géographie

"Führen alle Wege nach Rom?"—Die Antwort ist erstaunlich schön

Stuttgarter Designer und Geodaten-Jongleure haben das jahrhundertealte Sprichwort mit Hilfe von moderner Datenvisualisierung mal auf Herz und Nieren geprüft.

von Gabrielle Bruney
16 Dezember 2015, 2:24pm

Bilder mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin

Das Sprichwort „Alle Wege führen nach Rom“ ist Jahrhunderte alt und verweist auf die ehemals zentrale Bedeutung der Hauptstadt des römischen Imperiums weit über seine Grenzen hinaus. Wie viel Gültigkeit besitzt das Sprichwort aber heute noch, wo so viele Wege zu so vielen wichtigen Orten führen?

Der Stuttgarter Designer Benedikt Groß hat sich der Beantwortung dieser Frage angenommen und sich mit dem Experten für digitale Geographie Raphael Reimman und Interactive Designer Philipp Schmitt zusammengetan. In Schmitts Arbeiten geht es häufig um Orte und Geographie in Verbindung mit moderner Technologie—er hat uns zum Beispiel die Camera Restricta beschert, dieses smarte Fotografie-Gerät, welches mit Hilfe von GPS und Social Media entscheidet, ob du an einem bestimmten Ort ein Foto machen darfst oder vor dir schon genug Schnappschussjäger blind drauf los geknipst haben.

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Wie die drei Jungs herausfanden, führen in Europa tatsächlich fast alle Wege nach Rom. Für ihr Projekt Road to Rome kartografierten sie mit Hilfe eines Algorithmus knapp 500.000 über den ganzen Kontinent verteilte Orte und die Wege von diesen in die italienische Hauptstadt. Je dicker die Linie eines Straßenverlaufs, desto frequentierter die Straße. Für die Kalkulation aller auf der Karte angezeigten Routen ließen sie die Software GraphHopper satte 20 Stunden durchlaufen. Die Daten akquirierten sie aus dem nichtkommerziellen Dienst OpenStreetMap.

Die Welt, wie wir Europäer sie im Mittelalter kannten, ist mittlerweile allerdings etwas größer geworden und wir überqueren durchaus schon mal einen Ozean. Bei ihrem Blick über Europa hinaus fanden die Designer dann heraus, dass auch auf anderen Kontinenten alle Wege nach Rom führen, denn jeder Erdteil besitzt seine eigenen Orte namens Rom—alleine in den USA gibt es zehn Städte, die den historischen Namen tragen. 

Die Creator arbeiteten dieses Trivialwissen einfach in ihre Datenvisualisierung mit ein. „Ich denke, eine der größten Stärken von Roads to Rome ist es, dass wir etwas Humor in unser Projekt einbauen konnten“, erzählt Schmitt. Die unterschiedlichen Farben auf der US-Karte beziehen sich dabei auf die verschiedenen „Romes“ in den USA.

Einmal in Fahrt gekommen, kreierte das Team dann außerdem noch den „urbanen Mobilitätsabdruck“ für verschiedene europäische Metropolen. Er zeigt an, welche Menge an Zeit man aufbringen muss, um eine bestimmte Strecke innerhalb einer spezifischen Stadt zurückzulegen.

Dasselbe Prinzip wendeten die Designer außerdem noch auf alle europäischen Länder an und kalkulierten, wie viel Zeit man von verschiedenen Orten innerhalb eines Landes benötigt, um dessen Hauptstadt zu erreichen. Anhand dieser Daten erstellen sie eine neue Europakarte, auf der die Größen der Länder auf ihrer Mobilitätsfreundlichkeit bzw. Infrastruktur basieren.

„Unser Interesse an dem Projekt bestand nicht darin, durch eine vorgegebene Aufgabe etwas zu beweisen, es ging mehr um das Spielerische." so Schmitt. "Wir dachten, es wäre interessant, also überlegten wir, wie wir es kalkulieren und visualisieren könnten. Als wir das dann geschafft hatten, analysierten wir es und es ging weiter."

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