Laut YouTube sind LGBTIQ-Videos potenziell unangebracht

Der "eingeschränkte Modus" macht Videos unsichtbar, die sich mit queeren Themen auseinandersetzen.

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20 März 2017, 3:12pm

Am Wochenende wurde auf Twitter eine #YouTubeIsOverParty ausgerufen, nachdem Nutzer bemerkt hatten, dass der "eingeschränkte Modus", der unangebrachte Inhalte auf YouTube verschwinden lassen soll, auch LGBTIQ-Content ausblendet. Die Ausmaße des bereits länger existierenden Filters blieben weitgehend unbemerkt, bis die britische YouTuberin Rowan Ellis vor Kurzem in einem Video auf die mutmaßliche Anti-LGBTIQ-Politik der Plattform aufmerksam gemacht hatte.

Auf YouTube selbst wird die Funktion wie folgt beschrieben: "Im eingeschränkten Modus werden Videos ausgeblendet, die von Nutzern gemeldet wurden oder die anderweitig als potenziell unangemessen aufgefallen sind. Kein Filter ist zu 100 Prozent zuverlässig, doch diese Funktion hilft dabei, einen Großteil der Inhalte zu blockieren." Nach Anmeldung mit einem Google-Konto kann auch eine Sperre gesetzt werden, sodass andere Nutzer die Einstellung für den eingeschränkten Modus nicht verändern können.

International haben sich bereits zahlreiche bekannte User wie Tyler Oakley und Shane Dawson gegen die Video-Zensur ausgesprochen – was nur logisch scheint, wenn man bedenkt, dass die YouTube-Community wahrscheinlich die bunteste im ganzen Internet ist. Aber auch österreichische YouTuber wie Michael Buchinger fallen der LGBTIQ-Schere zum Opfer.

Sucht man ohne eingeschränkten Modus beispielsweise nach "Michael Buchinger schwul", lauten die Titel der ersten Videos etwa "Coming out", "Ja, ich bin (noch immer) schwul" oder "Wenn Schwule das sagen würden, was Heteros sagen". Stellt man dieselbe Suchanfrage im eingeschränkten Modus, ist keines dieser Videos sichtbar – stattdessen lautet das Top-Ergebnis "Draw My Life". "Boyfriends in Budapest" an zweiter Stelle war für den Filter offenbar nicht schwul genug und daher auch familienfreundlich. Sucht man im eingeschränkten Modus nicht nach Videos, sondern gezielt nacht seinem Kanal, taucht Michael Buchinger übrigens erst gar nicht auf.

Links: die "potenziell unangemessenen" Suchergebnisse für "Michael Buchinger schwul". Rechts: dieselbe Suchanfrage im eingeschränkten Modus

Gegenüber VICE zeigt Michael Buchinger sich darüber enttäuscht: "Immerhin ist das Motto von YouTube ja auch 'Broadcast yourself' und da passt das mit der Einschränkung von relativ harmlosen Inhalten auch nicht wirklich dazu." Jedoch hoffe er auf Einsicht seitens der Plattform: "Vielleicht erkennen sie ja, dass das deppert ist, und lockern das ein bisschen auf. Finde es aber schon sehr enttäuschend."

Betroffen sind auch Uploads von offen homosexuellen Künstlern wie Troye Sivan, der im eingeschränkten Modus plötzlich ganz ohne Musikvideos dasteht – allerdings wird auch "... Baby One More Time" von Britney geblockt, was umso deutlicher macht, wie falsch dieser Algorithmus letztendlich zu sein scheint.

YouTube hat sich mittlerweile via Twitter entschuldigt, nach Veränderung klingt das allerdings noch nicht ganz: Man sei "stolz, LGBTIQ-Stimmen auf der Plattform zu repräsentieren", LGBTIQ-Videos wären demnach auch im eingeschränkten Modus abrufbar – lediglich Videos, die sensiblere Themen ansprechen, würden ausgeblendet. Unter diese sensibleren Themen fallen offenbar auch Coming-outs oder Tipps zum Umgang mit Homophobie. Und genau diese Videos sind es, die queeren Teenagern auf der ganzen Welt das Gefühl geben können, dass sie nicht alleine sind.

Franz auf Twitter: @FranzLicht.

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