Spätestens seit sich im Filmklassiker Silentium der Opernsänger in den Mund pissen lässt, wissen wir in Österreich, dass es in der klassischen Musikszene auch oft auch mal ein paar Perverse gibt. Ob das auch auf den gebürtigen Schweizer Tenor August Schram zutrifft, können wir nicht genau sagen. Sein neues Video „Metube“, das klassische Musik mit elektronischen Elementen neuinterpretiert, hilft uns da auch nicht unbedingt weiter. In dem Video singt er die Arie „Habanera“ aus „Carmen“ und hinterlegt sie mit Bildern von einem Orchester von Gummisklaven und fetten, nackten Menschen. Zunächst sieht man einen glatzköpfigen, dicken Losertypen, der offensichtlich noch bei seiner Mutter lebt. Völlig unerwartet beginnt er, eine Arie zu singen und befindet sich sogleich in einer abgespaceten Technowelt mit dem Latexorchester.
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Das Video soll eine Hommage an die „begabten und weniger begabten“ Videoblogger und Youtube-User sein, die populäre Arien und Songs nachsingen und veröffentlichen. Geschlechterrollen und Realitäten verschwimmen in dem gelungenen Einblick in eine kleine, sonderbare Privatsphäre.Wahrscheinlich will uns Schram mit der Queer-Arie einfach sagen, dass die Liebe – wie es auch in der Arie heißt - wie ein Vogel ist, den niemand jemals zähmen kann. Schram zeigt darin deshalb verschiedenste Fetische, die von einigen Menschen nicht verstanden werden und oft hinter verschlossenen Türen passieren. Und das finden wir gut so.
