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Professor gewinnt 600.000 Euro für Beweis von 300 Jahre altem mathematischem Satz

Was auf den ersten Blick simpel erscheinen mag, gab Mathematikern jahrhundertelang Rätsel auf.
Bild: John Cairns | University of Oxford

300 Jahre verwirrte der Große Fermatsche Satz die hellsten mathematischen Köpfe des Planeten. Das mathematische Theorem wurde 1637 von Pierre de Fermat vorgestellt und besagt, dass es keine ganzzahligen Lösungen für die Gleichung xn + yn = zn gibt, wenn n größer als 2 ist. Was auf den ersten Blick simpel erscheinen mag, ließ Mathematiker sich seit Jahrhunderten die Haare raufen, denn ein definitiver Beweis der Formel ließ sich einfach nicht finden.

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Bis im Jahr 1994 der britische Matheprofessor Andrew Wiles das Rechenproblem auflöste. Er knackte damit eines der berühmtesten und schwierigsten Probleme in der Geschichte der Mathematik. Nun, 20 Jahre später, wird ihm die Anerkennung für dieses Meisterstück auch offiziell zuteil.

Wiles erhält den prestigeträchtigen Abelpreis, der durch die Norwegische Akademie der Wissenschaften verliehen wird und so etwas wie der Nobelpreis der Mathematik ist. Der Preis wird vom norwegischen Prinz Haakon persönlich in einer Zeremonie am 24. Mai verliehen und Wiles erhält zusätzlich noch einen stattlichen Geldregen von über 600.000 Euro.

„Es ist eine gewaltige Ehre… Fermats Gleichung ist seit jungen Jahren meine Leidenschaft und ihre Lösung gab mir ein überwältigendes Gefühl der Erfüllung", sagte Wiles der University of Oxford, als er von der Ehrung erfuhr. „Es war immer meine Hoffnung, das meine Lösung dieses uralten Problems viele junge Menschen dazu inspirieren würde, sich mit Mathematik zu beschäftigen und sich den zahlreichen Herausforderungen anzunehmen, die dieses wunderschöne und faszinierende Fachgebiet aufwirft."

Das Abel-Kommitee begründet seine Entscheidung mit den Worten: „Wiles ist einer der wenigen Mathematiker—wenn nicht der einzige—dessen Beweis eines Theorems internationale Schlagzeilen gemacht hat." Wiles bewies, dass es keine Lösung für die Gleichung gibt, wenn n größer ist als 2. Er lieferte also den Beweis dafür, dass sich keine Lösung finden lässt. Oft ist das sogar schwieriger, als zu zeigen, dass es eine Lösung gibt."

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Bereits im zarten Alter von zehn Jahren stieß der heute 62-Jährige in der städtischen Bücherei seiner Heimatstadt Cambridge auf ein Buch, das sich mit dem Großen Fermatschen Satz beschäftigte. „Von diesem Moment an wusste ich, es würde mich nie mehr loslassen", so Wiles. Ich musste es lösen.

Mathematiker versuchen sich an der Lösung eines weiteren großen Rätsels ihres Fachs: der ABC-Vermutung

„Das Problem nahm mich gefangen", sagte Wiles gegenüber dem Guardian. „Es war das berühmteste Problem der Mathematik, aber das wusste ich zu der Zeit noch gar nicht. Was mich daran begeisterte war, dass es da ungelöste Probleme gab, die ein Zehnjähriger verstehen oder einfach ausprobieren konnte. Und das habe ich während meiner Jugend versucht. Als ich dann aufs College ging, hatte ich einen Beweis, der sich aber als falsch herausstellte."

Nachdem er Jahre Jahre später als Professor an die Princeton University kam, nahm er sich dem Rätsel noch einmal besonders intensiv an und arbeitete sieben Jahre lang heimlich an der Lösung der Gleichung. Das Ergebnis lieferte er in einer Präsentation über den Großen Fermatschen Satz an der Uni, und als er den Beweis am Ende der Vorlesung an die Tafel schrieb, herrschte mit einem Mal Totenstille unter den anwesenden 200 Wissenschaftlern. Dann brach der Applaus los.

Mit seinem Ergebnis konnte Wiles nicht nur ein langjähriges mathematisches Problem lösen, er ebnete gleichzeitig den Weg für eine neue Ära der Mathematik. Mit einem Mal erschienen Probleme, zu denen sich bisher kein Zugang erkennen ließ in einem ganz neuen Licht. Beispielsweise profitiert die auf Zahlen basierende Kryptographie von dieser Jahrhundert-Lösung.

„Das ist ein Moment, den man niemals vergisst, wenn man so ein großes Problem löst", freut sich Wiles im

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der University of Oxford. „Dafür lebst du. Heureka-Momente, jeder einzelne hat sich in meinem Gedächtnis festgesetzt."

Facebook-Vorschaubild: John Cairns, University of Oxford