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THE AND NOW FOR SOMETHING COMPLETELY DIFFERENT ISSUE

Fashion Week Internationale - Tel Aviv

Eine Fashion Week, die fast nicht stattgefunden hätte. Es fielen nämlich gleichzeitig Raketen auf die Stadt.
14 Januar 2013, 9:00am

Fashion Week Internationale, meine VICE-Show, schlug im November 2012 in Tel Aviv auf, um über die zweite Fashion Week, die bisher in der Stadt stattfand, zu berichten. Gleichzeitig wurde die Stadt zum ersten Mal seit 20 Jahren von Raketen getroffen.

Die gesamte Reise war von einem surrealen Gefühl begleitet; der Organisator der Fashion Week versuchte, die internationalen Pressevertreter mit allen Mitteln für Hüte und Ohrringe zu interessieren, während die Stadt unter Raketenbeschuss stand und um uns herum Iron-Dome-Raketenabwehrgeschosse in die Luft gingen.

Wie immer bei FWI wollten wir Dinge, die uns interessieren, unter die Lupe nehmen, und rausfinden, ob man sie in irgendeinen Zusammenhang mit Mode setzen kann. Einer dieser Punkte war, dass Israel das einzige Land der Welt mit Wehrpflicht für Männer und Frauen ist. Das bedeutet, dass jede 18-Jährige in Israel in der Armee ist und in Tarnhosen irgendwo rumrobbt, ihr Gewehr abfeuert und wütend und gewalttätig irgendwo in den besetzten Gebieten herumstapft. Und alle müssen mitmachen, also auch eine Menge Models. Unser Plan, sie zu treffen, wurde unhöflicherweise von Raketen durchkreuzt.

Israel ist auch eines der ersten Länder der Welt, das „untergewichtige“ Models per Gesetz aus Werbung und Fashionshows verbannte. Das Gesetz tritt im Januar in Kraft und das Gewicht der meisten Models, mit denen wir gesprochen haben, wäre ab dann illegal. Der Organisator der Fashion Week sagte, dass ihm das Gesetz egal ist, Magersucht sei irrelevant, und er schien genervt zu sein, dass die Journalisten nicht über Klamotten sprechen wollten. Interessanterweise war die Antwort „Diese Frage ist irrelevant“ eine der beliebtesten während unserer Zeit in Israel.

Tel Aviv ist bekanntlich eine der hedonistischsten Metropolen der Welt und einer der beliebtesten Urlaubsorte für Schwule. Die Regierung fördert den schwulen Tourismus mit einer Menge Geld, weswegen eine Gruppe schwuler arabischer Aktivisten die israelische Regierung des Pinkwashing bezichtigt, was soviel heißt wie, dass Tel Aviv als liberales Paradies dargestellt wird, um damit von der Gewalt gegen die Palästinenser abzulenken. Leider haben uns die Raketen auch bei dieser Geschichte einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Wenn ich meine Zeit in Tel Aviv zusammenfassen müsste, würde ich sagen, dass es wirklich schwierig ist, eine überglamouröse Show über High Fashion zu machen, bei der es gar nicht um High Fashion geht, während du mit Raketen beschossen wirst und nicht die geringste Ahnung hast, wo sich der nächste Schutzraum befinden könnte.

Was wir trotz Raketenbeschusses aus Tel Aviv mitgebracht haben, könnt ihr jetzt hier sehen.

V. o. n. u.: Backstage auf der Fashion Week. Das letzte Bild zeigt ein slowakisches Model (keine Israelin wollte es machen), die Lior Nordman als palästinensische Verführerin fotografiert hat.