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Qual und Ekstase: Die stille Mission, PTBS mit psychedelischen Drogen zu bekämpfen

Auch wir werden nach den bevorstehenden Feiertagen mit der Familie wohl an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Doch es gibt Hoffnung: MDMA!

Für die Patienten von Michael und Annie Mithoefer ist die Klinik in Charleston, South Carolina, der letzte Ausweg auf einer erschöpfenden Reise.

Da sie außerstande sind, zu vergessen, was sie erlebt, beobachtet oder angestellt haben, auf Befehl oder anderweitig, in den Vororten Bagdads oder den Tälern der Helmand Provinz, werden sie von den unnachgiebigen seelischen Sirenen von posttraumatischem Stress geplagt (PTBS - Posttraumatische Belastungsstörung). Sie haben das Paar aufgesucht, weil keine andere Therapie geholfen hat. Sie würden alles tun.

Die Mithoefers sind direkt: wenn sich das Trauma nicht so leicht zeigt, na ja, dann werden sie es dazu bringen, sich zu zeigen. Der Vorgang kann schmerzhaft sein und stundenlang dauern, also kommen die Patienten vormittags an. Nach letzten „Set"-Vorbereitungen kriegt jeder Proband eine kleine, merkwürdige Kapsel. Es ist zehn Uhr morgens und sie nehmen gerade Ecstasy.

Die Sitzungen, die jetzt folgen und den ganzen Tag dauern, sind Teil einer kleinen, Open Label Phase-II-Studie MDMA-gestützter Psychotherapie für posttraumatische Belastungsstörung bei Kriegsveteranen. Das Experiment untersucht, wie Methylendioxymethylamphetamin, besser bekannt als Ecstasy, die lähmenden Langzeitschrecken von „chronischer, behandlungsresistenter, kampfbezogener PTBS" lindern können, wenn es in kleinen Dosen und kontrollierter Umgebung verabreicht wird.

Das ist die Spitze eines 10-jährigen, 10 Millionen Dollar teuren Projekts der Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies, um die Food and Drug Administration (die amerikanische Gesundheitsbehörde)davon zu überzeugen, dass MDMA als verschreibungspflichtiges Medikament genehmigt werden sollte. Rick Doblin, der Gründer und Leiter von MAPS, malt sich den Tag aus, an dem man Ecstasy in der Drogerie an der Ecke kaufen kann.

Ein Beratungsraum in der Klinik von Michael und Annie Mithoefer

Es ist nicht ganz klar, wie fern dieser Tag noch ist, wenn man die Tabus und Stigmata in Betracht zieht, die an allem hängen, was zu nahe an den trüben, unerforschten Gewässern der „Bewusstseinsveränderung" treibt. Im Moment erhalten die Mithoefers MDMA vom einzigen lizensierten Händler in den USA, einem Chemiker an der Purdue Universität. Die 30-, 75- und 125-mg Kapseln der einzigen von der Regierung genehmigten Produktion Ecstasy, die je hergestellt wurde—1985, als die Droge kriminalisiert wurde—werden sparsam an sie verteilt. (Dieses Produkt wird routinemäßig auf Reinheit untersucht und bleibt über 99% pures MDMA.) Die aktuelle Studie ist doppelblind, das heißt, dass niemand die Dosierung - 125, 75 oder 30, das auf niedriger Stufe aktive Placebo - die sie am Anfang ihres Trips einnehmen, kennt. Andererseits ist es nicht so schwer, zu sagen, wie sehr du grade drauf bist.

Sobald sie das Medikament eingenommen haben, werden die Patienten aufgefordert, sich zurückzulehnen und sich nach innen zu konzentrieren. Andere machen einfach ihre Augen zu, genießen die Stille. Jeder wartet.

Die Qual

Was wir als PTBS kennen, ist nichts neues. Schweres, anhaltendes psychologisches Leid, das von erschütternden Erfahrungen herrührt, ist ein uraltes Phänomen, auch wenn es das erste mal erst 1980 in der dritten Auflage vom Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-III) anerkannt wurde.

Die Symptome von PTBS sind breit gefächert. Laut dem National Institute of Mental Health fallen sie in drei große Kategorien. Die Symptome des Wiedererlebens sind Schmerzen wie aus dem Lehrbuch - lebendige Flashbacks, dunkle Gedanken und noch dunklere Träume. Ausweichverhalten beinhaltet das Vermeiden von „Orten, Veranstaltungen oder Objekten", die mit der Erfahrung verbunden werden; ausserdem emotionale Betäubung, Schuldgefühle, Depression und Beklemmung, Verlust von Interesse an „Aktivitäten, die in der Vergangenheit angenehm waren", und sogar Schwierigkeiten, sich an das Vorkommnis zu erinnern. Überregung verursacht Kurzschlüsse - man erschreckt sich leicht, fühlt sich angespannt oder ungeduldig, hat Schlafprobleme und hin und wieder Wutausbrüche.

Wir alle sind dem in jedem Alter ausgesetzt, sagt die Wissenschaft. Aber in den USA züchten wir diese Störung innerhalb des Militärs in abscheulich hohen Zahlen. 2005 haben über 70.000 Veteranen PTBS-Invalidenzuschuss erhalten. Eine Studie, wie der Economist 2008 berichtet hat, „schätzt, dass 12 Prozent der amerikanischen Veteranen des Irak- und Afghanistankrieges an PTBS leiden". Letztes Jahr bezifferte die New York Times „gut über" 300.000 Truppen, die mit PTBS, Depression, Schädel-Hirn-Trauma oder „einer Kombination davon" zurückgekehrt sind.

Ein Soldat der Marine wartet im Marine Corps Air Ground Combat Center auf die psychologische Untersuchung, 2009 (Jae C. Hong/AP)

Notleidende Veteranen und Truppen im Dienst können Antidepressiva wie Sertralin (Zoloft) oder Paroxetin (Paxil) nehmen, die zwei SSRI-Medikamente (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) zur Behandlung von PTBS bei Erwachsenen, die von der FDA zugelassen sind. (In einer Vereinbarung zwischen Veteranen und dem Militär, die 2008 aus einer Sammelklage hervorgegangen ist, würden mehr als tausend Irak- und Afghanistanveteranen mit der Störung eine lebenslange Invalidenrente und militärische Krankenversicherung erhalten.) Die FDA sagt, dass diese relativ sicher sind, warnt aber vor ungewollten Nebenwirkungen: „Verschlimmerung der Depression, Selbstmordgedanken oder -verhalten" und „Schlaflosigkeit, Unruhe oder den Rückzug von normalen sozialen Situationen." (Eine neuere Studie besagt, dass die, die Antidepressiva nehmen, für den Rückfall in eine schwere Depression „viel eher" gefährdet sind, als die, die keine nehmen.)

Benzodiazepine - Entspannungs- und Schlafmittel wie Xanax, die eventuell Probleme mit Abhängigkeit oder dem Gedächtnis verursachen - „andere Antidepressiva", wie Fluoxetin (Prozac) und Citalopram (Celexa), oder Antipsychotika sind weitere Medikamente, die das NIMH als mögliche Medikamente zur Behandlung von PTBS anführt.

Das medizinische Programm des Militärs macht im letzten Jahrzehnt verschreibungspflichtige Drogen für das Problem mit der psychischen Gesundheit verantwortlich—so sehr, dass die Army mittlerweile beschränkt, wie viele abhängig-machende Schmerzmittel ein einzelner Soldat abkriegt. Es ist trotzdem nicht ungewöhnlich, dass Truppen gleichzeitig auf verschiedenen Antipsychotika, Antidepressiva und Opiaten sind. Das Risiko, dass übermäßig medikamentierte Kriegsmaschinen Drogen horten und eine „nationale Psychose" heraufbeschwören, wie manche das dargestellt haben, ist so beunruhigend wie das eigentliche Problem. Zwischen 2006 und 2009 sind über 100 Militärs wegen schädlichen Verschnitten von verschreibungspflichtigen Medikamenten gestorben. Unerlaubte Eigenbehandlung, Standard bei so vielen Truppen aus der Vietnam-Ära, ist bei den neueren Kriegsveteranen nicht sehr weit verbreitet. Jetzt ist eher die Flasche angesagt. Es ist fünf mal wahrscheinlicher, dass die Veteranen Pillen und Alkohol missbrauchen als Gras, Koks oder Heroin.

Zwischen 2001 und 2008 stieg die Selbstmordrate im Verteidigungsministerium um 50 Prozent an. 2009 war die Anzahl der Selbstmorde im Dienst höher als die der Verluste auf dem Schlachtfeld. Im März brachten sich ein Dutzend Reservisten selbst um.

Das Government Accountability Office hat außerdem gerade festgestellt, dass das Defense Centers of Excellence for Psychological Health and Traumatic Brain Injury, das 2007 gegründet wurde, als der Kongress dem Pentagon auftrug, ein Programm einzurichten, das sich um den Zuwachs an Hirnverletzungen und PTBS bei den Veteranen kümmert, keine Ahnung hat, was es eigentlich tut (pdf). Das DCoE sollte eigentlich ein Leitbild im Bezug auf die Entwicklung von Techniken zur Behandlung von sogenannten unsichtbaren Wunden sein. Aber wie Denise Fontane, die die Untersuchung geleitet hat, NPR gesagt hat, „[war das DCoE] nicht in der Lage, uns zu erklären, an was sie arbeiten, was sie in Zukunft machen werden, wie viel es kosten wird und welchen Nutzen diese Ausgaben letztendlich haben werden."

Daher ist es vielleicht nicht überraschend, wenn man hört, dass die Selbstmordrate im Verteidigungsministerium zwischen 2001 und 2008 um 50% gestiegen ist. Es ist außerdem nicht überraschend, dassdie Anzahl der Selbstmorde im Dienst 2009 die Anzahl der Verluste auf dem Schlachtfeld überstiegen hat, oder ein Dutzend Reservisten im März Selbstmord begangen hat; oder sogar, dass - laut der Times-Story - ein paar Experten Konfrontationstherapie in Betracht ziehen (eine Art der kognitiven-Verhaltenspsychotherapie), die „einzige bewährte Behandlung" von PTBS. (Man muss dem U.S. Department of Veterans Affairs zu Gute halten, dass die Veteranen, die sich in Behandlung begeben, universellen Zugang zu langfristiger Behandlung oder kognitiven Verarbeitungstherapien haben müssen.)

Wenn man sich ansieht, wie schwerwiegend das Problem ist, dann ist es wenig schockierend, dass es tatsächlich eine Warteliste für Probanden gibt, die unbedingt die Mithoefer-MAPS MDMA-Methode ausprobieren wollen.

Chemische Kriegsführung

Die Wirkung von MDMA tritt gewöhnlich nach 30-45 Minuten nach der Einnahme ein, also dauert es nicht lange, bis sich in Charleston ein Art Rhythmus entwickelt. Die Sitzungen in der Klinik oszillieren zwischen Abschnitten von stiller, nach innen gewandter Konzentration, bei denen der Patient alleine gelassen wird, um sein Trauma zu verarbeiten, und ungefiltertem Dialog mit den Co-Therapeuten. „Es ist eine sehr nicht-direktive Vorgehensweise", hat mir Michael Mithoefer erklärt. Das erlaubt den Probanden, mitzuhelfen, den Flow ihres Trips zu steuern. Sie sind ebenso die Piloten dieser Therapie wie die Aufseher. „Wenn sie es einmal raushaben", erklärte Mithoefer, „reden die Leute manchmal mit uns uns sagen dann selber 'Okay, Zeit, wieder reinzugehen. Ich berichte dann davon, wenn ich fertig bin.'"

Die Patienten wissen, dass die Mithoefers, sollten keine Traumata zum Vorschein kommen, diese heraufbeschwören müssen. Aber das mussten sie noch nie. Die Traumata kommen immer zum Vorschein, und mittlerweile gab es bereits 60 Sitzungen zwischen einer anfänglichen, kleineren Phase-II-Studie und den gegenwärtigen Tests. Die Schrecken kochen von selbst hoch, Patient für Patient.

Die Mithoefers nehmen nicht jeden an. Ihr Protokoll umfasst präzise Aufnahme- und Ausschlusskriterien. Die Teilnehmer müssen gegen vergangene medizinische oder psychotherapeutische Behandlungen resistent gewesen sein und einen Clinician-Administered PTSD Scale (CAPS) Wert von 50 oder höher haben. (CAPS wird als „Goldstandard" für die PTBS-Beurteilung angesehen und ist laut der International Society for Traumatic Stress Studies ein 30-60minütiges Interview, das so gestaltet ist, dass es grundsätzliche Diagnosen zulässt und den Stärkegrad der Symptomatik nach Definition des DSM-IV darlegt.) Abhängige und Patienten, die an psychotischen Störungen oder einer bipolaren Störung des Typ I leiden, werden abgelehnt. Gewisse Zustände wie Bluthochdruck, Depression oder andere Angststörungen sind kein Problem, auch wenn Mithoefer sagt, dass die Bewerber „relativ medizinisch gesund" sein müssen.

Bisher wurden alle, die diese Kriterien erfüllt haben, angenommen. „Wir sind nicht wählerisch", sagt er. Trotzdem haben Leute aus der Gegend Vorrang, weil es billiger ist, mit ihnen zu arbeiten. Aber sie haben Leute aus dem ganzen Land angenommen.

Die Vitalparameter werden während der Sitzungen überwacht. Der Blutdruck und der Puls werden alle 15 Minuten gemessen. Die Körpertemperatur wird zu jeder vollen Stunde aufgezeichnet, dabei werden auch die Probanden überprüft, die gerade ihre Erfahrungen wieder erleben, alleine und innerlich. Starke Gefühle und Halluzinationen sind normal, also ist es entscheidend, Ausrastern vorzubeugen. (Es gibt sogar genügend Platz in der Klinik, damit Patienten dort die Nacht verbringen können, falls sie länger brauchen, um runter zu kommen.) Wenn der Gedanke daran, zum Undenkbaren zurückzukehren nicht schon schlimm genug ist, dann stell dir deine schrecklichste Lebenserfahrung - wahrscheinlich noch das erste mal - high auf MDMA vor. „Es ist schmerzhaft," gibt Mithoefer zu. „Ein paar Leute haben an ihrem ersten Tag gesagt, dass sie nicht wüssten, warum es Ecstasy heißt."

Psychoaktiva bieten neuen Zugang zu tieferen Regionen des Gehirns, laut Amanda Feilding von der Beckley Foundation, einer karitativen Einrichtung in Oxford, die moderne Hirntomographie dazu benutzt, das Bewusstsein und seine erweiterten Zustände zu erforschen.

Experimentell scheinen sie die Unterdrückung zu lösen, die verhindert, dass dem Trauma Aufmerksamkeit zu Teil wird. Das verkürzt in manchen Fällen die Behandlungsdauer von Jahren auf Stunden. Therapeutische Psychedelika, sagt Feilding, „sind wie ein großartiger, wunderschöner Obstgarten voll mit reifen Früchten zum Pflücken."

Aus diesem wunderschönen Obstgarten - mit reichlich LSD und Psilocybin, Ibogain und Cannabis - scheint MDMA besonders dafür geeignet zu sein, die Psychotherapie zu bereichern. „MDMA hat die beste Chance von allen Psychedelika, in die psychiatrische Praxis integriert zu werden", schreibt Doblin in „A Clinical Plan for MDMA."

Zum einen ist Ecstasy schnell. Verglichen mit LSD zum Beispiel, wo der Effekt länger als zehn Stunden andauern kann, ist das ungefähr vier Stunden andauernde „Primäreffekt"-Fenster (und zwei Stunden zum Runterkommen) bei MDMA relativ leicht zu handhaben. Ecstasy ist trotz seiner leichten Toxizität, die in den folgenden Trips Depressionen verursachen kann, auch schonend. Verglichen mit Acid, das „rationale kognitive Prozesse" und Wahrnehmung verfälscht und außerdem Angst und Panik auslösen kann, wirkt MDMA eher auf Emotionen als auf kognitive Funktionen. Die Amygdala, das „Angstzentrum" im Hirn, das heftige negative Emotionen auslöst, wird unterdrückt, während Serotonin- und Dopaminschleusen geöffnet und die Anteile von Oxytocin und Prolaktin, zwei geselligen Hormonen, im Blut erhöht werden.

In anderen Worten: das Patient-Therapeut-Empfinden wird verbessert. Alles in allem fühlen sich die Patienten wohl. Sie sind bereit „dem Trauma ins Auge zu sehen", wie Feilding es nennt. Unter diesem Aspekt, argumentiert sie, ist MDMA Psilocybin ähnlich, da es „die Filter entfernt" und dadurch den Leuten erlaubt, Situationen in der Vergangenheit und in der Gegenwart ein wenig anders zu betrachten.

Zerebrale Angiographie der Hauptarterie des Gehirns (mit freundlicher Genehmigung der Beckley Foundation)

Die Probanden hatten Glück. Mithoefer sagt, dass viele Leute gegen die PTBS-Behandlung resistent sind. Er und seine Frau, eine Krankenschwester in der Psychiatrie, beobachten, dass MDMA eine optimale Erregungszone herbeiführt - oder ein Toleranzfenster. Dort können sie mit ihren Emotionen in Verbindung treten, während sie ihr Trauma wieder aufsuchen und es nicht verlieren, sozusagen. „Vier oder fünf Stunden in dieser Zone", sagt er, „können ihnen helfen, das Hindernis zu überwinden und eine Behandlung aufzunehmen."

Das heißt nicht, dass es einfach - oder fehlerlos - ist, aber man kann es bewältigen.

„Ich habe Bedenken," sagt Charles Hoge, ein Psychiater und Senior-Wissenschaftler am Walter Reed Institute of Research. Hoge hat zwei Jahre im aktiven Dienst verbracht, bevor er den Posten des Armeechirurggenerals angenommen und bei Walter Reed angefangen hat. Und auch wenn er sich nicht so sehr in die medizinisch-psychedelische Literatur vertieft hat - „Ich weiß nicht viel darüber", gibt er zu - hat Hoge festgestellt, dass MDA (3,4-Methylenedioxyamphetamin) und die dazu verwandten Präparate signifikante, unveränderliche, biologische Wirkung haben. „Sie bilden unwiderrufliche Bindungen an manche Rezeptoren im Gehirn", erklärt er, „die potenziell vielleicht größere oder langfristigere Nebenwirkungen bei einer Person auslösen können." SSRI-Medikamente, behauptet er, sind reversibel.

Ob seit Jahren geltende Regelungen gekippt werden können, ist eine andere Frage. Die FDA dazu zu bringen, ihre Richtlinie zu ändern, ist nicht einfach. Es ist überwältigend. „Wir leben momentan in einem dunklen Zeitalter", gibt Feilding, die Britin, zu. Dennoch glaubt sie, dass wir an der Schwelle zu einer Art Renaissance stehen, in der das medizinische Potential von Psychedelika vollkommen ausgeschöpft wird, von der alten Garde der globalen Medizinpolitik nach jahrzehntelangem eisernen Widerstand endlich akzeptiert.

Die laufenden Mithoefer-MAPS-Tests haben gerade einen sechsten Patienten angenommen und sind auf 16 begrenzt. Brad Burge, der Kommunikationsleiter von MAPS, meint, dass diese Zahl niedrig genug ist, um die Studie kontrollierbar zu machen, aber hoch genug, um statistische Signifikanz zu haben. Burge gibt zu, dass es besser wäre, 100 Probanden zu haben - jedes signifikante Resultat würde dann echte Bedeutung haben. „Aber wir haben eigentlich viel mehr als 16 Leute, die darauf waren, vom Forschungsteam befragt zu werden", sagt er und wird „nahezu sicher", genug Probanden für Phase III haben. „Wir machen uns darüber eigentlich keine Sorgen, wenn man bedenkt, wie verbreitet PTBS ist und wie begeistert so viele Leute davon sind, diese neuartige Therapie auszuprobieren."

Angesichts der Zusammenarbeit von MAPS mit der Regierung und Universitäten auf den ganzen Welt fügt Burge hinzu: „Das ist bereits Mainstream-Forschung." Er hat vielleicht Recht, wenn man Oprahs Zustimmung in Betracht zieht.) „Wir machen das genauso, wie ein reguläres Pharmaunternehmen es machen würde", sagt er, also ist es „ziemlich klar", dass verschreibungspflichtiges MDMA für PTBS innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre in der Drogerie erhältlich sein wird. Für ihn ist die Frage eher wann, also ob überhaupt.

Also werden die Mithoefers weitermachen. Zusätzlich zu den laufenden Tests machen sie mit Teilnehmern der anfänglichen Phase-II-Tests weiter, die Blindpräparate genommen haben. (Die Forscher haben eine „große Verbesserung" von den Sitzungen, in denen die Patienten Placebos genommen haben, zu denen auf Ecstasy bemerkt. Diese Ergebnisse waren der am öftesten heruntergeladene Artikel aus dem Journal of Psychopharmacology 2010.) Wie fühlen sie sich drei Jahre später? Darüber wird am Ende ein Artikel veröffentlicht werden, weil die Co-Therapeuten momentan keine Daten veröffentlichen wollen. Aber sie haben mir erzählt, dass die CAPS-Werte nicht sehr stark geschwankt haben - ein ermutigendes Zeichen. Trotzdem wurden ein paar Leute rückfällig. „Sie hatten wieder signifikante Symptome", sagte Mithoefer. „Der Erfolg hielt nicht für jeden an, aber doch für die meisten."

Dennoch sind SSRIs die einzigen Level-A-Medikamente, die sich in verschiedenen Studien als„ziemlich beständig" effektiv für die Behandlung PTSD erwiesen haben, beharrte Hoge. Er fügte hinzu, dass viele neuere Antipsychotika mit immer weniger negativen Nebenwirkungen entwickelt werden; es gibt sogar Zusatzmedikamente, die dabei helfen könnten, bestimmte PTBS-Symptome zu behandeln. Für Prazosin (Minipress), ein Blutdruck-Medikament ohne psychotrope Wirkung, wurde in randomisierten Tests nachgewiesen, dass es physiologische Überregung abschwächt, vor allem Albträume reduziert, was dann wiederum die Schlafqualität verbessert. Aber wie mit MDMA und allen anderen reifen Früchten aus dem großartigen, wunderschönen Garten - „all diesen ganzen Sachen" - bis Prazosin und andere vielversprechende Medikamente in randomisierten, doppelblinden Versuchen ausgiebiger getestet werden, „können wir nicht sagen, ob sie effektiv sind oder nicht, ob sie mehr Nebenwirkungen haben oder nicht", sagte er. „Ich glaube, das ist das Fazit."

DON'T TELL

Aber die Effekte und Versprechungen von diversen PTBS-Drogen bringen nichts, wenn viele von denen, die am meisten Hilfe bräuchten, überhaupt zögern, sich in Behandlung zu begeben. In einem Editorial, das mit einer Studie einherging und letzte Woche im Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurde, deutete Hoge nicht nur an, dass eine ganze Klasse von Antipsychotika - wie Risperdal, Seroquel, Geodon und Abilify -Placebos nichtdas Wasser reichenkönnten. Er machte auch auf das größere und tiefgreifendere Problem aufmerksam: Die Hälfte der Veteranen, die die seelischen Sirenen nicht ausschalten können und Hilfe suchen sollten, tun das nicht. Das stille Stigma von PTBS hat dazu geführt, dass sich die post-apokalyptische Krankheit zu einer Generationen übergreifenden Epidemie ausgebreitet und ihren bereits verheerenden Effekt noch verstärkt hat.

Es gibt viele Gründe für diese „don't ask, don't tell"-Haltung bezüglich PTBS und nicht alle davon sind auf das Militär beschränkt. Manche Leute haben Angst davor, von ihren Bekannten, Vorgesetzten oder potentiellen Arbeitgebern gemieden zu werden. Andere stoßen an Grenzen im Bezug auf die Behandlung - es ist vielleicht schwierig, einen Termin zu kriegen, wieder andere ziehen vielleicht ihre Arbeit der Hilfe, die sie bräuchten, vor. Manche denken einfach, dass der psychische Ansatz nicht hilft, dass er eine wertlose„letzte Instanz" ist, hat mir Hoge erzählt. Und von denen, die es schaffen, eine PTBS behandeln zu lassen, entweder mit Psychotherapie oder Medikamenten, schrieb er, „bricht ein hoher Prozentsatz ab". Normalerweise liegt der Anteil zwischen 20 und 40 Prozent, diese Zahl kann aber in der alltäglichen Praxis „deutlich höher" werden.

Währenddessen machen Michael Mithoefer und andere damit weiter, einen Guerillakrieg gegen PTBS zu führen - mit Spezialeinheiten im Hintergrund. „Die Ergebnisse haben uns bis jetzt ermutigt, aber wir müssen noch weiter forschen und es wird interessant sein, zu sehen, wie sich alles entfaltet", sagte er. Aber bei Fortschritt geht es nicht nur um Tabubrüche - und die Änderung von Regelungen - im Bezug auf Psychedelika und andere trendige Behandlungsmethoden. Die Medizin kann den Krieg gegen PTBS vielleicht gar nicht gewinnen, solange die Gesellschaft nicht viel grundlegendere Tabus bezüglich der schrecklichen unsichtbaren Traumata von Kampfeinsätzen bricht. Dann erst haben Veteranen vielleicht die Chance, die bittere Pille des Krieges gegen eine zu tauschen, die nur bitter schmeckt.