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Landwirtschaft

Zurück zum Ursprung—Bio-Anbau ist nicht unbedingt weniger ertragreich

Lange wurde angenommen, chemikalienlastige Landwirtschaftsmethoden seien der beste Weg, um die Welt zu ernähren. Eine neue Studie belegt jedoch, dass die Biolandwirtschaft nicht nur gut, sondern auch produktiv ist.
16 Februar 2015, 9:00am
Photo via Flickr user Charles Smith

Die konventionelle Landwirtschaft—eine Methode, bei der große Mengen Pestizide und Düngemittel zum Einsatz kommen, um das Wachstum von Obst und Gemüse zu fördern—wurde lange als der einzig wahre Weg angesehen, um die wachsende Bevölkerung dieser Erde zu ernähren, während man glaubte, die Bio-Landwirtschaft könne keine großen Erträge hervorbringen. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass der Ertragsunterschied zwischen biologischer und konventioneller Landwirtschaft viel, viel geringer ist, als angenommen.

Vergangenen Monat präsentierten die Forscher des Food Institute der UC Berkeley einen Überblick über die 115 bislang veröffentlichen Studien der Ertragsunterschiede zwischen den beiden landwirtschaftlichen Methoden. Sie ermittelten die durchschnittlichen Ertragszahlen und fanden dabei heraus, dass die biologischen Erträge nur 19 Prozent weniger waren, als die der konventionellen Landwirtschaft—ein bedeutend weniger großer Unterschied, als erwartet. Die Studie wies auch auf spezifische Methoden für Biobauern hin, um die Differenz noch weiter zu verringern.

Die hartnäckige Wahrnehmung, die konventionelle Landwirtschaft sei besser dazu geeignet, große Menschenmassen zu ernähren, liegt hauptsächlich an der sogenannten „Grünen Revolution"—die auf die 1960er-Jahre zurückgeht. Unter der Leitung des Biologen Norman Borlaug wurden vermehrt neu entwickelte Pestizide und synthetische Düngemittel verwendet. Der Ertrag der Nutzpflanzen, auf die sie angewendet wurden, besonders Weizen, stieg schlagartig an und so konnte man große Mengen in Entwicklungsländer wie Indien exportieren. Mit den exportierten Waren wurden in diesen Ländern zahlreiche Menschen ernährt, die bisher am Verhungern waren. Zwischen 1950 und 1984 stieg die weltweite Getreideproduktion dank der Grünen Revolution um 250 Prozent.

Dass die chemikaliendurchtränkten Methoden der Grüne Revolution zu höherer Lebensmittelproduktivität führte, ist unumstritten. Aber derzeit wird laut Claire Kremen, der Co-Leiterin des Berkeley Food Institute und der leitenden Autorin der Studie, der Großteil des ertragreichen Getreides in den USA an Nutztiere verfüttert, nicht an Menschen.

„Die Agrarindustrie will sich selbst als Ernährer der Welt positionieren", sagte Kremen. „Tatsächlich wird aber der Großteil des Mais und der Sojapflanzen als Tierfutter verwendet. Die Behauptung, den Welthunger zu bekämpfen, ist also ziemlich übertrieben", fügte sie hinzu.

Die Methoden der Grünen Revolution waren unnnachhaltig. Sie hingen stark von den dahinschwindenden fossilen Brennstoffen ab und verloren im Laufe der Zeit ihre Effizienz. Der Ertrag konnte durch den vermehrten Einsatz von synthetischen Dünger zwar immer mehr erhöht werden, aber: „Wir sprechen hier von einem sehr gut dokumentierten Phänomen", erklärte Kremen. „Wenn man nur auf die Nährstoffe achtet"—Stickstoff und Phosphor, Inhaltsstoffe der meisten synthetischen Düngemittel—„und nicht auf die Struktur des Bodens und seine Gesundheit, verliert die Beschaffenheit des Bodens plötzlich an Komplexität", sagte sie. Und fruchtbarer Boden ist der Schlüssel zu Produktivität.

„Die Organismen in gesundem Boden—Regenwürmer und ähnliches—spielen eine wichtige Rolle, weil sie Nährstoffe für Pflanzen freisetzen", erklärte Kremen. „Wenn man diese wichtigen Nährstoffe einfach hinzufügt, nährt man nicht wirklich das Ökosystem des Bodens. Früher oder später weist man sich damit selbst in die Schranken."

Die Ergebnisse des Forscherteams, die zeigen, dass biologische Erträge deutlich höher sind, als bisher angenommen, sind hauptsächlich auf den Umfang ihres Projekts zurückzuführen. Der Datensatz von 115 Studien, den sie verwendeten, ist drei Mal größer, als der der bisher veröffentlichten Arbeiten und ist deshalb präziser.

„In manchen Fällen können biologische Erträge geringer sein", sagte Kremen. „Aber insgesamt gesehen gleichen sich die Unterschiede aus."

Die Autoren der Studie sind der Meinung, Biobauern könnten den Ertragsunterschied zu konventioneller Landwirtschaft noch weiter aufholen. Durch Zwischenfruchtanbau—das Anbauen mehrerer verschiedener Nutzpflanzen, die sich ergänzen—und durch Fruchtwechsel, glauben die Autoren, könnten Biobauern weitere neun Prozent gut machen.

Die Ergebnisse der Studie besagen, dass es an der Zeit ist, biologische Produkte nicht mehr nur als Luxusprodukt zu betrachten, sondern den biologischen Anbau als rentable Methode zu sehen, um die immer größer werdende globale Bevölkerung zu ernähren.

„Der Nahrungsmittelbedarf wird in den nächsten 50 Jahren enorm ansteigen, deshalb müssen wir uns intensiver mit biologischer Landwirtschaft beschäftigen", sagte Kremen.