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Sex

Warum manche Männer lieber mit Sexpuppen schlafen

Menschliche Sexpuppen sehen immer realistischer aus und sind nahezu nicht mehr von echten Frauen zu unterscheiden. Manche Männer verzichten im Zuge dessen sogar lieber ganz auf eine Beziehung zu einer echten Partnerin. Wir haben einen Psychologen...
18.5.16
Photo by Paul Edmondson via Stocksy

Manche Männer schlafen lieber mit leblosen Objekten als mit echten Frauen. Entsprechend der Nachfrage sind die Sexpuppenindustrie und die Auswahl an Sexpuppen in den letzten zehn Jahren immer größer geworden. Mittlerweile gibt es nicht nur Sexpuppen für Frauen, sondern auch Puppen, die so unglaublich realistisch aussehen, dass sie für viele Männer rund um die Welt zum Ersatz für die verstorbene Frau oder eine feste Freundin werden.

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Im Mai 2015 hat Vanity Fair ein Porträt über David Mills herausgebracht. Er ist nicht nur ein bekannter atheistischer Aktivist, sondern auch der Inhaber von RealDoll, einem führenden Hersteller für Sexpuppen, die so realistisch aussehen, dass sie—für manche Menschen—kaum mehr von echten Frauen zu unterscheiden sind. „Ich mag Frauen sehr", sagte Mills gegenüber Vanity Fair, „aber ich bin einfach nicht gerne unter Leuten."

Laut einem 2014 in der Zeitschrift Mirror erschienen Artikel glaubt der Sexpuppenhersteller Orient Industry, dass jeder, der sein Produkt kauft „nie wieder eine echte Freundin haben wollen wird." Im Moment werden seine lebensgroßen Puppen in Tokyo ausgestellt, wo sie für ihre außerordentliche Schönheit bewundert werden. „Zum Hauptabsatzmarkt dieser Liebespuppen gehören nicht nur Sammler, die es lieben, mit ihnen zusammenzuleben, sondern auch viele andere Leute, darunter auch Witwer", heißt es in einem Artikel.

Foto: Andrey Polyakov | Flickr | CC BY 2.0

Das heißt, dass Mund, Hände, Brüste, Beine und Po einer Frau nachgeformt, geklont und verkauft werden, während den Kunden gesagt wird, dass diese Puppen besser sind als echte Frauen. Aber ist es tatsächlich eine gute Idee, Menschen einfach durch Puppen zu ersetzen?

Dr. Peter Kanaris ist Ärztlicher Direktor des Programms für Sexualdiagnosen des psychologischen Dienstes in Smithtown im US-Bundesstaat New York. In einem Interview mit Broadly erklärt Kanaris, dass es einen Unterschied macht, ob man Sex mit einer Puppe oder Sex mit einem anderen Menschen hat, da „[die Puppe] einem keinerlei Rückmeldung gibt, weder durch Bewegungen noch durch eine persönliche Bindung."

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Vielmehr bieten Sexpuppen „die Gelegenheit, seine eigenen Gefühle auf die Puppe zu projizieren", sagt Kanaris. Ähnlich ist es auch, wenn man eine sexuelle Beziehung zu einem leblosen Objekt hat, sagt er. Dieses „Fantasiespiel" wird nur durch die eigene Vorstellungskraft begrenzt. Kanaris betont auch, wie wichtig sexuelle und intime Beziehungen für Menschen sind. „Nach unseren Grundbedürfnissen wie essen, trinken und atmen, sind die Erfüllung unseres Sexualtriebs und der Wunsch nach menschlichem Kontakt die stärksten Bedürfnisse eines Menschen", sagt er.

Mehr lesen: Zu Besuch in einer Fabrik für männliche Sexpuppen

Während die meisten Menschen wohl der Meinung sind, dass es besser wäre, eine Beziehung zu jemandem aufzubauen, der denken und sprechen kann, sagt Kanaris, dass es verschiedene psychologische Gründe gibt, warum ein Mensch lieber mit einer Gummipuppe schläft. Hierzu zählen unter anderem auch: „Der fehlende Zugang zu anderen, Schüchternheit oder soziale Ängste, Erfahrungsmangel und Hemmungen. Vielleicht haben sie aber auch einen Partner, der gewisse sexuelle Vorlieben nicht teilt."

„Sex und Intimität spielen unser Leben lang eine wichtige Rolle", sagt Kanaris und meint, dass soziale Isolation einen zerstörerischen Effekt auf die psychische und körperliche Gesundheit von Menschen haben kann, wenn sie älter werden. Er meint, eine menschliche Sexpuppe könnte durchaus Vorteile für „Menschen [haben], die nicht auf einen Lebenspartner zurückgreifen können."

„Menschen, deren Partner verstorben sind oder die ihren Partner durch eine Scheidung oder eine Trennung verloren haben, oder auch Menschen mit Behinderungen, die unter Umständen Schwierigkeiten bei der Partnersuche haben, könnten durchaus von einer solchen Puppe profitieren. Die Möglichkeit, sich sexuell auszuleben und das Gefühl, nicht allein zu sein, können eine Erleichterung sein und das Gefühl der Isolation lindern", sagt er.

Seinen sozialen Kontakt vollständig durch Gummipuppen zu ersetzen, ist hingegen keine besonders gute Idee—zumindest momentan noch nicht. „Menschen, die langfristige Beziehungen zu ihren Puppen aufbauen, um menschliche Interaktion zu vermeiden, laufen Gefahr", so Kanaris, „sich selbst dem Erfahrungsschatz zwischenmenschlicher Beziehungen zu berauben. Ich glaube jedoch, dass diese Frage in Zukunft, wenn es die technische Entwicklung möglich macht, noch realistischer mit menschenähnlichen Robotern zu interagieren, schwieriger zu beantworten sein wird."