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Restaurant Confessionals

Der undankbare Job eines Lebensmittelsicherheitsinspektors

Als Lebensmittelsicherheits- und Hygieneinspektor wurde ich von großen Restaurantkonzernen angestellt, um ihre Filialen zu kontrollieren. Was ich da gesehen habe, lässt mich bis heute nicht los.
18 März 2015, 2:45pm
Photo via Flickr user Devyn Caldwell

Willkommen zurück zu den Restaurant Confessionals, wo wir den Leuten aus der Gastronomie eine Stimme geben, die ansonsten viel zu selten zu Wort kommen. Hier erfährst du, was sich hinter den Kulissen in deinen Lieblingsrestaurants so alles abspielt.

Die Restaurants, die Leute wie mich anstellen, haben ein Interesse daran, ihre Marke zu schützen. Sie wollen sich nicht mit irgendeinem E.coli-Skandal ihren Ruf versauen.

Ich wurde als Spezialist für Lebensmittelsicherheit und Hygiene von großen Restaurantkonzernen engagiert , um ihre Filialen zu inspizieren. 300 Tage pro Jahr war ich auf Reisen und prüfte ein bis zwei Restaurants pro Tag. Jeden Morgen stieg ich in mein Auto, fuhr ins Restaurant und klopfte so zwischen 8:00 und 8:30 Uhr an der Hintertür. Die meisten von ihnen hatten Gucklöcher. Wenn sie mich in meinem weißen Laborkittel, mit meiner Taschenlampe und meinem Thermometer vor der Tür sahen, murmelte die Person auf der anderen Seite immer so etwas wie „Oh, scheiße!" vor sich hin. Dann öffnete die Person die Tür und verkündete allen, dass ich anwesend bin.

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Unsere Kontrollen liefen nach den Vorschriften der Regierung ab. Das ging weit über die Arbeit von Gesundheitsinspektoren hinaus—im Gegensatz zu uns ist das ein Werbezirkus. Sie laufen 15 Minuten durch ein Restaurant, finden das ein oder andere und gehen dann zum nächsten, weil sie so überarbeitet sind. Ich fing bei meiner Checkliste immer von ganz oben an und und arbeitete sie bis ganz nach unten ab—jeder Besuch dauerte drei bis vier Stunden.

Er öffnete die Hinterseite der Eismaschine und ein Schwall von Küchenschaben quoll heraus. Sie fraßen sich gegenseitig auf, es waren so viele.

Ich ging durch die einzelnen Stationen in der Küche, sah mir die Kühlschränke und die Regale an. Ich stellte den Angestellten Fragen, um herauszufinden: Spielt Lebensmittelsicherheit in ihrem Restaurant eine wichtige Rolle? Wissen sie überhaupt, welche Temperatur warme und kalte Gerichte haben müssen? Leute wollen andere nicht verletzen. Sie wollen kein schlechtes Essen verkaufen. Meistens fehlt ihnen einfach das Wissen.

Foto: Alfonso Pierantonio via Flickr.

Am liebsten ging ich direkt zu der Station, wo sich die Arbeiter die Hände waschen, öffnete den Behälter, in dem sich die Papiertücher befanden und machte auf das erste Tuch ein großes X. Nach der Mittagspause kam ich zurück und schaute nach, ob das X noch da war. Oft war das der Fall, was bedeutet, dass sich den ganzen Vormittag bis zum Mittagessen keiner die Hände gewaschen hatte.

Einmal inspizierte ich eine Filiale einer Kette, in der wir auch für die Schädlingsbekämpfung zuständig waren. Ich sah Küchenschaben, konnte mir aber einfach nicht erklären, wo sie herkamen. Ich wusste, dass ein Kollege von der Schädlingsbekämpfung gerade in der Stadt war, also rief ich ihn an und bat ihn um Hilfe. Er kam herein, ging direkt zur Softeismaschine und sagte: „Ich hole jetzt einen Staubsauger und dann müssen wir ganz schnell arbeiten." Er öffnete die Hinterseite der Eismaschine und ein Schwall von Küchenschaben quoll heraus. Sie fraßen sich gegenseitig auf, es waren so viele. Eine Softeismaschine ist der perfekte Ort für Küchenschaben—es ist feucht, das Eis hat einen hohen Kaloriengehalt und es ist warm. Deshalb befinden sich Küchenschaben auch immer hinter Kühlschränken.

Ein anderes Mal war ich bei einer großen Restaurantkette und fragte, ob sie irgendwelche Probleme mit Schädlingen haben. Das war in den Südstaaten, wo jeder mit Schädlingen zu kämpfen hat. Ich begann mit meiner Kontrolle im vorderen Bereich des Restaurants, weil sich hinten in der Küche niemand befand, ich den Leuten aber beim Arbeiten zusehen wollte. Ich ging zur Theke und versuchte, die Klappe hochzuheben, aber sie ließ sich nicht bewegen. Also kroch ich darunter, um nachzusehen, an was es lag. Ich sah nach oben und die gesamte Oberfläche ein paar Zentimeter über meinem Kopf war mit Küchenschaben bedeckt. Ich blieb ganz ruhig, schrie nicht und sagte nur: „Wir haben ein Problem."

Einmal war ich in einem BBQ-Restaurant, in dem es richtig übel stank—einfach abartig. Wir versuchten, herauszufinden, woher der Gestank kam und bemerkten, dass es der Stahltisch war, den alle für ihre Vorbereitungsarbeiten verwendeten. Wir schauten unter den Tisch und entdeckten eine 0,5 cm dicke Fettschicht. Sie bewegte sich und Fliegen und Maden lebten darin.

Foto: zwww via Flickr.

In einer Supermarkt-Kette inspizierte ich einmal das Deli. Ich musste meinen Mund die ganze Zeit geschlossen halten, weil überall Fliegen waren. Ein besonders großes Restaurant hatte ein separates Trockenlager. Also ging ich hinein und fragte, wie es mit Schädlingen aussieht. Ich schaute in einen Eimer und darin saß eine Maus . Sie sagten zu mir: „Nein, wir haben keine Probleme." Also zeigte ich auf den Eimer und sagte: „Und was ist das hier?"

In den Fällen, die ich hier beschrieben habe, ging es hauptsächlich um die Schädlingsbekämpfung, aber oft ist einfach die Hygiene extrem schlecht oder es mangelt bei den Angestellten an Wissen. Bei einem Besuch wussten sie nicht einmal, wie man die Fleischschneidemaschine reinigt.

Ich wurde für mein gesamtes Leben geschädigt. Meine letzte Inspektion ist schon zehn oder zwölf Jahre her, aber wenn ich ein Gebäude betrete, rieche ich immer noch sofort die Küchenschaben.

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Es war ein ziemlich undankbarer Job. Wirklich. Es ist fast wie bei Zahnärzten: Jeder muss mal hin, aber keiner mag es. Aber ich musste einfach meinen Job erledigen, ob die Angestellten jetzt glücklich waren oder nicht, ich ließ mich nicht davon abbringen.

Ich wurde für mein gesamtes Leben geschädigt. Meine letzte Inspektion ist schon 10 oder 12 Jahre her, aber wenn ich ein Gebäude betrete, rieche ich immer noch sofort Küchenschaben. Sie haben diesen ganz speziellen öligen, nussigen Geruch.

Manchmal betrete ich ein Restaurant, drehe dann aber sofort wieder um. Eigentlich mache ich das ziemlich oft.

Aufgezeichnet von Tove Danovich