Trennungen

Wie du mit einer Trennung in deinen 20ern klarkommst

Wir erklären dir, warum deine besten Freunde deine Genitalien in Großaufnahme sehen sollten und weshalb du eine Bumsliste schreiben solltest.

von Amelia Abraham
24 Januar 2017, 5:00am

Herzlichen Glückwunsch! Du bist wahrscheinlich gerade auf dieser Seite gelandet, weil es 3 Uhr morgens ist und du Google verzweifelt nach Selbsthilferatschlägen durchforstest. Kann man eigentlich an gebrochenem Herzen sterben? 

Die gute Nachricht: Du stirbst nicht. Die schlechte: Du machst gerade eine Trennung durch, was bedeutet, dass die nächste Wochen ziemlich unangenehm werden. Du wirst Probleme haben, vernünftig mit anderen Menschen zu interagieren; du wirst felsenfest davon überzeugt sein, dass jetzt alles gelaufen ist. Das war's, du wirst deine Kaffeefahrtjahre allein verbringen – auf der Parkbank, Tauben fütternd

Aber keine Sorge, dein Elend folgt einem Muster. Wenn wir einen geliebten Menschen verlieren, durchlaufen wir fünf Phasen der Trauer: Leugnung, Zorn, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Zorn ist in diesem Modell die Phase, in der du dein Ex/deine Ex auf jeder erdenklichen Social-Media-Plattform unfollowst – und das dann augenblicklich bereust, weil du jetzt nicht mehr alle halbe Stunde ihre Snapchat-Story aktualisieren kannst. Depression ist, wenn der Schimmel auf den Tiefkühlpizzaresten neben deinem Bett ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat. Akzeptanz ist, diese Teller endlich abzuspülen – oder wegzuwerfen.

Der Weg zurück zum Glück ist steinig. Aber Kopf hoch, diesen Pfad haben schon viele vor dir beschritten. Hier sind ein paar Ratschläge, damit auch du das packst.

Fotos: Chris Bethell

Such dir eine Beschäftigung

Das klingt banal, aber wenn es dir wirklich schlecht geht, passiert es schnell, dass du aufwachst, denkst "Scheiß auf heute", dich umdrehst und weiterschläfst, wieder aufwachst, dich krank meldest, das Instagram-Profil deines Ex durchscrollst und weinst, egal ob neue Bilder erschienen sind oder nicht. Dann ziehst du dir einen Hoodie an, gehst in die nächste Bar und trinkst den Rest des Tages Wodka-Mixgetränke aus einem Bierkrug. 

Das ist keine Art zu leben. Wenn du das lange genug durchziehst, liegst du dich wund oder kriegst eine Leberzirrhose. Du musst raus. Fahre Rad, schwimm in einem Weiher, borg dir einen Hund aus, rede mit deiner Mutter – alles, was dir wieder ein bisschen Wind in die Segel bringt. Wenn deine einzigen zwischenmenschlichen Interaktionen die Gespräche mit dem Lieferservice sind, dann wirst du dich noch sehr lange scheiße fühlen.

Lass einen Freund oder eine Freundin dein Handy bereinigen 

Nach einer Woche – einer Woche! Nicht: "Wenn ich dazu bereit bin" – bittest du einen Freund oder eine Freundin, dir dein Handy von allen emotional aufgeladenen Fotos, Nachrichten und Videos zu bereinigen. Das sollte ein Mensch sein, dem du wirklich vertraust, denn diese Person wird deine Genitalien in Großaufnahme vor sich haben und sich durch Hunderte schwülstige Nachrichten lesen müssen. All das muss weg. Und physische Erinnerungen auch. Du wirst nicht eines Tages aufwachen und all diese Dinge nochmal brauchen. Du arbeitest nicht an einem Mordprozess, sodass du Jahre später Beweise durchforsten müsstest. Und wenn du die rührendsten SMS und Fotos noch hundertmal ansiehst, kommen dir vermutlich nur hundertmal die Tränen, oder? Also lass es.

Spring nicht gleich mit dem oder der Erstbesten ins Bett 

Es ist das erste Wochenende deiner neuen "Freiheit", so ganz ist das mit der Trennung noch nicht zu dir durchgedrungen. Schon umwirbt dich eine alte Bekanntschaft und ist dabei ungefähr so subtil wie eine Reklametafel mit blinkenden Neonleuchten. Du fühlst dich irgendwie geschmeichelt. Am besten kommst du über jemanden hinweg, indem du unter jemandem kommst, nicht wahr? Ein bisschen wie bei einer von diesen Zaubertafeln, auf denen du als Kind immer gemalt hast. Ritsch, ratsch, einmal drüber und alles, was einmal war, ist verschwunden. 

Das ist ein Fehler. Du weißt nicht, wie traurig sich dein Dasein anfühlen kann, bis du nicht so eine sinnlose Affäre hinter dir hast. Du gehst mit jemandem mit, weil "vielleicht tut mir das ja gut", doch spätestens als du am nächsten Morgen in seinem Klammergriff aufwachst, während seine Speckröllchen mit jedem Schnarchen unter seinem beigen Bademantel erzittern, merkst du, dass du hier nichts verloren hast – und auch absolut nichts dazugewonnen. Der Trost, den dir die Aufmerksamkeit anderer bietet, ist leer und von kurzer Dauer, wenn du das Interesse gar nicht erwiderst. Und das kannst du jetzt noch gar nicht, denn das braucht Zeit.

Aber schreib' eine "Bumsliste"

Unterteile dein Blatt in drei Spalten: "Gerne wieder", "Potentielle neue Sexpartner" und dann noch, was ich gern "Prestige-Treffer" nenne, also alle, auf die du stehst, die "berühmt" sind, aber auch nicht unerreichbar berühmt. Instagram- und YouTube-Stars zählen. Leute, die mal in einem Video mit Rihanna getanzt haben, ebenfalls. Die Bumsliste ist abstrakt gemeint; du brauchst niemanden auf dieser Liste zu bumsen. Es geht lediglich darum, dass du dich daran erinnerst, dass heiße Menschen da draußen herumlaufen, die nicht den Namen deines oder deiner Ex tragen.

Ignoriere 90 Prozent der Ratschläge, die du aus dem Freundeskreis bekommst

Deine lieben Freunde. Sie sind so witzig und schlau und stehen dir immer bei, wenn du sie brauchst. Aber was, wenn sie einfach beschissene Beziehungsratschläge geben? Meist versuchen sie es ohnehin mit Sätzen, die auch in einem dieser schnörkeligen Spruchbilder auf Facebook stehen könnten. "Wenn er dich betrügt, hat er dich ohnehin nicht verdient." – "Wenn ihr für einander bestimmt seid, dann werdet ihr euch wieder zusammenkommen." – "Es ist wichtig zu lernen, sich selbst genug zu sein." Et cetera, kotz, kotz.

Es tut gut, mit anderen über deine Gefühle zu sprechen. Aber es tut auch gut, sie zu ignorieren, wenn sie etwas bringen, das dir gar nichts bringt.

Sprich nicht mit deinem/deiner Ex

Es gibt Dinge, die sind offensichtlich unvernünftig. Zum Beispiel rohes Fleisch essen, oder mit dem Fön in die Wanne steigen. Deinen oder deine Ex aus heiterem Himmel anzurufen und über die Qualität etwaiger Sexpartner seit eurer Trennung auszufragen, gehört zu diesen Dingen. Was Trennungen angeht, ist Wissen nicht Macht, sondern Leid. Wissen ist die quälende Tatsache, dass jemand anderes diesem Menschen jetzt jede Nacht in den Armen liegt. Scheiß auf Wissen.

Sei gefasst auf seinen/ihren Anruf

Drei Wochen nach eurer Trennung ruft die ehemalige Liebe deines Lebens dich vielleicht an. Zum Beispiel nach einer durchfeierten Nacht, wenn Körper und Seele ganz weichgeklopft sind. Er oder sie wird sagen, das sei alles ein großer Fehler gewesen. Und du willst natürlich nichts lieber, als sofort zu ihm/ihr gehen und so lange zusammen im Bett Netflix schauen, bis deine Leute bei dir nachfragen, ob du noch lebst.

Aber du solltest bedenken, dass du gerade an der Schwelle zu der Trennungsphase stehst, wo alles leichter wird. Wenn du mit dem Rauchen aufhörst, hat dein Körper nach etwa drei Wochen die Sucht abgeschüttelt und du kriegst allmählich die Kontrolle über deine Gedanken zurück. Mit Beziehungen ist es nicht anders. Es genau jetzt noch einmal zu versuchen, könnte einem Rückfall gleichkommen, auf den doch nur wieder Trennungsschmerz folgt. Mach lieber weiter das, was du jetzt als Single so treibst – und wenn du noch nichts machst, dann geh zurück zu meinem ersten Ratschlag und finde endlich eine Beschäftigung. Falls du doch wieder in Versuchung gerätst, wirf noch einmal einen Blick auf die On-Off-Beziehung deiner Freundin, die seit Monaten nicht von ihrem bescheuerten Ex loskommt, und überlege es dir sehr, sehr gut.

Reiß' dich zusammen

Wenn du dich die ganze Zeit zusammenreißt und versuchst, einen auf "vernünftig" zu machen, kann es zunehmend verlockend werden, den Gefühlen freien Lauf zu lassen. Irgendwann willst du einfach einen Screenshot von einem Instagram-Foto machen, auf dem deine Ex mit einer anderen Person zu sehen ist, und ihr mit einem "UND WER IST DAS BITTE?" vor den Latz knallen. Kathartisch, sowas, wenn man seit Wochen mit der eigenen eifersüchtigen Fantasie allein ist. Die Antwort (falls du eine kriegst) ist wahrscheinlich sowas wie: "Das ist mein Kumpel Ben, den du kennen würdest, wenn du nicht damals 'zu müde' gewesen wärst, um auf seine Geburtstagsparty zu gehen." Und dann wirst du wahrscheinlich geblockt. Versuch also, dich brav weiterhin zusammenzureißen, egal wie eifersüchtig du dich fühlst. Und wenn du seine Fotos mit "Mikropenis" hashtaggst oder ihre Mutter anrufst, handelst du dir im schlimmsten Fall Ärger ein, der über eine Kontaktsperre hinausgeht.

Wenn du schon Spielchen spielst, gewinne

Falls es dir, aus welchem Grund auch immer, wirklich darum geht, deine/n Ex zu übertrumpfen oder die Trennung bereuen zu lassen, vergiss direkte Belästigung wie die im vorigen Absatz. Es gibt viel effektivere Methoden, die dir niemand zum Vorwurf machen kann. Du kannst zum Beispiel gezielt soziale Kontakte und Social-Media-Profile pflegen. Poste ein Bild, wie du mit einer seiner anderen Ex-Freundinnen trinken gehst, und schreib sowas wie "Mal gepflegt quatschen" drunter. Stelle ein neues Profilbild ein, in dem du so sagenhaft aussiehst, dass es 400 Likes kriegt – was deine Ex als 400 Leute interpretieren wird, die mit dir Sex haben wollen. Mach ein Foto von einem Baum und tagge als Ort die Stadt, in der dein Jugendschwarm wohnt, auf den dein Ex immer eifersüchtig war. Sei schlau. Sei ein Gewinner.

Tu nicht so, als bräuchtet ihr ein "Rückgabe-Treffen"

Ihr müsst euch nicht treffen, um euch gegenseitig alten Kram wiederzugeben. Das ist nichts als eine Ausrede, um einander zu sehen und dann die Trennung noch einmal mit symbolschweren Topfpflanzen und DVDs nachzustellen. Wenn du unbedingt um jeden Preis diese Aloe Vera haben willst, solltest du vielleicht einen Freund schicken oder ein Postfach einrichten.

Bewahre die Ruhe, wenn du ihm/ihr begegnest

Die Gründe dafür sind zahlreich und sollten auf der Hand liegen. Falls du trotzdem eine kleine Erklärung brauchst: Schreien, weinen und sich verstecken wirken nicht besonders cool.

Sieh das besser nicht als Gelegenheit, "eine ganz andere Sorte" zu daten

Langsam aber sicher bist du bereit, dich neu umzusehen, und verständlicherweise sollte der oder die Neue kein Doppelgänger deiner ehemaligen Flamme sein. Doch es ist nicht unbedingt das Beste, deswegen gleich drastisch deinen "Typ" zu ändern. Wenn du erst auf ein paar Dates mit Männern warst, die in ihren Profilbildern auf die Kamera zeigen, oder mit breit grinsenden Frauen, die sich als "Freigeister" bezeichnen, entdeckst du schnell, dass du mit gutem Grund auf Eigenschaften wie "halbwegs bodenständig" und "nicht furchtbar" stehst.

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