren? Dankeschön.

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