Die Rumfabrik von Flor de Caña. Foto von der Autorin
Viele der Einwohner von Chichigalpa arbeiten bei Flor de Caña und der dazugehörigen Zuckerfabrik Ingenio San Antonio (ISA). Die Zuckerindustrie ist die wichtigste Branche in Zentralamerika und erwirtschaftet vier Prozent des BIP von Nicaragua. In der ISA werden mehr als 63 Prozent des gesamten Zuckers in Nicaragua hergestellt, also fast 17.000 Tonnen Zucker pro Tag. Außerdem liefert die ISA die Melasse für den Rum von Flor de Caña.Die Einwohner Chichigalpas sterben einer nach dem anderen weg.
Ein Souvenirladen in der Rumfabrik. Foto von der Autorin
Die Friedhöfe von Chichigalpa. Foto mit freundlicher Genehmigung von facinganepidemic.com
Dieser Mann leidet an Niereninsuffizienz. Foto von Julio Lopez*
„Mit 18 habe ich angefangen, in der Fabrik zu arbeiten", erzählt Julio. „Ich habe den abgebrannten Zuckerrohr geschnitten und in der Ethanolproduktion gearbeitet. Wir haben mit starken Chemikalien hantiert, aber wir hatten ja Schutzkleidung."Seitdem er 29 ist, leidet Julio an einer chronischen Nierenkrankheit und lag schon mehrmals fast im Sterben.„Du verbrennst innerlich. Du fühlst dich, als würdest du ersticken", beschreibt er sein Leiden. „Dann liegst du da und denkst, das sei den letzter Tag und auf einmal hast du es wieder unter Kontrolle. Dein Kreatininspiegel ist die ganze Zeit auf dem Höchststand. Noch ein Hitzeanfall und du stirbst. Du gehst aus dem Krankenhaus, siehst den blauen Himmel, deine Familie und Kinder und weißt, dass du auf dich acht geben musst.",Man könnte einen Arbeitstag auf dem Zuckerrohrfeld auch mit einem Halbmarathon vergleichen, zumindest was die körperliche Anstrengung betrifft.'
Ein weiteres Opfer der Nierenkrankheit
Ein ehemaliger Zuckerrohrarbeiter vor den ISA-Feldern. Foto von der Autorin
Ein Grab in Chichigalpa. Foto mit freundlicher Genehmigung von facinganepidemic.com
Juan Carlos*, einer der Zuckerrohrarbeiter. Foto mit freundlicher Genehmigung von facinganepidemic.com
Er hört kurz auf zu reden. „Eines muss ich Carlos Pellas aber lassen: Ich glaube nicht, dass er weiß, was genau passiert", sagt Jason Glaser. „Er führt ein milliardenschweres Unternehmen. Was vor Ort passiert, bekommt er nicht mit. Wahrscheinlich vertraut er seinen Mitarbeitern einfach."Ingenio San Antonio behauptet, dass es ,strenge Kontrollsysteme gibt um zu gewährleisten, dass die Zweitfirmen nach Vorschrift arbeiten und dass sie Regeln zu Arbeitssicherheit und Hygiene in der Firma einhalten.'
Die Rumfässer von Flor de Caña. Foto von der Autorin
Nicht alle Angestellten der Pellas-Gruppe und ihrer Tochterfirmen äußern sich so offen kritisch. Mein Guide bei Flor de Caña schwärmt in einer Tour davon, wie gut es ist, hier zu arbeiten. Am Ende des Jahres, meint er, bekommen die Angestellten der Fabrik gratis Rum und die Zuckerrohrarbeiter erhalten bis zu 30 Kilo Zucker. Wenn Angestellte die Firma verlassen, werden sie außerdem von der Firma großzügig entschädigt.„Besser als bei jedem anderen Unternehmen", sagt er.Edward Hamilton berät Rumhersteller und hat bereits über 50 Destillen weltweit besucht. Er weiß um die Anschuldigungen zu Menschenrechtsverletzungen, sagt aber dennoch, dass Flor de Caña zu den besseren Brennereien gehört. „Das ist ein sehr progressiver Betrieb", meint er. „Die Zuckerrohrmühle hat Verträge mit Zweitfirmen und die stellen die Leute ein. Diese Zweitfirmen kümmern sich nicht um ihre Angstellten oder geben ihnen keine Schutzkleidung. Das ist so ein ,Entwicklungslandproblem'."„Alles faule Ausreden!", meint Jason Glaser. „Die Firma verdient an der Arbeit der Zweitfirmen und spart ordentlich Geld, indem sie behauptet, dass sie aufgrund eines ziemlich dubiosen Vertrages, der sie von jeglicher Haftung ausschließt, nicht für die Arbeiter verantwortlich sind. Fakt ist, dass die Arbeiter für die ISA als Zuckerrohrschneider arbeiten. Die ISA sollte sicherstellen, dass es in ihrer Lieferkette keine menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen gibt. Alle Grundstücke, von denen sie Zuckerrohr beziehen, sind in ihrem Besitz oder sie haben sie gepachtet. Sie koordinieren die Zweitfirmen und weisen ihnen bestimmte Aufgaben zu, um die Effizienz zu steigern."In La Isla, einer Siedlung im Norden Chichigalpas, sterben mehr als 70 Prozent aller Männer an Nierenversagen.
Ein Haus in der Siedlung La Isla. Foto von der Autorin
Die Straße nach La Isla. Foto von der Autorin
Vor einer Demonstration positionieren sich Polizeikräfte vor der Rumfabrik. Foto von Julio Lopez*
Demonstrationen gegen die Arbeitsbedingungen auf den Feldern. Foto von Julio Lopez*
Die Zuckerrohrfelder von ISA. Foto von der Autorin
