Schwul zu sein in Myanmar macht keinen Spaß

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Schwul zu sein in Myanmar macht keinen Spaß

Die kleine, aber wachsende Lesben- und Schwulenbewegung in Myanmar wird gewaltsam von den Behörden diskriminiert. Wir haben die Mitglieder der LGBT-Gemeinschaft in Mandalay in einer Fotoserie porträtiert.
03 Februar 2014, 11:00am

Vor einigen Wochen fand in Mandalay, der zweitgrößten Stadt Myanmars (früher Birma), ein Schönheitswettbewerb für HIV-infizierte Menschen statt. Eine Benefizveranstaltung für Aids-Leidende im Beisein von Vorsitzenden lokaler LGBT-Rechtsgruppen scheint auf den ersten Blick keine große Sache zu sein. Doch angesichts dessen, dass Homosexuelle in Mandalay 2013 massiv diskriminiert wurden, scheint es ein Schritt in die richtige Richtung zu sein.

2013 kam es zu zahlreichen verstörenden Diskriminierungsfällen in Mandalay, doch einer stach besonders hervor—wenn auch nur wegen der Folgen. In der Nacht des 6. Juli wurde eine Gruppe von 12 homosexuellen Männern verhaftet. Win Min*, ein 19-jähriger Zeuge, erzählt, dass die Männer festgenommen wurden, weil sie wie Frauen angezogen waren. Nachdem sie „zur Strafe“ stundenlang geschlagen und erniedrigt worden waren, wurden sie ohne Anklage wieder entlassen.

Anstatt die Qualen für sich zu behalten, wie die Polizei es ihnen nahegelegt hatte, taten die Männer etwas, was in der Geschichte des Landes noch nie jemand getan hatte: Sie hielten ein Pressekonferenz ab und trugen die Misshandlungen, die sie durch die Polizei erlitten hatten, an die Öffentlichkeit.

Entsprechende Misshandlungen sind in Myanmar, einem Land, in dem Homosexualität illegal ist, keinesfalls ungewöhnlich. Ein Gesetz, das in der britischen Kolonialzeit erlassen wurde, stellt „unnatürliche sexuelle Handlungen“ unter Strafe. Seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1948 wurde es bisher von keiner Regierung angetastet.

„Harry“ trägt bei einer Veranstaltung der LGBT-Gemeinde einen traditionellen Männer-Longyi. Harry kam es schon als Kind „lächerlich“ vor, sich wie ein Mädchen zu kleiden.

In den letzten zwei Jahren hat Myanmar sich in einem holprigen Prozess zu dem entwickelt, was als „disziplinierte Demokratie“ tituliert wird. Die bekanntermaßen autoritären Generäle, die das Land fast fünf Jahrzehnte lang mit eiserner Faust regiert haben, beschlossen 2011, einen Teil ihrer Macht abzutreten und ein quasi-zivile Regierung zu bilden. Im Zuge dessen wurde die Zensur der Medien abgeschwächt, Hunderte politische Gefangene wurden entlassen, und zuvor verbotene zivilgesellschaftliche Organisationen schossen aus dem Boden—darunter auch LGBT-Gruppen, durch die in Myanmar eine kleine, aber wachsende Lesben- und Schwulenbewegung entsteht.

Die gewaltsame Diskriminierung der Behörden ist allerdings nicht das einzige, über das sich die LGBT-Gemeinschaft in Myanmar Sorgen machen muss. Myanmar ist ein überwiegend buddhistisch geprägtes Land, in dem die Religion auch im Alltag eine große Rolle spielt. Die einflussreichen buddhistischen Traditionen verstärken konservative Einstellungen gegenüber Dingen wie der Homosexualität und machen der LGBT-Gemeinschaft mehr zu schaffen als überholte Gesetze.

Aung Myo Min ist der Gründer von Equality Myanmar, der ersten in Myanmar gegründeten Organisation, die sich für LGBT-Rechte einsetzt. Ihm zufolge missachten viele Buddhisten Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender als „seltsame Wesen“, die in ihrem gegenwärtigen Leben für Sünden aus einer früheren Reinkarnation büßen. Aufgrund dieses Stigmas suchen viele Mitglieder der LGBT-Gemeinschaft ihr Leben lang nach einer eigenen Identität—in einem Umfeld, in dem so gut wie keine Vorbilder oder Unterstützung zu finden sind. In einer Gesellschaft, die sich nach der jahrzehntelangen Militärdiktatur langsam gegenüber der Welt öffnet, kämpfen sie nun für ihren Platz in Myanmar.

Der Fotograf Vincenzo Floramo dokumentierte seine Begegnungen mit Mitgliedern der LGBT-Gemeinschaft in Mandalay in einer Fotoserie. Oben seht ihr eine Auswahl seiner Bilder.

Pauk Pauk schminkt sich für die Academy Awards in Yangon. Die erfolgreiche Modedesignerin kam vor 42 Jahren als Mann zur Welt und wird von ihren engsten Freunden „Fairy Godmother“ genannt.

„TJ“ posiert hinter einem Aquarium in einem Restaurant in Mandalay. Seinen Freunden hat er sich anvertraut, doch seine Eltern haben keine Ahnung von seiner Sexualität. „Ich weiß, dass meine Eltern Verständnis haben würden, da sie mich sehr lieben“, sagt er. „Aber ich warte lieber, bis sie mich darauf ansprechen.“

„Harry“ trägt bei einer Veranstaltung der LGBT-Gemeinde einen traditionellen Männer-Longyi. Harry kam es schon als Kind „lächerlich“ vor, sich wie ein Mädchen zu kleiden.

Harry posiert vor ihrem buddhistischen Schrein im Haus ihrer Eltern. Ihr Vater, ein Taxifahrer, akzeptiert ihre Sexualität gar nicht, ihre Mutter und ihre Großmutter tun es nur widerwillig.

Hein Htwe Maung (oder „Alex“) ist siebzehn Jahre alt und stammt aus einer bürgerlichen Familie aus Mandalay. Er wartet zusammen mit Freunden auf den Bluttest seines Freundes.

Alex mit seinem Freund in einem Krankenhaus in Mandalay.

Bis er vor zwei Jahren im Internat seinen derzeitigen Freund kennenlernte, hatte Alex seine Homosexualität nie ganz akzeptiert. Letztes Jahr nahm er bei einem Workshop einer NGO teil und beschloss, seine Homosexualität öffentlich zu machen.

Alex glaubt, dass es noch dauern wird, bis sich die Einstellung der Birmanen gegenüber LGBTs ändert. Er sagt, dass sie wahrscheinlich noch „bis zur nächsten Generation“ diskriminiert werden.

Zin Min Htun ist eine 32-jährige Visagistin aus Mandalay. Sie zieht es vor, Ma Pwint genannt zu werden („Ma“ ist ein weiblicher Präfix), identifiziert sich aber weder als Frau noch als Transgender.

Ma Pwint im Haus ihrer Eltern in Mandalay.