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Die Zukunft der Vinylproduktion wurde gesichert

Neue, vollautomatische Vinyl-Presswerke kommen bald auf den Markt.
handdrawnrecords.com

So sieht der PC-Entwurf der vollautomatischen Vinylpresse aus. Foto: handdrawnrecords.com

Hand Drawn Records, ein Indielabel und Dienstleister für Vinylproduktionen, will im kommenden Herbst in Dallas, Texas, das erste vollautomatische Presswerk eröffnen. Auf einem Markt, der bislang ausschließlich mit einem Restbestand an alten Geräten arbeitet, wären die Pressen damit die erste wirkliche technische Revolution im Bereich der Vinyl-Produktion seit 30 Jahren. Zusammen mit HD-Vinyl dürften sie in den nächsten Jahren das Produkt Schallplatte maßgeblich verändern.

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Entwickelt wurden die neuen Maschinen vom kanadischen Unternehmen Viryl Technologies (sic). Durch die Automatisierung sind fast keine menschlichen Eingriffe in den Produktionsprozess mehr nötig, wodurch unter anderem die durchschnittliche Produktionszeit verkürzt wird. Wiederum gesteigert wird die Effizienz durch schnellere Drehzeiten bei den verschiedenen Arbeitsschritten der Herstellung: Laut Hand Drawn Records soll es so weniger „PVC-Verschwendung" währen der Produktion geben.

Wird immer noch benötigt: der Mutterstecher. Screenshot aus dem YouTube-Video „Vinyl: Pallas ist eines der letzten Presswerke für Schallplatten".

Allerdings wird nicht der gesamte Produktionsprozess automatisiert. Die Erstellung der Pressmatrize muss noch immer manuell erfolgen. Im Jargon nennt man diese auch die „Mutter" und die Fachkraft, die die Herstellung mit entsprechendem Know-How begleitet, den „Mutterstecher" beziehungsweise die „Mutterstecherin". Ist die Mutter fertig, muss der Arbeiter die entsprechenden Daten (Gewicht und Farbe des Vinyls) in den Computer eingeben und das PVC in die Presse laden. Ab diesem Zeitpunkt läuft dann alles vollautomatisch. Der erste Käufer dieser Maschinen, die umgerechnet ca. 140.000 Euro das Stück kosten, ist das kanadische Unternehmen Canada Boy Vinyl. Im September werden vermutlich die ersten Maschinen an den Vinylhersteller ausgeliefert.

Die neuen Pressen könnte dabei helfen, die durch den Vinyl-Boom der letzten Jahre gestiegene Nachfrage schneller zu befriedigen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Jack Whites Label Third Man Record angekündigt, ein neues Presswerk in Detroit zu veröffentlichen. Dabei handelte es sich noch um Maschinen, die nach dem alten Prinzip funktionieren. Allerdings wurde einige Teile der Maschinen (z.b. die Hydraulik) durch bessere ersetzt und dadurch der gesamte Produktionsprozess verbessert. Konzipiert wurden die Pressen übrigens von der deutschen Firma Newbilt Machinery.

Die letzten verbliebenden Presswerke wie Pallas im niedersächsischen Diepholz dürften damit also in naher Zukunft Konkurrenz bzw. Zuwachs bekommen.

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