Studie

​Wissenschaftler haben den Bayern-Bonus bewiesen

Über 4000 Bundesligaspiele wurden nach Fehlentscheidungen untersucht. Das Ergebnis: Heim- und Topteams werden bevorzugt.
19.4.16
Foto: Imago

Jedes Bundesliga-Team kann wohl seine eigene Geschichte über den Bayern-Dusel oder den Bayern-Bonus erzählen. Mal waren es sichere Tore, die der Schiedsrichter nicht anerkennen wollte, mal ließ ein Unparteiischer länger nachspielen, mal waren es strittige Elfmeterentscheidungen zu Gunsten der Münchner. Zwar spielt der Rekordmeister auch in dieser Saison den mit Abstand besten Fußball, doch den Bayern-Bonus gibt es trotzdem—wie Wissenschaftler nun bewiesen haben.

„Spielt der FC Bayern München gegen eine Mannschaft, die in der 'ewigen Tabelle' keinen Spitzenplatz einnimmt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Elfmeter dem schwachen Team fälschlicherweise nicht gegeben wird, drei Mal größer als im statischen Mittel", heißt es in der Studie der Professoren Dr. Eberhard Feess (Frankfurt School of Finance & Management), Dr. Helge Müller (Philipps-Universität Marburg) und dem Frankfurt-School-Absolvent Paul Bose. Damit beweisen sie wohl eine der hartnäckigsten Stammtisch-Theorien der letzten Jahre.

Der FC Bayern ist aber nicht der einzige Klub, den die Schiedsrichter unterbewusst bevorteilen. Die Wissenschaftler fanden etwa auch heraus, dass zu Unrecht verweigerte Elfmeter öfter schwache Mannschaften betreffen, wenn sie gegen gute Mannschaften spielen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Schiedsrichter einem schwachen Team, das gegen ein Top-Team (= in der 'ewigen Tabelle' vorne platziert) spielt, einen berechtigten Elfmeter verweigern, ist etwa 40 Prozent höher als bei Top Teams", heißt es in der Studie. Des Weiteren sollen Heimmannschaften und Teams für die etwas auf dem Spiel steht—wie etwa der Verbleib in der Bundesliga oder das Erreichen der Champions-League-Plätze—ebenfalls „von einer unbewussten Bevorzugung durch Schiedsrichter" profitieren.

Es ist die erste Studie, die die Ungleichbehandlung von Mannschaften durch Schiedsrichter empirisch belegen kann. Die Wissenschaftler und ihr Team analysierten Tor- und Elfmeterentscheidungen zwischen 2000 und 2013/14 in allen 4.248 Spielen der Bundesliga. Unter anderem waren 200 aberkannte Tore und 666 falsch geahndete Elfmeter dabei. Der Fokus lag auf der Analyse der als „falsch" kategorisierten Entscheidungen. Ein Beispiel solch einer Entscheidung kann es heute Abend schon geben: Die Bonus-Bayern spielen im Pokal gegen Werder Bremen, dem Tabellenzweiten in der ewigen Bundesliga-Tabelle.