Tech

Unser Held der Woche: ZDF-Professor antwortet Hassmail-Verfassern

Er schlägt mit Studien und Diagrammen zurück. Klarer Punktsieg!
16 August 2016, 10:55am

ZDF-Moderator Harald Lesch | Screenshot: YouTube

Manche mögen Pokémon Go, andere Lakritz. Professor Harald Lesch aber liebt vor allem Fakten. Woche für Woche erklärt der ZDF-Moderator Zuschauern bei Terra X die Welt, redet über den Urknall, die vierte Dimension, aber auch über Hanf.

Man könnte sagen, er wirkt dabei geduldig, vielleicht sogar tiefenentspannt. Man könnte anderseits auch sagen, dass sein Auftreten so langweilig und trocken sei, dass man versucht ist, unverzüglich ein Glas Wasser über den Laptop zu schütten.

In Zeiten wie diesen aber, in denen Empörung immer höher schäumt und Hass zur Sprache des Internets wird, ist Sachlichkeit keine schlechte Idee. Das ist schließlich auch beim Fußball immer eine solide Strategie, wenn das Spiel zu hektisch wird: Ruhe reinbringen.

Und so beschloss der Herr der Fakten, sich die eher faktenscheue AfD vorzunehmen. In einem Video nahm der Moderator die Aussagen zum Klimawandel im Grundsatzprogramm der Partei auseinander.

Es gehe nicht um Politik, sondern um ein Sachthema, sagt er gleich zu Beginn. Dann widmet er sich der ersten Aussage der AfD.

"Das Klima wandelt sich, solange die Erde existiert."

"Die Aussage ist korrekt", sagt Lesch. Nun gut, es ist eben auch nur eine Aussage wie: "Schlafen ist schön." Da ist es durchaus schwer, eine andere Meinung zu finden.

Doch danach zerlegt der Moderator die nächsten acht Minuten lang fein säuberlich die Klimawandel-Äußerungen der AfD, die sich auf Seite 79 des Programms unter der Überschrift "Irrweg beenden" finden.

"Im 20. Jahrhundert stieg die globale Mitteltemperatur um etwa 0,8 Grad. Seit Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhundert gibt es jedoch [...] keinen weiteren Anstieg, obwohl in diesem Zeitraum die CO2-Emissionen stärker denn je gestiegen sind."

Das stimmt, sagt Lesch und zeigt eine Grafik auf der zu sehen ist, dass die Temperatur seit Ende der 90er Jahre scheinbar gleich geblieben ist.

Screenshot: YouTube

"Aber sind wir doch mal ehrlich und machen es mal richtig. Gucken wir uns also die Daten mal komplett an", sagt der Moderator dann und holt eine neue Kurve heraus, auf der klar zu sehen ist, dass die Temperatur in den letzten 30 Jahren angestiegen ist.

Screenshot: YouTube

Man nehme sich nur die Daten heraus, die einem passen und könne damit eine ganz neue Statistik machen, sagt er in dem Video. "Die Klimaschutzvorstellungen der AfD gehen an der Wirklichkeit vorbei."

Nach der Veröffentlichung des Videos Ende Juni gab es Hassmails und Verschwörungskommentare. Die kann man als lächerlich abtun oder sie verurteilen. Ein Professor Lesch aber macht nichts davon, sondern einfach ein neues Video. Darin redet er über die Psychologie, die hinter Hass steckt, und erklärt damit alle Hetzer an die Wand.

In aller Seelenruhe liest Lesch die Angriffe und Beleidigungen vor. Lesch fragt sich: Wie kommt es, dass sich Leute so angehen? "Der Normalfall ist, dass man von sich selbst auf andere schließt", sagt er. Nur wenn es um den Feind gehe, dann sei das auf einmal anders. Man selber beurteile sich als gut, unterstelle aber dem Anderen immer das Übelste. Das gilt für Linke und Rechte, für Palästinenser und Israelis und auch für Republikaner und Demokraten in den USA. Natürlich hat unser Professor dafür Studien, Diagramme—und sogar einen Fachbegriff: Motive Attribution Asymmetry, also eine Asymmetrie in der Zuschreibung von Motiven.

Zum Schluss packt der Professor die Kuscheldecke aus. "Mit einer gewissen Freundlichkeit und vielleicht auch Barmherzigkeit in eine Diskussionssituation reinzugehen, könnte vieles entschärfen", sagt er. Denn gut gemeint und gut gemacht, das sei eben nicht dasselbe.

Sollten aber weder Fakten noch Liebesaufrufe von Harald Lesch die Gemüter beruhigen, besteht glücklicherweise noch die Möglichkeit, dass die Hetzer beim Schauen seines Videos einfach einschlummern und das Hassen verschlafen.