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Tech

Mit dem Überschallboot in 100 Minuten von Shanghai nach San Francisco

Chinesische Wissenschaftler haben eine Torpedotechnik aus dem Kalten Krieg weiterentwickelt und damit den Grundstein für ein Überschall-U-Boot gelegt.

von Christine Kewitz
26 August 2014, 10:39am

Die Welt wird immer kleiner, doch seit der Concorde haben die kommerziellen Langstreckenbeförderungsmittel keine besonderen Geschwindigkeitsrekorde mehr aufgebaut. Es wird also Zeit für eine neue Erfindung mit erhöhtem Speedlimit. Und schon kommt China mit einem Überschallboot um die Ecke geflitzt, dass unter Wasser in 100 Minuten von Shanghai nach San Francisco rasen soll.

Das Zauberwort heißt Superkavitation und ist eine Technologie die bereits im Kalten Krieg von sowjetischen Wissenschaftlern für den Torpedo Skhval entwickelt wurde. Dabei wird eine Luftblase erzeugt, in welcher ein Körper mit großen Geschwindigkeiten und geringem Strömungswiderstand durch eine Flüssigkeit gleiten kann.

Konventionelle U-Boote können die Geschwindigkeiten einer Superkavitation nicht aufbringen, da Wasser deutlich mehr Reibung erzeugt als Luft und sie somit stärker abgebremst werden. Aufgrund dieser Tatsache konnten Wasserfahrzeuge bisher nicht annähernd solche Geschwindigkeiten erreichen wie Flugzeuge.

Bisher wurde diese Technik allerdings nur für unbemannte Torpedos eingesetzt, die so Geschwindigkeiten von bis zu 370 km/h erlangten. Das Objekt musste jedoch bereits mit einem sehr hohen Tempo starten, um die Luftblase zu erzeugen, und konnte durch den fehlenden Kontakt zum Wasser nicht gesteuert werden.

Wie die South China Morning Post schrieb, haben Wissenschaftler des Harbin Institute of Technology's Complex Flow and Heat Transfer Lab diese Technik nun weiterentwickelt. So kann unter anderem eine größere Blase produziert und die Superkavitation damit auf raumgreifendere Objekte wie U-Boote angewendet werden. Sobald das Fahrzeug im Wasser ist wird es mit einer Flüssigkeit bespritzt durch die sich eine Art Membran bildet, welche den Wasserwiderstand reduziert. Ist eine Geschwindigkeit von 75 km/h erreicht, kann das Boot in die Superkavitation wechseln. Die Flüssigkeit kann nun zur Steuerung eingesetzt werden, indem jeweils bestimmte Flächen des Bootes damit bespritzt werden und somit die Reibung beeinflussen.

Solch eine U-Boot soll nach Angaben der Wissenschaftler eine Geschwindigkeit von 5.800 km/h erreichen können.

Dennoch sind noch ein paar kleine Erfindungen und Anpassungen vorzunehmen, damit das Passagierboot seine Hochleistungsreise aufnehmen kann. Es existiert beispielsweise noch kein geeignetes Raketentriebwerk, dem es möglich ist, solch eine enorme Distanz zu überwinden.

Eine kleine Spritztour von San Francisco nach China in der Zeit, die du für den Weg von Berlin nach Hamburg benötigst, lässt die Tourismusbrache vielleicht schon aufhorchen. Bisher handelt es sich jedoch um ein rein militärisches Projekt über dessen Langstreckenpotenzial jeder seine eigenen schauerlichen Kriegsfantasien spielen lassen kann. Auch ist es theoretisch möglich, Schwimmanzüge mit der Technik auszurüsten, mit denen dann menschliche Torpedos durch die Ozeane schießen.

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