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Mit Clowns in der Umkleidekabine

Das ist die wahre Geschichte von vier Mädchen, die mit ihren sexy Clownskostümen spontan Partys sprengen und sich ihre Brüste gerne weiß anmalen.

Das ist die Geschichte von vier Mädchen, die mit ihren sexy Clownskostümen spontan Partys sprengen. Sie leben alle zusammen an einem Ort, den sie Clown Cabana nennen und der anscheinend noch nicht fertig clownstruiert ist. Sie haben mich eingeladen, um an ihrer Verwandlung von Frau zum Clown teilzuhaben, und mir ihre wahre Geschichte erzählt.

Hester Sunshine aka Jester Funshine (nicht, dass sie wirklich einen selbst erfundenen Clownsnamen gebraucht hätte), das Superhirn der Truppe, erklärt mir, dass es alles damit anfing, dass sie einen Liebhaber in einer anderen Stadt hatte, der Blitze auf seinen Schwanz tätowiert hatte. Dieser verwegene Typ war Mitglied in einer Band, die immer mit Clown-Make-up auftrat, während sie sonst eher als Penner durchgingen. Nach ein paar „in Schweiß gebadeten und mit Theaterschminke verschmierten Liebesnächten“, sagt sie, sollte die aufgemalte Lust endlich wechselseitig sein. Also machte sie Bilder von sich selbst als sexy Clown für ihren Liebhaber, während dieser auf Tour war. Irgendwann begann ihr Dasein als Clown ein Eigenleben zu führen. Letztes Jahr holte sie sich eine Woche vor Halloween ihre besten Freundinnen zusammen, verkleidete sich und dann zogen sie los, um als Clowns About Town bei Partys einzumarschieren.

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Nachdem ihre Geschichte über Clown-Sex zu Ende war, hält Hester für einen Moment inne, bricht kurz aus ihrer Rolle aus und wendet sich an mich, den Eindringling, der sie während den Vorbereitungen interviewt. „Ich möchte, dass meine Mutter das hier sieht“, sagt sie, „deswegen weiß ich nicht, wie schlampig ich aussehen möchte.“
 
„Ich möchte meine Möpse rausholen“, entgegnet Handley, und schon sind sie draußen. Sorgfältig malt sie vor einem Spiegel beide Brüste weiß an. Mit einem zufriedenen Lächeln ruft sie aus: „Es ist, als ob ich Marshmallows auf meiner Brust habe. Sieh mal, es ist wie ein Hemd.“ Dann flüstert sie sanft zu sich selbst: „Clowntitten“ und lächelt verträumt.

Hester nickt zustimmend. „Genau das versuche ich immer meiner Mutter zu sagen—Schminke ist gleich Hemd.“ Dann dreht sie sich zu mir um und verkündet: „Mein Ziel im Leben ist es, das berüchtigtste und anstößigste menschliche Wesen aller Zeiten zu sein.“
 
„Und warum kümmerst du dich dann darum, was deine Mutter denkt?“, fragt Handley.
 
„Es ist wie damals, als ich eine Domina war und meine Mutter nichts davon wusste“, erklärt Hester, als ob das alles ist, was wir wissen müssten.

Für jemanden mit dem Ziel, äußerst abstoßend sein zu wollen, ist Hester recht charmant. Alle Mädchen sind es. Jedes hat ihren Platz im Clownuniversum. Emily Lesser aka Ms Toffelees besitzt einen großen Wissensvorrat an Drag Queen-Weisheiten und wird für ihr Organisationstalent geschätzt. Lara Quikones aka Colonel Watlington, die zarteste von den Clowns, ist eine ausgebildete Schauspielern und möchte die Clowns auf einen Weg führen, der mehr Richtung Choreographie und Performance Art geht. Handley ist ein PR-Genie mit einem spektakulären Hintern.

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Handley will sich ein pinkes Herz über einen ihrer Nippel malen, aber jammert, dass dieser immer hart wird und seine Größe ändert. Irgendwann gibt sie auf und zieht echte Kleidung an. Die Vorbereitungen der Clowns sind immer totales Chaos, erzählen sie mir, mit „jedem Zentimeter der Oberfläche überzogen mit Neonfarbe, du Bleichgesicht, und überall Glitzer, Berge aus Wattestäbchen und schmutzigen Taschentüchern“. Sie haben ihre Garderobe noch nicht völlig verwüstet, aber sie sind auf dem besten Weg dorthin. Während ihre Gesichter mit weißer Farbe überzogen werden und ihr Make-up Form annimmt, verschmelzen ihre Stimmen langsam zu einem Chor aus gesammelter Vorfreude.

„Alle haben einen Nervenzusammenbruch, bevor wir rausgehen“, erzählt mir Emily.
 
„Manchmal weint jemand“, sagt Hester.
 
„Dann erzählt ihr jeder, wie attraktiv sie ist“, mischt sich eine weitere Stimme ein.
 
„Du siehst aus wie ein mexikanischer Gangster-Clown“, sagt jemand zu Lara, als sie ihre Lippen schminkt.
 
„Würdest du jemals ein Alien ficken? Gilt das als Sodomie?“, fragt sich jemand.
 
„Wir wollen chassidische Clowns sein mit Regenbogen Make-up. Ich wollte das für die Bar Mitzvah machen, aber ich dachte, es sei vielleicht etwas zu viel.“
 
Ja genau, sie machen Bar Mitzvahs, oder zumindest haben sie eine gemacht. Die Erwähnung ruft traumatisierende Erinnerungen in den Clowns wach. Eigentlich ist es die Aufgabe der Clowns, die Kinder zu erschrecken und irre zu machen, nicht anders herum:
 
„So viele Erektionen!“
 
„Ich fühlte Tausende kleine Penisse an meinen Beinen!“

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Zurück im Chaos des Schminkens: Lara zeichnet Dreiecke auf ihr Gesicht und fängt an, wie Liquid Sky auszusehen. Sie hat einen Schminkstift mit violettem Lidschatten in ihrem Mund stecken. Sie erklärt mir, dass sie ihn dort feucht hält, so dass sie ihn nicht immer nass machen muss, wenn sie ihn auftragen will. (Kleiner Tipp an euch Ladies!)

Emily ist fast fertig mit ihrem übertriebenen Joan Crawford-Gedächtnis-Mund. Sie wirft einen letzten, kritischen Blick in den Spiegel und bricht in Gelächter aus. Die anderen Mädchen folgen umgehend. Sie sieht lächerlich aus, und das heißt, sie sieht perfekt aus.
 
„Habe ich mich mit meinem Gesicht gerade zum Trottel gemacht?“, fragt Emily, während sie roten Glitzer auf ihre Wangen aufträgt. „Na ja … du siehst aus wie ein Clown“, ist die hilfreiche Antwort.
 
„Wir wären auch gerne Clowns, die aussehen wie Fran Drescher“, erzählt Hester, als wieder alle durcheinander plappern.
 
„Die Juggalettes, also die Fans von dieser Band Insane Clown Posse, ruinieren die Clownerie definitiv. Sie haben uns schon tausendmal Juggalettes genannt seit dem Tag, an dem wir mit dem Clownsein anfingen.“
 
„Ich denke, jemanden der Clownshosen trägt, kann man sehr gut ficken, aber jedem Tierchen sein Pläsierchen.“
 
„Ohh, mein Gesicht juckt! Ich will es schlagen.“
 
„Sehe ich aus, als ob ich gerade kacke?“
 
„Du siehst aus wie eine Mischung aus John Waters und Todd Solondz.“

Hester fragt, ob ihre Halskrause blöd aussieht zusammen mit ihrem BH. Ich wusste nicht, dass Clowns sich darum Sorgen machten, nicht blöd auszusehen. Emily fragt mich, ob ich bereit für den verdammt coolsten Auftritt wäre, den ich jemals sehen würde. Ich nicke aufgeregt, als sie ein winziges Fahrrad auf ihren Kopf hebt. Sie erinnert mich an Lucille Ball, mit ihren Polka Dots und der Halskrause. Ich erfahre, dass Vivienne Westwood die besten Clownsschuhe herstellt. Ich erfahre außerdem, dass man seine Augenbrauen am besten mit einem Klebestift bestreicht, bevor man sie weiß schminkt. Ein Trick, den Emily aus RuPauls Drag Race hat, einer Art Americas Next Drag Queen.

Wir sprechen über die vergangene Staffel und sie erzählen mir, dass sie nicht beim Auftritt der Gewinnerin Raja in New York teilnehmen durften. Das ist richtig, die Drag Queens mögen die Clowns nicht. Das macht mich traurig. Diese Mädchen verehren die Drag Queens, und in gewisser Weise ist die Travestie die zeitgenössische Version der Clownerie.
 
Sie brauchen mehr als vier Stunden, bis sie fertig sind, allerdings wurden sie auch von einem Kamerateam unterbrochen. Niemand hatte einen Zusammenbruch, auch wenn es bei Emily kurz davor war, als sie an dem Glitzer zweifelte, den sie auf ihren Wangen aufgetragen hatte.