Bekiffte Lehrer, Hausbrand, Grabschändung: Wenn Jugendstreiche zu weit gehen

"Als meine Mutter heimkam und einen Schädel in ihrem Suppentopf sah, hatte sie fast einen Herzinfarkt."

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27 Oktober 2017, 4:15am

Symbolfoto: imago | kamera24

Kinder und Jugendliche kommen mit viel Blödsinn davon, für den Erwachsene ordentlich Ärger kriegen würden. Junge Menschen wissen es oft halt noch nicht besser. Das kann ganz schön weit gehen: Kinder verstehen nicht, was daran verkehrt ist, die kleine Schwester zum Sprung vom Dach zu überreden, oder mit den Klassenkameraden Wetten abzuschließen, wer die Mathelehrerin als Erstes zum Weinen bringt.

Rückblickend sind wir natürlich alle schlauer. Manche von uns können sich glücklich schätzen, dass sie bei Jugendstreichen keine bleibenden Schäden erlitten haben – aber vielleicht haben wir unseren damaligen Opfern zumindest ein kleines Trauma beschert. Ich habe mich unter meinen Freunden umgehört und ihre besten Geschichten von bescheuerten Aktionen aus der Jugend gesammelt.

Endlich, ein Brand – Victor, 37

"Ich komme aus einer Kleinstadt, in der nie was Spannendes passiert. Als ich zehn war, ging ich mit einem Freund zum verlassenen Vereinsgebäude eines Baseball-Clubs, um heimlich zu rauchen. Wir saßen da und zündelten mit einem Feuerzeug an Tapetenstücken herum. Das Papier war total trocken und verbrannte schnell. So schnell, dass das ganze Vereinshaus innerhalb von Sekunden Feuer fing. Wir rannten nach Hause. Niemand wusste, dass wir das waren. Die Flammen waren von unserem Haus aus noch zu sehen.

Statt entsetzt zu sein, fand der Ort das Feuer ziemlich spannend – endlich war mal etwas Aufregendes los. Alle sprachen darüber. Die meisten Feuerwehrleute waren Freiwillige und freuten sich sehr, dass sie einen Einsatz hatten. Trotzdem erzählten mein Freund und ich niemandem, dass wir das waren. Das ist jetzt 27 Jahre her, und nicht einmal unsere Eltern wissen davon."

Hasch für alle – Alex, 39

"Ich lebe in den Niederlanden. Während der Schulzeit legten ich und ein paar Freunde zusammen, um uns Hasch-Pralinen zu kaufen. Wir wollten sie nach der Schule essen, aber irgendwer ließ dummerweise auch welche im Lehrerzimmer liegen. Erst hielt ich das einfach für eine Verschwendung. Aber im Laufe des Tages wurde klar, welche Lehrer sich Pralinen genommen hatten und welche nicht. Unsere Französischlehrerin fing während des Unterrichts auf einmal an, ganz komisch zu gehen, und schlug immer wieder mit ihrem Zeigestock an die Tafel. Bald darauf beschwerte sie sich über die Hitze im Klassenzimmer und riss alle Fenster auf. Irgendwann musste sie sich hinsetzen und bat uns, ein paar Aufgaben zu machen, während sie sich ausruht. Ich habe gehört, der Chemielehrer einer anderen Klasse wäre fast zusammengebrochen – er hatte mehrere Pralinen auf leeren Magen gegessen.

Wir waren alle ziemlich entsetzt. Aber weil wir so viele waren, konnten wir nicht feststellen, wer eigentlich an dem Schlamassel schuld war. Niemand wurde erwischt oder bestraft."


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Nächtliche Ruhestörung – Jan, 35

"Als ich 14 war, rief ich mit einem Kumpel zusammen immer bei einer Sex-Hotline an, die einen zurückruft – wir gaben dann immer die Telefonnummer eines nichts ahnenden Freunds an. Nach einer Weile wurde das langweilig, also buchten wir eines Tages stattdessen eine Escort-Frau und gaben der Agentur den Namen und die Adresse eines Mitschülers.

Am nächsten Abend kam eine Dame zu unserem Kumpel nach Hause. Er und seine Familie schliefen schon, also ging niemand an die Tür. Sie wartete wohl eine Weile, bis dann ein Typ von der Agentur aufkreuzte. Er war total wütend, stand mitten auf der Straße und schrie: 'Sie ist jetzt hier, also wirst du sie jetzt auch ficken!' Irgendwann gingen sie dann, aber da war schon die ganze Straße wach.

Am nächsten Morgen in der Schule haben wir gar nicht verheimlicht, dass wir dahintersteckten. Hauptsächlich, weil uns nicht klar war, wie schlimm es war. Die Eltern unseres Kumpels sahen das auch nicht gerade locker. Der Vorfall hatte anscheinend das Burnout-Syndrom der Mutter verschlimmert. Mein Vater war außer sich, als er davon erfuhr."

Auf, auf und davon – Zwier, 29

"Ich war ungefähr sieben. Ein Freund und ich sahen zu, wie mein Vater im Hafen sein Segelboot reparierte, aber irgendwann wurde uns das langweilig. Wir schauten uns nach einer Beschäftigung um und entdeckten ein weiteres Boot, das mit Holzblöcken gesichert auf einer Rampe stand. Wir traten die Blöcke weg, einfach um zu sehen, was passiert. Plötzlich rutschte dieses 15-Meter-Segelboot ins Wasser. Wir bekamen Panik und liefen weg, aber da außer uns keine Siebenjährigen im Hafen abhingen, kapierten alle anderen ziemlich schnell, wer das zu verantworten hatte.

Es stellte sich raus, dass der Besitzer des Boots zu dem Zeitpunkt an Bord war, weil er die Elektrik reparieren wollte. Anfangs war er so wütend, dass er von meinem Vater verlangte, dass er uns Hafenverbot gibt. Aber dann halfen wir ihm, sein Boot aufzuräumen und zu reparieren, und er beruhigte sich. Er hat uns dann verziehen."

Alle Mann an Deck – Yannis, 24

Das Schiff aus Yannis' Geschichte | Foto: FaceMePLS | Flickr | CC BY-ND 2.0

"Vor Jahren war ich mal mit Freunden in Amsterdam etwas trinken. Einer von ihnen hatte einen Cousin aus Amerika zu Besuch. Als die Bar schloss, wollten wir noch nicht nach Hause, wir hatten dem Cousin ja eine aufregende Nacht versprochen. Als wir aus der Bar kamen, fiel unserem Gast eine Nachbildung eines Handelsschiffs aus dem 18. Jahrhundert auf, das auf der anderen Seite des Flusses vor Anker lag. Es gehörte dem Schiffahrtsmuseum, das sich am anderen Flussufer befand. 'Können wir da draufklettern?', fragte der amerikanische Cousin. Wir beschlossen, es zu versuchen.

Wir kamen beim Museum an und erkannten, dass es wohl schwieriger sein würde als vermutet: Zwischen dem Schiff und der Hafenmauer gab es einen Abstand. Wir entdeckten ein kleines Floß in unserer Nähe und beschlossen, es damit zu versuchen. Aber sobald wir alle auf dem Floß waren, kenterte es und wir fielen ins Wasser. Wir schwammen einfach weiter zum Schiff und zogen das Floß mit, in der Hoffnung, wenigstens auf dem Rückweg damit überzusetzen.

An Bord dachten wir dann, dass es doch lustig wäre, aufs Deck zu pissen, bevor wir die Masten hochklettern. Gerade als wir es uns da oben gemütlich gemacht hatten und den Ausblick genossen, hörten wir einen Mann rufen: 'Ihr kommt da jetzt sofort runter!' Wir erkannten, dass da ein Typ mit Walkie-Talkie stand. Wir fanden dann heraus, dass direkt neben dem Museum auch das Hauptquartier der niederländischen Marine ist. Die Security war also ein wenig besser, als wir dachten.

Wir sprangen aufs Floß, paddelten zu unseren Fahrrädern zurück und fuhren davon. Gerade noch rechtzeitig, denn kurze Zeit später sahen wir einen Streifenwagen, der Richtung Museum fuhr."

Der Schlüssel-Troll – Yorinde, 25

"Während meiner Schulzeit hatte ich eine Weile einen Generalschlüssel, mit dem ich alle Klassenzimmer der Schule auf- und zusperren konnte. Ich hatte den Schlüssel heimlich behalten, als ich mal einen Haufen Materialien in verschiedene Klassenzimmer bringen sollte.

Bald ging mir auf, dass ich die Macht hatte, ganze Schulklassen einzusperren – 25 Schülerinnen und Schüler plus Lehrkraft. Ich ging die Flure entlang, meist wartete ich, bis es im Klassenzimmer lauter zuging, und dann sperrte ich ab. So hörte niemand das Klicken des Schlosses. Mit jedem Mal fand ich mein Spiel aufregender.

Den meisten Spaß hatte ich damit mittwochnachmittags. Da hatte ich Mathe im zweiten Stock, direkt neben einer Geschichtsstunde. Ich hatte meinen Lehrer überzeugt, mich ab und zu auf dem Flur arbeiten zu lassen, weil ich mich angeblich sonst nicht konzentrieren konnte. Kurz vor Stundenende kam ich dann immer zurück – aber nicht ohne die Geschichtsschüler einzusperren.

Einmal hat sich anscheinend jemand eingenässt, weil er nicht auf die Toilette gehen konnte. Niemand fand je heraus, dass ich das war, denn ich war sehr vorsichtig und machte es auch nicht jede Woche – das Überraschungselement war mir sehr wichtig. Rückblickend war das eine ganz schön gefährliche Aktion. Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn es irgendwann mal gebrannt hätte."

Alles Kopfsache – Michael, 51

Foto: istolethetv | Flickr | CC BY 2.0

"Ich bin in Paris aufgewachsen, und als ich etwa sechs war, spielten ein Freund und ich immer nach der Schule auf einem Friedhof. Es war ein ziemlich fragwürdiger Friedhof, wo einfach überall menschliche Überreste rumlagen – aber ich glaube, wir hatten damals noch keinen richtigen Begriff davon, was das überhaupt bedeutet.

Eines Tages fingen wir einfach an zu graben und stießen irgendwann auf einen Menschenknochen. Wir fanden das so spannend, dass wir weitermachten, und bald hatten wir mehr Knochen und ein paar Schädel. Wir nahmen die Skelettteile mit nach Hause und weichten sie in einem der großen Suppenkessel meiner Mutter ein. Wir wollten die ganze Erde abwaschen und dafür sorgen, dass sie blitzeblank und hübsch sind. Als meine Mutter heimkam und einen Schädel in ihrem Suppentopf sah, hatte sie fast einen Herzinfarkt. Ich durfte danach nie wieder mit diesem Jungen spielen."

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