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Frauen weltweit bereiten sich auf den nächsten großen Protest vor

Nach dem enormen Erfolg der Women's Marches im Januar, planen feministische Gruppen aus der ganzen Welt einen globalen Protest nach dem Vorbild des historischen Frauenstreiks in Island. Stattfinden soll das Ganze am diesjährigen Weltfrauentag.
15 Februar 2017, 7:10am
Photo from the Women's March by Olivia Paschkes

Mehrere Millionen Menschen weltweit gingen im Januar auf die Straße, um gegen Donald Trump und seine frauenfeindliche Politik zu demonstrieren – auch in Deutschland. Obwohl die Frauenrechte hierzulande nicht unmittelbar durch ein Trump'sche Regierung bedroht werden, gibt es genug Gründe, um sich den Solidaritätskundgebungen anzuschließen: von der Bedrohung reproduktiver Rechte durch den Aufstieg rechter Parteien in Europa über den anhaltenden Sexismus in unserer Gesellschaft bis hin zur Gleichstellung von LGBTQ.

Am 8. März, dem internationalen Weltfrauentag, haben Frauen aus der ganzen Welt nun eine weitere Gelegenheit, um in noch größerer Zahl gegen die patriarchale Tyrannei zu demonstrieren. In mehr als 30 Ländern, darunter auch Argentinien, Tschechien, Russland und der Türkei, haben Frauen bereits angekündigt, erneut auf die Straße zu gehen.

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Der Aufruf, sich dem sogenannten International Women's Strike anzuschließen, kam am 6. Februar von einer Gruppe von feministischen Aktivisten und Akademikern in den USA, darunter auch Rasmea Odeh, die stellvertretende Direktorin des Arab American Action Network, Keeanga-Yamahtta Taylor, Autorin von From #BlackLivesMatter to Black Liberation und Angela Davis, der Gründerin der gemeinnützigen Organisation Critical Resistance, welche sich in den USA für eine Reform des Strafvollzugs einsetzt.

"Die Idee ist", schrieben sie in einem Op-Ed im Guardian, "so viele Menschen wie möglich zu mobilisieren: Frauen, Transfrauen und alle, die sie in ihrem internationalen Kampf unterstützen wollen. Es wird ein Tag des Streiks und der Proteste, an dem wir Straßen, Brücken und Plätze einnehmen werden. Wir werden die Arbeit niederlegen und die Haus-, Betreuungs- und Sexarbeit boykottieren; wir werden frauenfeindliche Politiker und Unternehmen ausrufen und Bildungseinrichtungen bestreiken."

Ihr Ziel ist es nicht nur, auf die weltweiten Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, denen Frauen tagtäglich begegnen – von Gewalt gegen Frauen bis hin zu Angriffen auf ihre reproduktiven Rechte –, Odeh und ihre Mitautorinnen sagen auch, dass sie die Hoffnung haben, "auf die Bedürfnisse und Hoffnungen derjenigen aufmerksam machen zu können, die oftmals vom sogenannten 'Lean-in-Feminismus' vernachlässigt werden: Frauen im öffentlichen Dienst, Frauen in sozialen und erzieherischen Berufen sowie arbeitslose Frauen und Frauen in unsicheren Arbeitsverhältnissen."

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In einem Artikel im Feminist Wire thematisierte die Aktivistin bell hooks den Begriff des "Lean-in-Feminismus", der ursprünglich von Sheryl Sandberg, der Geschäftsführerin von Facebook, eingeführt wurde. In ihrem Buch Lean In: Frauen und der Wille zum Erfolg argumentiert Sandberg, dass dem Erfolg von Frauen oftmals nur Kleinigkeiten im Weg stehen und es nicht nur äußere, sondern auch innere Barrieren sind, die Frauen den Aufstieg verwehren. Damit konzentriert sich Sandberg allerdings in erster Linie auf die feministische Bewegung sozial und ökonomisch privilegierter weißer Frauen, zu denen sie auch selbst gehört, sagt hooks. "Angesichts all der Kräfte, die Frauen spalten und uns gegeneinander kämpfen lassen, ist Solidarität keine Selbstverständlichkeit", schreibt sie. "Der Umstand, dass ethnische Klassenunterschiede nur eine kurze Erwähnung bei Sandberg finden, lässt daran zweifeln, dass sie ein Programm hat, das zu allen und im Namen aller Frauen spricht. Ihre mangelnde Bereitschaft, ein Weltbild in Betracht zu ziehen, das alle Frauen und nicht nur weiße Frauen aus privilegierteren Gesellschaftsschichten miteinschließt, ist einer der Gründer, weshalb sie sich selbst nicht als die Stimme des Feminismus darstellen sollte."

Aus diesem Grund sagen die Organisatoren des internationalen Frauenstreiks, dass sie das Ziel haben, mit ihrer Bewegung "einen Feminismus für 99 Prozent" zu repräsentieren. Als Vorbild dient ihnen dabei die feministische Bewegung Ni Una Menos aus Argentinien.

Im Oktober 2016 hat Ni Una Menos in Argentinien einen nationalen Protest gegen geschlechtsspezifische Gewalt und Diskriminierung organisiert. Obwohl nicht ganz klar ist, wie viele Frauen an diesem Tag auf die Straße gegangen sind, sagen die Organisatoren, dass der Streik ein voller Erfolg war, weil sie so viele Leute mobilisieren konnten. Ihr Ziel war es, wie Ingrid Beck, ein Mitglied der Vereinigung, sagt, auf die Zahl der Morde an Frauen in Argentinien aufmerksam zu machen und "der Machokultur sowie der Gewalt gegen Frauen ein Ende zu setzen."

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"Der Streik war sehr symbolisch", sagt sie gegenüber Broadly, "aber es war ganz klar ein großer Schritt nach vorne."

Beck sagt, ein Streik sei dann erfolgreich, wenn möglichst viele Menschen auf die Straße gehen, um ein bestimmtes Problem anzugehen – selbst wenn es nur darum geht, auf ein Problem aufmerksam zu machen. Aus diesem Grund, sagt sie, setzen sie auch große Hoffnungen auf den International Women's Strike im März. Sie glaubt, dass der Streik eine starke Botschaft übermitteln wird: "dass die Frauenbewegung weltweit sehr stark ist, dass wir Veränderungen herbeiführen können, dass Ungerechtigkeiten zwischen Männern und Frauen ein globales Problem sind, dass wir gemeinsam viele sind und dass uns [die Gegenseite] anhören muss."