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drogenpolitik

Jugend im Rausch? Der neue Bundesdrogenreport zu 2015 ist da

Erstmals gibt es auch Erhebungen zu Crystal Meth und neues Futter für die Cannabis-Legalisierungsdebatte. Wir haben die Studienergebnisse für dich zusammengefasst.
6.4.16
Die Studienergebnisse liefern u.a. neue Daten für die Debatte um eine Legalisierung von Cannabis, wie sie auch dieser US-Kollege fordert | Foto: imago

Deutschland, deine Drogenkinder. Der Suchtmittel-Konsum von Jugendlichen bis 25 Jahre ist weiter am Sinken. Das konnten die Drogenbeauftragte der Bundesregierung—Marlene Mortler von der CSU—und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) jetzt stolz verkünden. Die Grundlage der Erkenntnis liefert die Auswertung der repräsentativen BZgA-Befragung „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2015", die jetzt in Berlin vorgestellt wurde. Dazu wurden 7.004 Personen im Alter von 12 bis 25 Jahren im Zeitraum von März bis Juni 2015 befragt.

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Es geht um Komasaufen und Cannabis, um Modedrogen wie die „Legal Highs" und um Crystal Meth, für welches durch die Studie erstmals bundesweit valide Konsumzahlen vorliegen. Wir haben für dich die Ergebnisse zusammengefasst.

Tabak ist out

Quelle: http://www.bzga.de/presse/daten-und-fakten/suchtpraevention/

Die Raucherquote bei der Altersgruppe von 12-17 Jahren liegt mit 7,8 % auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Datenerhebung in den 70ern. Vier aus fünf Befragten aus dieser Alterskohorte gaben an, noch nie geraucht zu haben. Auch bei den 18- bis 25-Jährigen ist die Raucherquote mit aktuell 26,2 Prozent weiter rückläufig, während die „Nieraucherquote" (BZgA) auf 38,8 Prozent angestiegen ist. Da brauch es wohl auch keine Krebsbilder auf Verpackungen.

Alkohol? Läuft (weniger und weniger)!

Quelle: http://www.bzga.de/presse/daten-und-fakten/suchtpraevention/

Ebenfalls abgenommen hat der regelmäßige Alkoholkonsum, also alles ab mindestens einmal Trinken pro Woche. 10 % der Befragten im Alter von 12-17 Jahren gaben an, regelmäßig ethanolhaltige Getränke zu sich zu nehmen. Bei den 18- bis 25-Jährigen sind es 33,6 %. 2005 lagen die Zahlen bei 18,6 bzw. 40,5 %. Also auch hier ist die Enthaltsamkeit auf dem Vormarsch.

Die Studie hat aber die sogenannten Rauschtrinker erfasst. Zu dieser Gruppe zählen wiederum alle, die sich mindestens ein mal pro Monat in einen Rausch trinken. Was genau das heißt, definiert die Studie so: „Rauschtrinken […] meint den Konsum größerer Mengen Alkohol bei einer Gelegenheit. [Das] sind mindestens vier (bei Frauen) bzw. fünf (bei Männern) Gläser Alkohol [auf einmal]." Auch das „Komasaufen" fällt in diese Kategorie. Zahlenmäßig werden 15,9 % der männlichen und 12,5 % der weiblichen Jugendlichen im Alter von 12-17 Jahren zu den Rauschtrinkern gerechnet. Bei den älteren Jugendlichen sind es 44,6 % der Männer und 33,9 % der Frauen.

Cannabis, Ecastasy und andere illegale Substanzen

Quelle: http://www.bzga.de/presse/daten-und-fakten/suchtpraevention/

Gras gehört zu den am meisten konsumierten illegalen Substanzen unter Jugendlichen, so die Ergebnisse der Studie. Gut jeder Zehnte der 12- bis 17-Jährigen gaben, schon mal gekifft zu haben, während eine Altersklasse darüber mehr als ein Drittel schon mal einen „gedübelt" haben. In dieser Kohorte gaben 4 % an, schon mal Ecstasy genommen zu haben, 2,9 % Kokain und 2,2 % sogenannte „Legal Highs" wie vermeintliche Kräutermischungen oder Badesalze, die trotz des Namens unter illegale Substanzen fallen.

Crystal Meth wurde zum ersten Mal in einer derartigen Studie erfasst. Das Ergebnis: Nur 0,6 % der 18- bis 25-Jährigen haben die Droge schon mal ausprobiert. Das war allerdings bevor das Mittel seine eigene kleine Promowelle als „Hitler-Droge" und Chemsex-Schmiermittel erlebte.

Bundesdrogenbeauftragte sieht einen positiven Trend

Marlene Mortler, die Bundesdrogenbeauftragte, sieht die Ergebnisse positiv. Man sei auf dem richtigen Weg. Die präventive Tabakpolitik sei erfolgreich, müsse allerdings noch ausgebaut werden: "[Wir] dürfen in unseren Anstrengungen nicht nachlassen: […] [Unter anderem] brauchen wir ein Verbot der Tabakaußenwerbung. Die Wissenschaft zeigt, dass Tabakwerbeplakate gerade junge Menschen ansprechen." Beim Alkoholkonsum bereite ihr das Rauschtrinken besondere Sorgen. Und Mortler wäre wahrscheinlich nicht bei der CSU, wenn sie dringend von einer Legalisierung von Cannabis abraten würde: „Wer in dieser Situation die vollumfängliche Legalisierung von Cannabis fordert, der sorgt dafür, dass noch mehr Jugendliche zum Joint greifen!"

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA, findet vor allem die Kampagne der Bundesregierung gegen das Rauschtrinken erfolgreich „ [D]ie tendenziell positiven Trends beim Alkoholkonsum zeigen, dass breit angelegte Präventionsmaßnahmen und Informationsangebote, wie unter anderem die BZgA-Kampagne ‚Alkohol? Kenn dein Limit.', wirken." Warum eigentlich die ganze Prävention? „Wegen der gesundheitlichen und sozialen Schäden, zu denen das Rauchen, der Alkoholkonsum und der Konsum illegaler Drogen führen, ist die Prävention des schädlichen Substanzkonsums eine bedeutsame Aufgabe", so die Einleitung der Studie.

Das heißt übersetzt: Wer illegale oder eben auch legale Substanzen konsumiert, wird möglicherweise teuer und fällt anderen durch seine gesundheitlichen Leiden zur Last, weil er sich nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt verkaufen kann. Abstinent zu leben und möglichst immer Bio zu kaufen ist hingegen durchaus im Interesse der Politik.

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