Nach Angriffen auf Medien fordern Redakteure die Einhaltung der Pressefreiheit in der Türkei

Nach zahlreichen Attacken auf Journalisten und Zeitungen befürchten internationale Medien im Vorfeld der türkischen Wahl eine weitere Verschlechterung der Situation.
30.10.15

Foto: VICE Media

Kurz vor den Parlamentswahlen in der Türkei spitzt sich die Situation für regierungskritische Journalisten und Medien weiter zu. Ein oppositioneller Medienkonzern wurde gestürmt und zwei Fernsehsender unter Regierungskontrolle gebracht. Die Polizei verschaffte sich mit Metallschneidern Zugang, Tränengas und Wasserwerfer wurden gegen protestierende Angestellte und Oppositionelle eingesetzt.

Mehr als fünfzig Chefredakteure und Herausgeber großer internationaler Medienunternehmen, darunter die US-amerikanische New York Times, die französischen AFP, die Süddeutsche Zeitung, der österreichische Standard, und VICE, fordern in einem offenen Brief den türkischen Präsident Erdoğan dazu auf, die Sicherheit von Journalisten bei ihrer Arbeit und die Pressefreiheit vor den Wahlen in der Türkei zu garantieren.

In dem offenen Brief wird Erdoğan aufgefordert, seinen „Einfluss zu nutzen um sicherzustellen, dass sowohl türkische als auch internationale Journalisten geschützt werden und ihre Arbeit ohne Behinderungen durchführen können."

Wenige Tage vor den Wahlen „würde ein Versagen beim Schutz der Pressefreiheit ein schlechtes Licht auf den türkischen Staat und die Demokratie in der Türkei werfen. Wir teilen die vielgeäußerten Befürchtungen, dass die letzten Vorfälle eine gezielte Kampagne darstellen, um die Opposition mundtot zu machen und Kritik an der Regierung zu unterdrücken."

Im offenen Brief werden eine Reihe von Angriffen auf Journalisten und Medien in den letzten zwei Monaten aufgelistet: Zweimal wurde der Sitz der oppositionellen Zeitung Hurriyet gestürmt und durchsucht; es fand ein körperlicher Angriff auf den bekannten Hurriyet-Kolumnisten Ahmet Hakan Coskun statt; die Koza Ipek Media Holding wurde ebenfalls gestürmt, und die beiden Sender Kanaltürk und Bugün TV wurden abgeschaltet. Die eigentlich oppositionellen Zeitungen Millet und Bugün berichten nach einer verordneten Zwangsverwaltung nun positiv über die AKP und Erdoğan.

Zudem wurden viele Journalisten festgenommen, darunter auch drei VICE News Journalisten, wobei Mohammed Ismael Rasool weiterhin im Gefängnis sitzt.

Am 27. August 2015 wurden die drei VICE-Journalisten in der Türkei festgenommen, während sie aus dem Südosten des Landes berichteten. Ihnen wurde Unterstützung einer terroristischen Organisation vorgeworfen, woraufhin sie inhaftiert wurden—eine vollkommen haltlose und lächerliche Anschuldigung.

Zwar wurden Jake Hanrahan und Philip Pendlebury am 3. September freigelassen—sie befinden sich mittlerweile wieder in Großbritannien—, aber wir sorgen uns weiterhin um unseren dritten Kollegen Mohammed Ismael Rasool, der immer noch inhaftiert ist. VICE fordert die türkischen Behörden auf, ihr positives Vorgehen im Fall Jake Hanrahan und Philip Pendlebury fortzuführen und Mohammed Ismael sofort freizulassen.