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Fußball

Ein Pass reicht und Schweinsteiger ist wieder der Heiland

Plötzlich Adlerauge: Die Medien haben Schweinsteiger bei Manchester bisher geschunden. Doch der Ausrutscher eines Brügge-Spielers macht ihn wieder zum großen Strategen.

von Markus Hofmann
27 August 2015, 9:10am

Seitdem sich Bastian Schweinsteiger seinen „Kindheitstraum" Premier League erfüllt hat und zum Traditionsverein Manchester United gewechselt ist, wartet ganz Fußballengland—und auch viele deutsche Gazetten—darauf, dass sich Schweini endlich als Messias entpuppt. Die Erwartungshaltung an den Deutschen ist gelinde gesagt riesig, er allein soll es jetzt richten: Meisterschaft, FA Cup und, wo wir schon mal dabei sein, bitte auch noch die Champions League. Der Mann ist schließlich Weltmeister und vor allem DEUTSCHER, die haben doch das eingebaute Sieger-Gen (von den tollen Elfer-Skills erst gar nicht zu sprechen)! Doch bisher konnte Schweini die meisten britischen Kommentatoren, die traditionell besonders kritisch sind, noch nicht um den Finger wickeln. Nicht mal zum festen Stammspieler hat er es geschafft. Gleichzeitig kann man den Medien nicht vorwerfen, dass sie nicht bereit seien, jede noch so kleine gute Aktion des Ex-Müncheners dergestalt auszulegen, dass am Ende der Gleichung steht: Uns ist der Heiland geboren!

Darum war die Erleichterung in den englischen Medien riesig, als Schweinsteiger gestern im wichtigen Playoff-Rückspiel gegen den FC Brügge das wichtige 4:0 (ein 3:0 war schließlich noch ein saugefährliches Ergebnis, mit fünf Toren von den Belgiern war jederzeit zu rechnen) vorbereitet hat. Aber was heißt nur vorbereitet, er hat den Ball mit seinem starken rechten Fuß gestreichelt, ja liebkost, und mit urdeutscher Präzision zu Herrera durchgesteckt. Ach ne, durchgesteckt klingt irgendwie noch zu profan: an den torhungrigen Spanier mit all seiner Güte und durch Gottes Gnade verteilt. Dass im selben Spiel noch Wayne Rooney einen Hattrick schoss, wurde da glatt zur Randnotiz.

Was das alles soll? Ganz einfach: Schweinsteiger hat gestern einen schönen Pass in den freien Raum gespielt, der zu einem Tor führte, als das Spiel schon lange entschieden war. Dass der Assist fast verhungert wäre und nur ankam, weil sich ein Brügge-Spieler auf die Nase gelegt hat, wurde da kurzerhand ignoriert. Lieber wird er als großer Stratege gefeiert, schließlich impliziert das ja schon seine Frisur. Hier ein paar Reaktionen aus der Presse und von Twitter.

Kicker:

Der deutsche Nationalspieler erkannte mit seinem Adlerauge Kollege Ander Herrera und steckte das Leder präzise durch die Abwehrreihe der Brügger.

süddeutsche.de:

Schweinsteiger, der immer besser in Form kommt, spielte Herrera vor dem Treffer zum Endstand mit einem Traumpass aus dem Stand frei.

Bild:

Nationalspieler Bastian Schweinsteiger (31) darf erst in der zweiten Hälfte ran, bereitet mit einem Traumpass das 4:0 durch Ander Herrera (63. Minute) vor.

The Guardian:

Herrera (...) collected Schweinsteiger's superb deep pass before finishing expertly

Eurosport:

Herrera then got himself on the scoresheet, but it was the pass from substitute Bastian Schweinsteiger that was world class.