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Ausgrabungen zeigen: Menschen haben schon vor 2.500 Jahren krasses Gras geraucht

Cannabis, Musik und Menschenopfer: Auf dem Friedhof von Jirzankal ging einiges.

von Becky Ferreira
13 Juni 2019, 12:41pm

Räucherschalen und Knochen in einem Grab auf dem Jirzankal Friedhof | Foto: Xinhua Wu

Forschende haben endlich bestätigt, was wir schon lange geahnt haben. Menschen haben bereits vor mindestens 2.500 Jahren gekifft und dazu Musik gehört. OK, Menschenopfer gab es wohl auch, aber davon wollen wir uns den Vibe jetzt nicht kaputtmachen lassen.

Die Entdeckung machte ein Team unter der Leitung von Yimin Yang, einem Archäologen der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, im zentralasiatischen Pamir-Gebirge auf über 3.000 Metern. In einer Grabstelle auf dem Jirzankal-Friedhof im Nordosten Chinas fanden die Forschenden Räucherschalen mit Cannabis-Überresten. Der Fund ist einer der frühesten Beweise für die Verwendung von Hanf als Droge.

Mithilfe einer Gaschromatografie- und Massenspektrometrie-Analyse entdeckten die Forschenden in den Rauchschalen höhere Konzentrationen des psychoaktiven Bestandteils Tetrahydrocannabinol, kurz: THC, als sie in normalem Nutzhanf vorkommen.

Das legt nahe, dass Menschen in dieser Region Cannabis als Droge gesammelt, kultiviert und domestiziert haben könnten. "Es ist möglich, dass Menschen in der Pamir-Region gezielt Sorten aus dem Hochland mit einem von Natur aus höherem THC-Anteil verwendet haben. Möglicherweise erklären sie sogar das Vorhandensein von Kultstätten in den Bergen", heißt es in der Studie.


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Die Menschheit kultiviert Hanf zwar seit mindestens 6.000 Jahren, aber bislang konnte man lediglich die Verwendung für Nahrungsmittel und Textilfasern nachweisen. Die Erkenntnis passt auch zu jüngeren Entdeckungen, die nahelegen, dass uralte Pflanzenviren und gezielte Züchtungen das Gras hervorgebracht haben, das wir heute kennen und konsumieren.

"Es ist ein wunderschönes Beispiel dafür, wie eng Menschen mit der Pflanzenwelt um sich herum verbunden sind und waren – und, dass sie evolutionäre Prozesse mit verursacht haben", sagte Studien-Co-Autor Robert Spengler vom Max Planck Institut für Menschheitsgeschichte in einer Telekonferenz am Dienstag.

"Jüngere Untersuchungen haben gezeigt, dass Äpfel, Pistazien und Walnüsse zu den Kulturpflanzen gehören, die entlang dieser Handelsrouten durch Zentralasien entstanden sind", sagte Spengler. Anhand der neuen Ergebnisse könne man jetzt auch Cannabis in diese Liste einfügen.

Der Jirzankal-Friedhof war ein Knotenpunkt dieser wichtigen Handelsrouten und eine Strontium-Analyse ergab, dass viele Menschen, die dort begraben sind, nicht aus der Gegend stammten.

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Räucherschale und Knochen auf dem Jirzankal Friedhof | Foto: Xinhua Wu

Neben dem Rauchwerkzeug fand man auf dem Friedhof auch eine Winkelharfe. Musik könnte also bei den Bestattungsriten ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Einige Skelette wiesen außerdem Schädellöcher und tödliche Verletzungen auf, was nahelegt, dass dort auch Menschenopfer durchgeführt wurden.

"Es lässt sich schwer sagen, ob die Opfer mit dem Rauchen in Verbindung stehen", schreibt Yang in einer E-Mail an VICE. "Wir interpretieren das so, dass das Beerdigungsritual Feuer, Musik und Rauchen beinhaltet haben könnte."

Die Rituale können mehreren Zwecken gedient haben, heißt es in der Studie. Möglicherweise wollten die Menschen andere Bewusstseinszustände erreichen, um mit den Göttern oder den Toten zu kommunizieren.

Anstatt von Pfeifen benutzte man Räucherschalen. So konnten mehrere Menschen gleichzeitig den Rauch inhalieren. Das passt zu den Beschreibungen des antiken griechischen Historikers Herodot. Er beschrieb, wie Menschen in der kaspischen Steppe in kleinen Zelten zusammenkamen und Pflanzen über Steinen verbrannten – ein antiker Vorläufer der Hotbox, wenn du so willst.

Dank Yang und seinem Team wissen wir, dass Menschen seit mindestens 2.500 Jahren kiffen und dazu Musik hören. Dabei sind die Ausgrabungen am Jirzankal-Friedhof noch lange nicht beendet. Wer weiß, was die Forschenden dort noch finden?

"Nicht alle Grabstätten sind ausgegraben", schreibt Yang. "Jetzt steht der Jirzankal-Friedhof als wichtige kulturelle Fundstelle unter Schutz."

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