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Das große Schweigen

Das ,Profil' wagt es, den Islam für gefährlich zu erklären. Doch was in Deutschland ein normaler Zeitschriftentitel wäre, gerät in Österreich zum Eklat. Das liegt an der FPÖ.
14.1.15
Foto von Michael Biach

Der folgende Artikel ist ein Gastkommentar von Manfred Klimek, der selbst von 1998 bis 2003 die Fotoredaktion von Profil leitete und für uns zuvor bereits diesen Beitrag zu Josef S. und diesen zur Räumung der Pizzeria Anarchia verfasst hat. Auch wenn wir nicht in allen Punkten mit dem Text übereinstimmen, stellt er unserer Meinung nach einen wichtigen Diskussionsbeitrag dar. Michael Bonvalot hat mittlerweile eine Replik mit dem TitelIslam-Debatte: Schluss mit Rassismus und bitte Schaum vom Mund abwischen!" verfasst.

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Das Profil wagt es, den Islam für gefährlich zu erklären. Doch was in Deutschland ein normaler Zeitschriftentitel wäre, gerät in Österreich zum Eklat. Das liegt an der FPÖ. Sie hat jeglichen Diskurs über den Islam zu einem Diskurs über ihre Positionen gemacht.

Aber fangen wir beim Eigentlichen an: Österreichs Medien sind schlecht. Verglichen mit Blättern in Dänemark, Schweden oder dem belgischen Flamen—allesamt Länder oder Regionen mit ähnlicher Bevölkerungszahl und Sozialstruktur—hat Österreich eine übergroße Anzahl minderwertiger Publikationen und mit der Kronen Zeitung, die auch in ihrem Erscheinungsbild das Reaktionäre und Gestrige zur Schau stellt, eine Tageszeitung, deren Journalisten, Herausgeber und Eigentümer sich in Deutschland oder anderen europäischen Ländern für ihre offene Hetze und absichtlich verfälschte Berichterstattung vermutlich vor dem Richter verantworten müssten.

Österreich hat aber auch ein linksliberales Nachrichtenmagazin. Als tragendes Element der die Krawallblätter verachtenden Gegenkultur. Das Magazin heißt Profil, wurde Anfang der Siebziger-Jahre von Oscar Bronner frei gegründet und fiel später in die Hände des Raiffeisen-Konzerns, der sich das Eigentum heute mit dem siechen deutschen Medienhaus Gruner & Jahr teilt. Der Herausgeber des Profil, Christian Rainer, schafft es seit Jahren, den Einfluss des Konzerns und der Politik auszuhebeln. Die gerne verbreitete Theorie, die Raiffeisen-Bosse diktierten der Profil-Redaktion, was sie zu schreiben hätte, ist der übliche Schwachsinn, den Idioten erzählen, die lediglich eine Kulisse vor die andere schieben, ohne das Stück zu kennen, das gespielt wird .

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Die Mannschaft des Profil bringt jede Woche trotz teils rigider Sparmaßnahmen ein passables Heft auf den Markt, das, so wie viele andere Medien im schrumpfenden Blätterwald, zunehmend mehr Meinung veröffentlicht. Aufwändige Recherchen kosten Geld und Geld ist keines mehr vorhanden. So gerät auch Profil (wie Stern und Der Spiegel in Deutschland) in die Verlegenheit, weniger Aufmerksamkeit einzuholen und an Relevanz einzubüßen. Dem kann man mit einer guten Themenpolitik und kontroversen Titelblättern ein wenig gegensteuern.

So ein kontroverses Titelblatt bedeckt den Inhalt des Profil dieser Woche, in der auch die kontroverse Titelgeschichte zu finden ist. Es geht—nach den Morden in Paris wohl eine Selbstverständlichkeit—um den Islam. Auf einem Foto sieht man den am Boden liegenden, angeschossenen Polizisten Ahmed Merabet und seine zwei Mörder. Wenige Sekunden später wird Ahmed (ein Muslim) von einem der Attentäter, (einem Brüderpaar, ebenfalls Muslime) mit einem Kopfschuss hingerichtet. Die eigentliche Ermordung sieht man auf diesem Cover nicht. Unter dem Foto steht die Headline: „Was den Islam gefährlich macht." Damit ist die gesamte Religionsgemeinschaft gemeint. Und nicht nur ein paar radikale Einzeltäter.

Bis hierher werden fast alle der Mitlesenden vor ihren Bildschirmen zustimmend genickt haben. Und nicht wenige werden denken: „Da ist was dran. Das Profil fischt nach Lesern vom rechten Rand." In den Foren auf Facebook kann man die Empörung auch zahlreich nachlesen. Kritik am Profil kommt nicht nur von den ewiggleichen töpfernden Zahnarztgattinen, die Grün wählen und multikulturell denken (wenn nur ja kein Türke oder Roma in die Nachbarwohnung einzieht); nein, Kritik kommt diesmal vor allem von renommierten Journalisten und von linken und grünen Politikern—von einem Gutteil der eigentlichen Kernklientel also.

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Das Profil hat mit Foto, Headline und Geschichte ein Tabu gebrochen, sagen diese Leute, die Autoren und die Redaktion diskreditieren eine ganze Religionsgemeinschaft und setzen diese mit Terroristen und Massenmördern gleich. Das Foto verletze zudem die Pietät des Opfers und seiner Angehörigen. Und die Headline sei in letzter Konsequenz eine offen xenophobe Hetze.

Die Kritiker des Profil stehen in der guten österreichischen Tradition des Verdrängens. Sie suchen keine Diskussion, sie begehren das Redeverbot.

Den Stab über Profil haben jene gebrochen, die glauben, in Österreich die Deutungshoheit in Sachen Anständigkeit zu besitzen. So wird sich die Redaktion des Profil auf einige harte Tage vorbereiten müssen. Eines ist aber klar: Zu einer fruchtbaren Diskussion wird es nicht kommen.

Denn die Kritiker des Profil stehen in der guten österreichischen Tradition des Verdrängens. Sie suchen keine Diskussion, sie begehren das Redeverbot. Wahrheiten aus anderer Wahrnehmung sollen nicht ausgesprochen werden dürfen; schon gar nicht, wenn sie das starre Weltbild der vorgeblich Anständigen beschädigen. Da unterscheiden sich die wohllebigen, neubürgerlichen, linksliberalen Spießer keinen Deut vom rechten Mob im Land, den 25 Prozent FPÖ-Wählern, die ebenfalls weder Wahrheit noch Wirklichkeit Einlass gewähren, denn auch ihr zementiertes Weltbild soll zementiert und vor jeder zersetzenden Diskussion bewahrt bleiben.

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Und so stehen sich nicht Links und Rechts gegenüber, sondern zwei größere Bevölkerungsgruppen, die Fakten bewusst ausblenden, weil sie ihre Vorurteile als Distinktionsmerkmal unter Denkmalschutz gestellt sehen. Das hat zur Folge, dass sich die linksliberalen Bedenkenträger-Journalisten aus Gumpendorf oder Neubau (wichtig: Naschmarktgegend) in ihrer Diskursverweigerung keinen Jota vom ausländerhassenden und muslimfeindlichen Pensionisten aus Ottakring oder Fünfhaus unterscheiden.

Der wesentliche Tabubruch des Profil war, dass es für die linksgrünen Tatsachenleugner aus der gemeinsamen Kampfgruppe ausgebrochen ist und nun als verlässlicher Kantonist ausscheidet. Nicht das Cover und der Text macht die Empörung so groß: Es ist das Ausscheren aus der Ideologie, das diese Leute empört. Deswegen erfährt das Profil jetzt einen Shitstorm, der zum Beispiel in Deutschland nicht möglich wäre, weil die Gruppe der linksgrünen Gutmeinenden nicht derart homogen ist.

Aber viel schlimmer noch: Wer in dem Titel „Was den Islam so gefährlich macht" Hetze und Rassismus sieht, befördert den Geist der Charlie-Hebdo-Attentäter, begrüßt das Denk- und Diskursverbot, das diese durchsetzen wollten. Schon alleine dafür sollten sich die Kritiker des Profil schämen.

Denn freilich hat das alles mit dem Islam zu tun. Und freilich leben auch in Europa viele Millionen Muslime nach dem Koran, der freilich nichts weiter als niedergeschriebene Leitfäden und Sittenbilder eines religiösen Diktators ist und kein interpretierbares Geschwafel, wie die Bibel, die von einem Haufen Jünger in jeweilig individueller Geistesverfassung geschrieben wurde. Der Koran ist ein Buch der Regeln und Befehle, die vor allem der Unterwerfung dienen. Und es ist auch kein Geheimnis, dass in den europäischen Moscheen vornehmlich ein rückwärtsgewandter Islam gelehrt wird.

Und weil der Islam keine Reform durchlaufen hat, ist er ein Problem. Der gesamte Islam. Denn der Islam ist eine im Kern faschistische Religion.

Das hat den einfachen Grund, dass es so gut wie keinen vorwärtsgewandten Islam gibt. Etwas freiere Interpretationen des Koran sind—wenn überhaupt—nur in der Schia möglich. Also sind der Terror, das Morden, die Frauenverachtung, das Jenseitsgewandte, die Grausamkeit im Islam verankert. Und weil der Islam keine Reform durchlaufen hat und jetzt an der Moderne zerbrechend Selbstmord begeht (immer noch werden vor allem Muslime von anderen Muslimen umgebracht), ist er ein Problem. Der gesamte Islam. Und nicht nur die Einzeltäter von Paris, auch nicht die Irren vom IS; alleine. Denn der Islam ist eine im Kern faschistische Religion.

Und jene, die in Österreich die Deutungshoheit in Sachen Anständigkeit beanspruchen und jetzt das Profil der Hetze und des Rassismus beschuldigen, sind nichts weiter als eine elendig feige Masse sich selbst und die Allgemeinheit belügender Narren. Ihr beharrendes Leugnen, ihr Schweigen und ihr Schwelgen in der eigenen, nahezu perfekten—ich hasse das Wort, aber hier stimmt es—„Gutmenschlichkeit" ist an Widerlichkeit nicht zu überbieten. Solch Anständige gibt es auch hier in Berlin. Doch sie haben bei den Medien nichts zu sagen. Und auch nicht bei den dafür auserlesen wirkenden Parteien wie den „Grünen" und „Die Linke.".

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Ich zitiere den Journalisten Deniz Yücel in der linken Berliner Tageszeitung TAZ:

„Charlie Hebdo hat nicht allein muslimische Frömmler und Fundamentalisten verspottet, sondern auch christliche oder jüdische. Anschläge und am Ende der Mord kamen nur von einer Seite: von Muslimen. Darum haben auch die Muslime ein Problem. Sie schaden sich selbst, wenn sie sich das nicht eingestehen und sich hinter Phrasen wie ,Der Terror hat keine Religion' verstecken. Sie schaden der Wahrheitsfindung.

Und wer den Befund nicht kennt, wird keine Linderung finden … Genauso unerträglich ist die Formel, die Morde von Paris hätten nichts mit dem Islam zu tun, die nun allenthalben bemüht wird, ob nun aus Furcht vor einem Aufflackern des Rassismus oder aus weniger ehrenhaften Gründen. Es ist Blödsinn. Denn den Islam gibt es nicht, der Islam ist die Summe dessen, was diejenigen, die sich auf ihn berufen, daraus machen. Und was ein nennenswerter Teil daraus macht, ist Barbarei.

Ob die Fatwa gegen Salman Rushdie oder der Mord an Theo van Gogh—in der jüngeren Geschichte waren es fast immer Muslime, die mit Gewalt gegen die Freiheit der Kunst vorgingen. Und stets konnten sich die Anstifter und Mörder darauf verlassen, dass eine Reihe von Menschen im Namen des Islam oder des Antirassismus ihrer Tat mit einem verdrucksten ,Aber' mindestens eine gewisse Berechtigung zubilligen würden. Das kollektive Dauerbeleidigtsein haben die Muslime ziemlich exklusiv; das Verständnis in einem Teil der linksliberalen Öffentlichkeit ist ihnen gewiss. Die Mörder sind eben nur ganz besonders Beleidigte … Doch faschistische Killer entstehen in einem geistig-politischen Umfeld, das Mord und Terror zwar ehrlich verurteilt, aber grundlegende Ansichten und Gefühlslagen mit den Mördern teilt."

Für diese Zeilen hätte Yücel in Österreich einer Empörungslawine der Anständigkeits-Sachwalter standhalten müssen, jene Leute, die auf Facebook gerne über FPÖ, ÖVP und SPÖ herfallen und auch sonst viel über politische Kleinwetterlagen kommentieren (ist ja auch so kuschelig ungefährlich), am Tag der Attentate von Paris aber vielsagend in Schweigen verfielen. Denn sie denken, dass jede Kritik am Islam und den Muslimen die Anliegen der FPÖ unterstützt.

Aber nicht ihre Kritik, sondern die FPÖ ist das Problem. Sie ist das Unglück Österreichs. Seit bald 30 Jahren kontrollieren der Rechtspopulismus und der Rechtsextremismus die meisten öffentlichen Debatten; seit einer gefühlten Ewigkeit darf deswegen in linken und linksliberalen Zirkeln keine Debatte über die Grenzen der unbegleiteten Zuwanderung aus islamischen Ländern, den faschistischen Kern des Islam oder die Tatsache der strikten Buchgläubigkeit vieler Muslime und dem daraus resultierenden reaktionären Weltbild geführt werden. Nur in Österreich drehen immer die gleichen Leute die Augen an die Decke und faseln von „differenzieren müssen" und „hat mit dem Islam nichts zu tun"—Stehsätze, die als Ausreden dienen, sich die Wahrheit ersparen zu dürfen.

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Deswegen spricht die FPÖ die Wahrheit. Ihre Wahrheit, die selbstredend auch die Tatsachen verdreht, wie der Wind den Regenschirm. Aber nur die FPÖ traut sich an den Kern heran, dass eben der gesamte Islam das Problem ist—und nicht nur irgendwelche Spinner, die im Paradies Jungfrauen beschlafen wollen.

Zum Beispiel ist Dudu Kücükgöl ein Problem. Und zwar ein ganz großes. Die sich liberal und demokratisch gebende Jungmuslima ist die Vorzeigefrau der Gutmeinenden und wird bei den Grünen wie eine Art muslimische Heilige herumgereicht. Doch zum IS hat Kücükgol ein seltsames Verhältnis, wenn sie sagt: „Ich verurteile, aber distanziere mich nicht." Damit, weiß sie, kann jeder leben. Ihre wohllebigen linken und grünen Unterstützer denken, dass sie sich nicht von etwas distanzieren muss, das nichts mit dem Islam zu tun hat (eine gut gestellte Falle), radikale Islamisten hingegen lesen darin aber Kücükgöls generelles Einverständnis heraus.

Diese Unklarheiten sind es, die viele der politischen Muslime so verdächtig macht. Und ja: Daraus erwächst bald mal ein Generalverdacht. Und nein: Er ist nicht rassistisch. Und ja: Man darf der FPÖ nicht überlassen, diese Dinge für ihre Propaganda zu nutzen. Weil es selbstredend die FPÖ war, die Kücükgöls Strategie erkannte, weil ja die FPÖ in ihrer rechten Propaganda mit ähnlichen Doppedeutigkeiten arbeitet.

Rechtsextreme Veranstaltungen findet die FPÖ unangemessen, eine eindeutige Distanzierung findet aber nicht statt. Kücükgöl und die FPÖ sind aus demselben Holz. Und deswegen gleich gefährlich. Zudem ist es schlicht absurd, dass Kücükgöl, die sich in Interviews lange herumdrucksend letztlich der alten Geschlechterrolle unterwirft, von linken und grünen Feministinnen hofiert wird, die sich freiwillig die Augen ausschlagen, um blind zu bleiben.

Kücükgöl und die sie umgebende muslimische Gemeinschaft, die FPÖ und ihre Anhänger und die das Profil für seine jüngste Ausgabe heftig kritisierenden, wohllebigen, linksgrünen Anständigkeits-Spießer sind jeder für sich und alle gemeinsam eine den Diskurs und das demokratische Zusammenleben gefährdende Gemeinschaft, die der Gesellschaft ihr Weltbild aufdrücken will. Dass der konservativ-reaktionäre Islamismus in Östereich bei Leuten Unterstützung findet, die ein linksgrünes und multikulturelles Weltbild pflegen, ist eine besondere Groteske, die wir ausschließlich der FPÖ zu verdanken haben.

Wenn die FPÖ sagt, der Islam sei ein Problem, dann kann der Islam gar kein Problem sein, weil alles, was die FPÖ sagt, nur bloße Hetze ist, die man schlicht ignorieren muss. An derartigen Denkmustern geht das letzte Bisschen offene Gesellschaft in Österreich zugrunde. Die FPÖ trägt an dieser Katastrophe Schuld. Doch diejenigen, die das Geschäft der FPÖ besorgen, sind diejenigen, die sie bekämpfen. Und weil sie so dumm sind, der FPÖ in die Falle zu gehen, weil diese Dummheit in Österreich salonfähig ist und ohne Widerspruch bleibt, bleibt auch das Verdrängen hier weiterhin eine fast heilige Pflicht. Kein Wunder—in einem Land, das kein anständiges Feuilleton sein eigen nennt.

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