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Sport

Caddies packen aus: So scheiße können reiche Golfer sein

Unter anderem hört man als Caddie nach einem besonders guten Abschlag auch schonmal: "In den Südstaaten haben wir eine Redewendung: 'So hart würde ich nicht mal 'nem Nigger ins Gesicht schlagen.'"

von Alex Norcia
14 Juni 2016, 12:00pm

Das Erste, was ich als Caddie in meiner Teenagerzeit gelernt habe, ist Folgendes: Du hast niemals Wechselgeld. Wenn du gerade damit fertig geworden bist, einem braungebrannten Banker die Golfbag zu schleppen, und er dich fragt, ob du auf einen 100er rausgeben kannst—damit er dir 60 geben kann oder so—, dann sagst du einfach immer, du hättest kein Bargeld. Er wird sich nicht gerade freuen, aber er wird dir ziemlich wahrscheinlich den Hunni geben.

Im Laufe der Zeit brachten mir ältere Caddies einige Tricks bei, wie zum Beispiel, immer Extrabälle in der Tasche zu haben. Wenn der Golfer mit Titleist-Bällen spielte, dann hatte ich davon welche am Start, und wenn er den Schlag ins Unterholz setzte, tat ich eine Zeit lang so, als würde ich danach suchen, bevor ich einfach einen Ersatzball aus der Tasche holte und so tat, als ich hätte ich den ursprünglichen Ball gefunden. Das hielt sie dann immer bei Laune, denn erstens wirkte es so, als würde ich ganz genau aufpassen, und zweitens mussten sie nicht wissentlich schummeln.

Das waren wirklich gute Lektionen fürs Leben, aber das wahrscheinlich Beste an der Arbeit als Caddie war, dass ich das Eine Prozent in seiner natürlichen Umgebung beobachten konnte. Ich habe schon heimlich zugesehen, wie Treuhandfonds-Bros zum Spaß Holzschnitzel in den Wasserspender füllen. An einem besonders langweiligen Abend hatte ein gemeiner, feindseliger Herr den Reißverschluss seiner Tasche nicht ganz zu gezogen, und als er einen Hügel hochlief, fielen Geldscheine raus. Ich hob alles auf, ohne mit der Wimper zu zucken.

Vor Kurzem habe ich ein paar ehemalige und noch aktive Caddies darum gebeten, ihre besten Erlebnisse mit Vertretern der golfenden Oberschicht zu teilen. Die meisten Storys waren echt schrecklich, denn das sind nun einmal die Dinge, die einem als Caddie am besten in Erinnerung bleiben. Wie eine Person anmerkte: "Es ist immer unterhaltsam, wenn reiche, alte weiße Männer drohen, einander umzubringen."

Und hier sind sie:

Peter

Als ich eines Morgens um 6 Uhr, meiner üblichen Anfangszeit, im Country Club ankam, stand ein großer schwarzer SUV vor dem Gebäude, das Mitgliedern und ihren Gästen als Hotel diente. Der Motor lief und ein Fahrer saß hinterm Steuer. Mir war nicht ganz ersichtlich, warum das Auto vor dem Gebäude wartete, also sah ich es als meine Pflicht zu fragen, ob ich irgendwie helfen könne. Als ich auf den Typen zuging, ließ er das Fenster nicht herunter. Er sah mich an, drehte sich weg, sah mich nochmal an und starrte dann wieder auf sein Handy.

Wie sich noch herausstellen sollte, war er ein Zuhälter. Eines der reichen Mitglieder hatte zusammen mit einigen Freunden das Hotel übers Wochenende gemietet. Dieses Mitglied—nennen wir ihn mal "Mr. Smith"—hatte sich ordentlich betrunken und dann entschieden, seine Party mit gewissen anderen Diensten abzurunden.

Zufällig war ich an jenem Morgen der Caddie des örtlichen Polizeichefs. Ich erwähnte ihm gegenüber, dass ich es seltsam fand, dass der Fahrer des SUV sein Fenster nicht runtergelassen hatte. Als der Polizeichef rüberging, um ihn zu fragen, was er im Country Club mache, antwortete der Fahrer, seine Mädchen seien drinnen und er warte darauf, dass sie mit einem Kunden fertig würden. Ohne dass ich es wusste, veranlasste der Polizeichef später am selben Morgen die Festnahme von Mr. Smith, dem Zuhälter und den Prostituierten, als sie das Hotel verließen.

Um 8 Uhr hatten sich Mr. Smiths Aktivitäten bereits herumgesprochen. Kurze Zeit später kam übers Walkie-Talkie die Durchsage, Mrs. Smith sei gerade zu einer schnellen Runde Golf erschienen, obwohl sie ja gewusst haben muss, dass ihr Mann ein Männerwochenende abhielt.

Die Angestellten hielten es für das Beste, Mr. Smith über das Eintreffen seiner Frau zu informieren, damit er sich aus dem Staub machen konnte. Jemand vom Parkservice brachte sein Auto zum Hinterausgang des Hotels. Er schaffte es noch mit dem Zuhälter und den Prostituierten zum Haupttor, doch dort warteten dann die Polizisten auf ihn.

Später erzählten mir die Leute von der Zimmerreinigung noch mehr Details. Mr. Smith interessiere sich sehr für "Arsch-Zeug", sagten sie, und das Zimmer sei richtig eklig gewesen. Smith bezahlte die Rechnung, damit das Zimmer bald darauf gereinigt, neu gestrichen und neu eingerichtet werden konnte.

Mr. Smith ist nicht länger Mitglied des Country Clubs; er wurde wegen "unsittlicher Handlungen" rausgeschmissen.

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Kevin

In meiner Jugend arbeitete ich in einem prestigeträchtigen privaten Golfclub als Caddie und im Taschenzimmer. Hier sind drei Dinge, die jeder Caddie weiß: Die besten Golfer sind mindestens ein bisschen arschlochhaft; wenn jemand stinkreich ist und kein Bedürfnis hat, seinen oder ihren Reichtum zur Schau zu stellen, dann ist diese Person ausnahmslos netter als Leute, die nur ein bisschen reich sind und ständig damit angeben müssen; und letztlich: Die meisten Menschen schummeln.

Jedes Jahr hielt der Club ein Golf-Event ab, bei dem er Stripperinnen anheuerte, die mit den Spielern über den Platz zogen. Bei jedem Tee bückte sich eine Frau in einem kurzen Rock und legte den Ball für den Spieler aufs Tee. Einmal sah ich zusammen mit einem anderen Caddie, wie einer der Typen eine der Stripperinnen fingerte, während seine Freunde am Putten waren.

Nach einem anderen Turnier, während das Bankett lief, hatte ein Typ Sex auf dem ersten Abschlag. Bei einer weiteren Party beschwerte sich ein Paar über das Essen, und dann kam der Koch aus der Küche, schlug dem Mann mit der Faust ins Gesicht und kündigte vor der ganzen Gesellschaft. Der Besitzer des Clubs hat in derselben Nacht auch noch neben der Bar in eine Kühlbox gepisst.

Mathias

Ich bin ein Caddie, der regelmäßig bei der PGA Tour Latinoamérica arbeitet. Einmal war ich in der Dominikanischen Republik dabei und habe für einen Südstaatler gecaddiet. Er liebte Gott und seine Familie. Das weiß ich, weil er es immer wieder sagte. Er sprach davon, wie gerne er es hätte, dass mehr Menschen in die Bibelschule gehen. Während des Turniers zitierte er Bibelverse. Er wirkte auf mich wie ein aufrichtiger Typ und ich hatte kein Problem damit, dass er so viel von seiner Religion erzählte.

Doch am 17. Loch schoss er mit einem Driver weiter, als ich es jemals gesehen hatte, und ich hatte schon viele Drives gesehen. Ich sagte "Guter Schlag", oder etwas in die Richtung. Er drehte sich zu mir und antwortete: "In den Südstaaten haben wir eine Redewendung: 'So hart würde ich nicht mal 'nem Nigger ins Gesicht schlagen.'" Es ist bis heute das Rassistischste, was ich in meinem ganzen Leben gehört habe.

Michael

Ich erinnere mich an einen Zwischenfall auf einem weiten Fairway, Par Fünf, zwischen einem notgeilen Spieler und einer Verkäuferin in einem Getränkewagen. Wir befanden uns auf einem Privatplatz in New Jersey, wo das Clubhaus ein altes Anwesen für die Fuchsjagd war und Wall-Street-Bonzen mit dem Hubschrauber zu einer nachmittäglichen Runde Golf einflogen.

Die Verkäuferin war eine junge Frau um die 20, die wirklich süß aussah. Sie trug weiße Chucks und kurze Shorts. Der notgeile Mann war gutaussehend und um die 45. Er bestellte mit schnurrender Schlafzimmerstimme vier Bier. Sie lächelte, ging zur Kühlbox und holte die Flaschen. Als der Mann zahlte, sagte sie "Vielen Dank, Sir", also nehme ich an, dass es ein großes Trinkgeld gab.

Doch der Typ war noch nicht fertig. Er ließ einen Ball auf das Fairway fallen. "Pass auf, Süße, wenn ich ihn aufs Grün schlage, gehst du heute Abend mit zum Essen." Er machte einen Übungsschwung. Und noch einen. Er stellte sich vor den Ball, räusperte sich und brachte sich in Schlagposition.

Er holte aus und der Schläger traf den Ball hart, allerdings nur mit der Zehe des Schlägers, und schickte ihn direkt auf die Getränkeverkäuferin statt aufs Grün zu. Die junge Frau stand vor ihrem Wagen, aber der Ball verfehlte sie. Die Männer eilten zu ihr, um sicherzugehen, dass es ihr gut ging; sie waren völlig panisch beim Gedanken, was hätte passieren können. Die gurrende Stimme des notgeilen Spielers war mindestens eine Oktave höher.

Sammy

Im Sommer vor meinem ersten Highschool-Jahr war ich Caddie auf einem Golfplatz in einem extrem wohlhabenden Viertel von Denver. Ich habe kaum Erfahrungen mit anderen Country Clubs, aber ich kann mir nichts Klischeehafteres vorstellen als dieses Dreckloch. Das Clubhaus sah aus wie die Hütte des Frauenhassers aus diesem Schneewittchen-Film. Ich war 13 oder 14, stellte meine Sexualität infrage, und stand total auf Punkrock, Rap und überhaupt alles, was meine Vorstadteltern und -freunde anpissen könnte. Mein bester Freund war genauso drauf, und deswegen zwang seine Mutter uns dazu, bei diesem Caddie-Programm mitzumachen.

Am ersten Morgen tauchten mein Freund und ich auf dem Übungsgrün in zerrissenen schwarzen Jeans auf, umgeben von all diesen khakitragenden Arschgeigen. Der Caddie-Meister hieß Skip und war so rassistisch und antisemitisch, wie man nur sein kann. Der Typ sah mir kein einziges Mal in die Augen, und er machte die ganze Zeit furchtbare Sachen, zum Beispiel zwang er die einzigen beiden Mädchen, die dort arbeiteten, immer wieder in unangenehme und abartig lange Umarmungen. Yep, ich habe Skip verdammt nochmal gehasst.

Es gab viel Scheiße, die mich sauer machte, aber die schlimmste Sache war die, dass ich nicht einmal meinen Lohn bekam. Skip arbeitete mit dem "Zettel-System". Am Ende des Tages, wenn du deine Runde beendet hattest (wenn du das Glück hattest, überhaupt eine Runde machen zu dürfen), musstest du deinen Zettel dem Golfer reichen, dessen Tasche du getragen hattest. Er bewertete dich dann und schrieb auf, wie viel er zahlen wollte und wie viel Trinkgeld er geben würde. Im Caddie-Haus zahlte dir Skip dann diesen Betrag aus.

Im Prinzip keine schrecklich schlechte Idee, nur wurde ich kein einziges Mal bezahlt. Skip sagte, der Safe sei kaputt, oder verschlossen—einfach dumme Ausreden. Ich kann nicht behaupten, dass es sich um Diskriminierung gehandelt hat, aber was auch immer es war, er tat es mit sonst niemandem. Nach einer Weile wurde meiner Mom klar, dass etwas nicht stimmte—und mit meiner Mom sollte sich wirklich niemand anlegen. Ich erzählte ihr alles und sie stürmte in den Club, holte das ganze Geld, das sie mir schuldeten, und danach musste ich nie wieder hin.

Ein paar Jahre später erzählte meine Mom einer Kollegin die ganze Skip-Geschichte, und es stellte sich heraus, dass diese Kollegin mit einem der reichen hohen Tiere des Clubs verheiratet war. Er sagte etwas wegen Skip, und Skip wurde gefeuert. Ich schätze, nicht alle reichen Leute sind furchtbar. Nur die überwältigende Mehrheit.

*Manche Namen geändert