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Drei Länder streiten sich um den Milliarden-Schatz der gesunkenen San Jose

Neben Spanien und Kolumbien behauptet auch eine private US-Firma, Ansprüche auf das versunkene Gold und Silber vor der Küste Kolumbiens zu haben.

von Becky Ferreira
08 Dezember 2015, 10:12am

Konfrontation in der Nähe von Cartagena im Jahr 1708. Bild: Wikipedia, Samuel Scott | Public Domain

Holt eure Plündererwerkzeuge aus dem Schrank: Die im Jahre 1708 gesunkene, spanische Galeone San José, auch bekannt als „der Heilige Gral der Schiffwracks", wurde jetzt vor der Küste von Kolumbiens Halbinsel Barú in einer Tiefe von 300 Metern entdeckt.

Als Teil der spanischen Silberflotte war die San José bis zum Anschlag mit Gold, Silber und Edelsteinen beladen, als sie am 8. Juni 1708 nach einem zehnstündigen Gefecht auf hoher See gegen die Briten auf den Meeresgrund gesunken war. Der Wert der sich noch immer an Bord befindenden Schätze wird auf bis zu 17 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos hatte die Entdeckung des Wracks offiziell auf Twitter verkündet und am Wochenende in Cartagena de Indias weitere Details bekanntgegeben.

„Am Freitagmorgen, 27. November, entdeckte das kolumbianische Institut für Anthropologie und Geschichte, mit Hilfe der Marine und internationalen Wissenschaftlern, eine archäologische Stätte, bei der es sich […] um die Galleone San José handelt", so Santos. „Dies stellt eine der größten—wenn nicht eines Tages die größte—Entdeckungen von untergegangenem Kulturgut in der Geschichte der Menschheit dar."

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Die exakte Position des gesunkenen Schiffs bleibt vorerst ein Staatsgeheimnis, doch die kolumbianische Regierung hat bereits von Unterwasserrobotern aufgenommenes Bildmaterial des Wracks veröffentlicht. Schatzjäger waren seit jeher auf der Suche nach der gesunkenen Goldgrube, und tatsächlich tobt bereits ein juristischer Kampf darum, welche Unternehmen und Organisationen das Recht haben, das Gut zu bergen.

Pressekonferenz und Bilder des Schiffswracks. Video: YouTube/Haaretz הארץ

Das US-amerikanische maritime Bergungsunternehmen Sea Search Armada (SSA) behauptet, das Gebiet, in dem die San José sank, bereits 1981 entdeckt zu haben. Nun drängen sie darauf, jegliche Beute mit der kolumbianischen Regierung zu 50 Prozent zu teilen, wie es nach dem damaligen Seerecht üblich war. Schon 2007 hatte der Oberste Gerichtshof von Kolumbien entschieden, der Staat müsse den Schatz mit dem Unternehmen teilen, da er nicht Teil des kolumbianischen Kulturerbe sei, im Jahr 2011 urteilte ein US-Gericht dann aber mit Verweis auf die Unesco-Konvention zum Schutz des Unterwasserkulturerbes, dass das Gut ausschließlich Kolumbien gehöre.

Diesen langwierigen Konflikt mit der SSA erwähnte Präsident Santos in der Pressekonferenz mit keinem Wort. Er betonte jedoch, dass das Schiff in einem Gebiet aufgespürt wurde, die bisher von keiner Suchmannschaft genannt worden war. Danilo Devis von der SSA bejahte gegenüber Associated Press, dass die kolumbianische Regierung selbst auf das Wrack gestoßen sei, fügte aber sogleich hinzu: „Das bestätigt nur noch einmal erneut, was wir ihnen 1982 gesagt hatten."

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„Wer die juristischen Grundlagen und die Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs kennt, weiß, dass es sich bei dem Fund um Eigentum des kolumbianischen Staates handelt", verkündete dagegen Néstor Humberto Martínez, Mitglied der kolumbianischen Kommission für Antiquitäten aus Schiffsbrüchen.

Als dritte Partei wittert derweil anscheinend auch die alte lateinamerikanische Kolonialmacht Spanien ihre Chance, ein Stück vom großen Kuchen abzubekommen: „Es war ein staatliches Schiff, und es gehört dem Staat, unter dessen Flagge es fuhr", ließ der spanische Außenminister José García-Margallo verlauten.

Um was sich die Kolumbien, Spanien und SSA da allerdings genau streiten, ist bisher noch unklar. Denn außer Waffen und Keramik hat der Unterwasser-Roboter bisher nur ein paar Edelsteine entdeckt.