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So überlebst du deine Abi-Reise

Billiger Alkohol, schlechtes Essen und billiger Techno: So machst du das Beste aus deiner Abi-Reise.

von Franz Lichtenegger
24 Juni 2015, 4:00am

Foto: Federico Capoano | Flickr | CC by 2.0

Inzwischen müssten auch die letzten Schulen ihre Abiprüfungen hinter sich gebracht und eine wilde Meute spätpubertärer Absolventen in den besten Sommer ihres Lebens geschickt haben. Eingeläutet wird dieser von der größten und einzigen Motivation im tristen Leben eines Schülers: der Abi-Reise.

Ob zu zweit oder mit der ganzen Klasse, Städtetrip oder Massenabfertigung, Malle oder Interrail—am Ende will man sich eigentlich nur für den hohen Lernaufwand, den man aufbringen musste, mit einem wochenlangen Rausch belohnen. Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden. Viele gehen diese Sache mit der Abi-Reise aber vollkommen falsch an. Es gibt da ein paar Dinge, die du beachten solltest.

Lass deine Marken-Sachen zuhause

Foto: Sun International South Africa | Flickr | CC by 2.0

Die Sache ist die—du wirst Flip Flops brauchen. Denk nicht mal in deinen feuchtesten Träumen daran, diese Tommy Hilfiger-Zehentrenner mitzunehmen, die du so magst—du wirst sie nämlich verlieren und sie sehen sowieso scheiße aus. Abgesehen davon wird es niemanden auch nur im Entferntesten interessieren, ob deine Sachen aufeinander abgestimmt sind.

Besorg dir die günstigsten und hässlichsten Plastikdinger, die du kriegen kannst, und besorg dir zwei Paar davon. Sie werden mit der Zeit wehtun und dir Blasen schenken, aber es wird egal sein. Letztendlich wirst du die auch verlieren und du wirst kein bisschen traurig darüber sein. Selbiges gilt für Sonnenbrillen, Shirts, Hüte—eigentlich alles. Denk billig.

Sieh zu, dass du Single bist

Überleg dir gut, ob du während einer exzessiven Nonstop-Party-Woche wirklich die eine Person sein willst, die konsequent auf Sparflamme feiert, damit sein/ihr Schatz sich keine Sorgen machen muss. Oder die Person, die zweimal täglich aufs Zimmer läuft, um mit seinem/ihrem Schatz zu telefonieren. Es ist nicht cool, diese Person zu sein. Wenn du wirklich lieber bei deinem Schatz sein willst, kannst du genauso gut zuhause bleiben, und das wirst du irgendwann mal bereuen.

Es mag ein bisschen verrückt klingen, eigens für die Abi-Reise mit dem Freund oder der Freundin Schluss zu machen, nur um eine Woche gewissenlos in einem fremdem Land rumvögeln zu können—aber es ist durchaus schon passiert und wenn man genauer drüber nachdenkt, ist so viel Engagement eigentlich ziemlich geil.

Schlaue Pärchen vereinbaren einfach einen einwöchigen Freifahrtschein. Doofe Pärchen verbringen ihre Abi-Reise gemeinsam.

Nimm alle Kondome an

Foto: snickclunk | Flickr | CC by 2.0

Irgendwo laufen immer Leute rum, die gratis Kondome verteilen. Du wirst sie immer freundlich annehmen und dann denken, du hättest mittlerweile echt genug. Hast du nicht. Du hast niemals genug Kondome. Es wird der Augenblick kommen, in dem du dir wünschen wirst, du hättest doch mehr mitgenommen. Ein bisschen verhält es sich wie mit Zigaretten.

Vor allem dann, wenn deine unverantwortlichen Freunde mal wieder nicht mitgedacht haben und du aushelfen musst. Sie werden dir dankbar sein. Ein Tripper ist nicht gerade das Souvenir, das du von deiner Abi-Reise mit nachhause bringen willst.

Sei nicht pingelig

Das hier ist kein Wellness-Urlaub—außer natürlich, du hast wirklich einen echten Wellness-Urlaub gebucht, aber dann bist du selbst schuld. Also hör auf zu granteln, wenn das Essen schon wieder so pampig und nach Karton schmeckt. Hör auf zu jammern, wenn dein Gratis-Cocktail warm und wässrig ist. Du bist hier, um Spaß zu haben, und nörgeln macht keinen Spaß—weder dir (hoffe ich), noch deinen Freunden. Nimm es einfach hin—die Hitze, den billigen Alkohol, die schlechte Musik. Nimm es hin, freu dich und hör auf zu motzen. Werde zum Freizeit-Buddhisten und lerne, alles Furchtbare an dieser Reise zu genießen.

Stell dich nicht so an

Foto: Adrian Fallace | Flickr | CC by 2.0

So jung wirst du nie wieder sein, mach also ruhig auch mal Sachen, die du sonst nicht machen würdest. Versuch einfach, nicht großartig nachzudenken—Zeit zum Bereuen wirst du später noch genug haben und dann wirst du dich eher über die Dinge ärgern, die du nicht gemacht hast.

Tattoos solltest du nur im nüchternen Zustand ernsthaft in Erwägung ziehen. Henna geht aber immer.

Nimm deine eigene Musik mit

Urlaub planen ist nervig. Wenn du nicht gerade einen dieser Freunde hast, deren Reise-Skills absurd hoch sind und die über die notwendige seelische Stärke verfügen, um mit Hotelbuchungen umzugehen, wirst du dich eher an einen Reiseanbieter wenden, der sich auf Abi-Reise spezialisiert hat.

Ja, es ist teuer und es wird nicht immer alles geil sein—aber du musst dich um rein gar nichts selbst scheren, und das ist eigentlich genau das Leben, das man als frisch gebackener Abiturient leben möchte. Solltest du dich also für eine dieser vorgekauten Großreisen entschieden haben, musst dich vor allem auf eins vorbereiten: sehr viel Avicii.

Das ist auch mit viel Alkohol nicht immer packbar, also solltest du dafür sorgen, zwischendurch deine eigene Musik hören zu können. Keine Spontan-Party im klimatisierten Hotelzimmer läuft ohne Mini-Lautsprecher.

Musik-Vorschläge gibt's auf Noisey.

Lerne, zu verzeihen

Foto: Joe Stump | Flickr | CC by 2.0

Sei dir im Klaren darüber, dass deine Freunde während dieser Woche nicht sie selbst sind. Sie werden sich aufführen wie ein Haufen Geistesgestörter und es gibt nichts, was du dagegen tun kannst. Manchmal wirst du ihre Handlungen nicht ganz nachvollziehen können. Um eurer Freundschaft Willen müsst ihr jedoch vorübergehend lernen, euch nichts—wirklich gar nichts—übel zu nehmen. Es herrscht absoluter Ausnahmezustand.

Egal, ob du über Nacht aus dem Zimmer ausgesperrt wirst und am Strand schlafen musst, ihr euch gegenseitig die potenziellen One-Night-Stands ausspannt oder jemand deinen gesamten restlichen Zigarettenvorrat verraucht—vergebt, vergesst, stoßt an. Weil Abi. Und weil danach nie wieder.

Keine Fotos

Ein Gruppenfoto am Flughafen—das muss reichen. Alles andere soll einzig und allein in deiner Erinnerung bestehen bleiben. Oder eben nicht.

Franz weiß nicht mehr viel von seiner Abi-Reise: @FranzLicht