Überfischung

Der pazifische Blauflossen-Thunfisch stirbt bald aus

Der gerade auch für Sushi beliebte Thunfisch steht kurz vor dem Aussterben. Die Wahrscheinlichkeit, die Art noch retten zu können, ist unter aktuellen Bedingungen minimal.
26.4.16
Photo via Flickr user Ron Dollete

Sojasauce, Adzukibohnen, umeboshi, koji, negi oder nori mal beiseite: Pazifischer Blauflossen-Thunfisch, kuromaguro, ist ohne Zweifel der wahre König der japanischen Küche, wenn man bedenkt, dass der relativ kleine Inselstaat Japan gut 80 Prozent des weltweiten Fangs verspeist. Und auch wenn man sich in Japan bewusst ist, dass das unkontrollierbares Verlangen nach kuromaguro die Art ausrottet, können sie einfach nicht die Finger davon lassen.

Als der selbsternannte Thunfisch-König Kiyoshi Kimura Anfang diesen Jahres auf dem legendären Tsukiji-Markt für einen einzigen 200 Kilo schweren Blauflossen-Thunfisch umgerechnet über 100.000 Euro bezahlt hat (2013 legte er sogar über 1 Million Euro für ein 222-Kilo-Exemplar auf den Tisch), haben das viele Naturschützer schon als letztes Todesröcheln eines Industriezweiges interpretiert, der schon vor langer Zeit verrückte Ausmaße angenommen hat. Paradoxerweise galt die Thunfischart noch vor 50 Jahren als minderwertiger Fisch und wurde zu Katzenfutter verarbeitet.

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Und jetzt gibt es neue Daten, die belegen, dass der Blauflossen-Thunfisch in der Tat ziemlich schlechte Aussichten hat. Ineinem für Juni angekündigten Bericht des International Scientific Committee for Tuna and Tuna-like Species in the North Pacific heißt es, dass die Zukunft des Blauflossen-Thunfischs düster aussieht. Der derzeitige Bestand liegt 97 Prozent unter den Höchstständen vor gut 100 Jahren.

Derzeit existieren nur 2,6 Prozent des ungefischten Bestandes, also der Zahl der Thunfische, die es geben würde, wenn kein Blauflossen-Thunfisch gefangen würde. Das ist noch weniger als die zuletzt geschätzten 4,2 Prozent. Heute gibt noch gut 17.000 Tonnen Fisch, 2014 waren es schätzungsweise noch 26.000 Tonnen.

„Die Lage ist in der Tat so schlecht, wie sie aussieht", so Amanda Nickson, die Leiterin der Abteilung Globale Thunfischerhaltung bei der US-Organisation The PEW Charitable Trust.

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Die zuständigen Forscher meinen zudem, dass sie jetzt im Vergleich zu vorherigen Schätzungen besseres Datenmaterial hätten und daher auch verlässlichere Zahlen liefern könnten. Jetzt versuchen alle, eine Lösung zu finden.

Wie es in dem Bericht heißt, können die Bestände unter den aktuellen Bedingungen (Vermehrung und Fangzahlen) nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,1 Prozent wieder aufgebaut werden. Nun wurde das Ziel gesetzt, den Bestand bis 2024 auf 42.000 Tonnenbzw. auf 6,2 Prozent des ungefischten Bestandes anwachsen zu lassen. Um die Fischart nachhaltig zu schützen braucht man mindestens 20 Prozent der früheren Bestandszahlen, so Experten.

Es sieht also schlecht aus für den Blauflossen-Thunfisch und schuld daran sind auch wir. Da bleibt nur zu hoffen, dass durch die Last-Minute-Maßnahmen ein bisschen was zum Besseren verändert werden kann, bevor dieser majestätische Fisch endgültig aus unseren Meeren verschwindet.