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"Dazu wehen Trump-Flaggen" – Dieses Festival ist die Überdosis USA

Fotostrecke: Ihr werdet das Land zwar noch etwas seltsamer finden, aber danach wahrscheinlich komplett auf Country abfahren.

von Andrea Domanick
24 Mai 2017, 2:47pm

Alle Fotos von der Autorin

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Es ist Samstagnachmittag auf dem Stagecoach, dem umsatzstärksten Country-Festival der Welt, das auf demselben Gelände wie das Schwesterfestival Coachella stattfindet. Ich stehe zwischen verschwitzten Körpern, die sich in Stars-and-Stripes-Muster gehüllt zu "Humble" aneinanderreiben. Dazu wehen Trump- und Blue-Lives-Matter-Flaggen im gleißenden Sonnenlicht über den Köpfen.

Auf dem Campingplatz ist mehr Rap als Country zu hören. Vieles davon ist vorhersehbare Partymusik, die du von weißen Vorstadtkids erwarten würdest: "Palmdale", "California Love", Juvenile (immer wieder Juvenile). Diese Songs laufen oft in Camps mit Striptease-Stangen. Aber es sind auch viele neue Perlen zu hören – Kendrick, Migos, Drake.


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Das Stagecoach Festival ist genau so, wie du es erwarten würdest – und genau das Gegenteil. Es gibt T-Shirts auf denen steht "LGBT: Liberty Guns Beer Trump" und es gibt Cowboyhüte mit frechen Teufelshörnern und Dreiecke in Regenbogenfarben. Ich spreche mit einem Typen mit arschfreier Lederhose und Brustgeschirr. Ein paar Minuten später begegnet mir ein weiterer Cowboy in einem Bernie-Sanders-T-Shirt, auf dem "Kill 'Em All" steht.

"Wer soll umgebracht werden?", frage ich verwirrt.

"Die Terroristen!", schreit er und zeigt auf Bernies Gesicht.

Falls sich das Coachella nach der Wahl ein wenig zu sehr nach Alltagsgeschäft anfühlte, dann ist das Stagecoach der Ort, an dem diese surreale neue Zeit ihre schelmische, widersinnige Seite zeigt. Es ist im Prinzip eine riesige Party des amerikanischen "Es". Aber andererseits ist es auch nicht grundlegend anders als das Coachella. Auch hier gibt es eine Menge junger Menschen, die sich zur Schau stellen – nur ist es hier nicht die L.A.-Elite samt modischer Mainstream-Mystik sondern Republikaner aus Orange County in Klamotten mit Stars-and-Stripes-Muster.

Beim Coachella gibt es die inklusive Techno-Ekstase des Yuma-Zelts; beim Stagecoach wird daraus ausgelassene Tanzfreude zu Honkey Tonk. Während beim Coachella Gucci Mane Migos auf die Bühne holt, um über Fäusten und Glowsticks zu thronen, steht beim Stagecoach der nimmermüde Willie Nelson eine Woche nach seinem 84. Geburtstag auf der Bühne und ermutigt die Fans, auf Heuballen zu steigen, als Neil Young für ein Mundharmonika-Solo auftaucht. Und auf beiden Festivals trifft man genug Leute, die nicht viel über die Musik wissen – sie sind einfach nur da, um Party zu machen.

Und so geht es bei dem Coachella und dem Stagecoach wie bei jeden großen Musikfestival um die Besucher. Letztendlich sind alle nur da, um mit ihren Freunden abzuhängen, loszulassen und ein paar tolle Songs zu hören. Trotz der engstirnigen Festivalgäste bietet auch das Stagecoach eine Menge Spaß. Ja, vielleicht kommen dir die USA danach noch etwas seltsamer und befremdlicher vor, aber du wirst danach sicherlich Country-Musik lieben. Und Square Dancing. Und Barbecue. Schau dir hier unsere Bilder vom Festival an:


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