Pfandsammler in der U-Bahn-Station Köln. Scheißleben. Bild via Imago.
Geld verdienen ist ein schäbiges Business, aber hey, immer noch besser, als den Müll durchsuchen zu müssen. Fleiß, Ehrgeiz, Pünktlichkeit, der ganze Mist. Schlaf kommt zu kurz, die Nachrichtenlage deprimiert und deprimiert kann man nicht arbeiten. 2016 war hart für dich und keiner fragt dich, wie es dir geht. Schlimm. Was soll es denn, es muss doch weiter gehen.Muss es? Wenn dir Leute sagen, das Geld läge nicht auf der Straße, dann lügen sie. In dein Gesicht. Denn natürlich liegt das Geld auf der Straße, wie soll es auch sonst sein, es gibt ja immer noch Gravitation, alles fällt nach unten. Alle übersehen die Möglichkeiten, bis auf diesen einen Herren aus Köln, der mit einer einzigen Pfandflasche 44.000 Euro verdient hat.Ach, hat er nicht. Er musste vorher investieren, ein bisschen nachdenken und schließlich auch noch einen Automaten manipulieren, das kostet. Der Mann aus Köln stellte sich also einen eigenen Pfandautomaten in den Keller, was naheliegt, weil er Getränkehändler war. Er baute einen Magnetsensor ein und eine Art Holztunnel, der verhindern sollte, dass die Flasche geschreddert wird. Damit war er in der Lage, die eine, immer gleiche Flasche genau 177.451 Mal in den Automaten zu stecken. Das summiert sich, befielt die Mathematik.Ist allerdings Handarbeit, ganz so einfach ist es dann nicht. Um den Tennisarm zu vermeiden und um sich nicht zu langweilen, stellte sich der 37-Jährige ein Radio neben den Automaten, und hat dabei 959 Mal dieses Lied gehört:https://www.youtube.com/watch?v=XD7cDdz6tVMAh, das mit dem Lied ist erfunden. Mit dem Radio aber nicht. 5.000 Euro hat der Mann für den Automaten und die Technik hinlegen müssen, der Laden war nicht gut gelaufen, also ging er diesen Weg. Trotzdem konnte er noch haargenau 44.362,75 verdienen, er steht wohl nicht so auf runde Zahlen.Doch der Staat will nicht, dass das Geld auf der Straße liegt, nennt das „gewerbsmäßigen Betrug" und stellt dich vor Gericht. Der Prozess hat gerade vor einem Kölner Gericht stattgefunden. Ungönnung, 2016. Jemand hatte ihn verpfiffen.Wenigstens nennt der Richter die Tat des Angeklagten eine „logistische Meisterleistung". Das Lob geht runter wie Öl. Trotzdem: 10 Monate Haft, auf Bewährung.
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