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In diesen VONG-Sprüchen steckt die ganze Wahrheit übers Ausgehen

"I glaub meim Eltern habm 1 kleines Alkoholproblem.lol -mich."

von Fredi Ferkova
26 Mai 2017, 12:55pm

Foto: sare bear | Flickr | CC BY2.0

Dieser Artikel ist ursprünglich bei Noisey Austria erschienen.

Erinnert ihr euch an den wahren Begründer der Bims-Sprache? Money Boy himself. Über die Genialität seiner Posts habe ich hier geschrieben. Dann kam das nächste Social-Media-Ding: Nachdenkliche Sprüche mit Bilder. Featuring allseits beliebtes Bärchen. Die wurden irgendwie von der Facebook-Seite VONG abgelöst, die sage und schreibe durchschnittlich sieben Posts am Tag raushaut. Gut, manche sind Reposts und nicht alle sind lustig – aber wenn VONG mal lustig ist, dann sind die Macher gleichzeitig auch ziemlich genial. Es ist ja bekannt, dass mein Leitspruch im Leben "STOP MAKING STUPID PEOPLE FAMOUS" ist und ich gleichzeitig auch stark an den Zusammenhang von primitivem Humor und IQ glaube.


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Allerdings muss die Sprache schon seit einem Jahr starkem Gegenwind trotzen. Banken, Polizei und andere Institutionen, die eigentlich nicht jugendlich genug für eine Jugendsprache sind, haben den Speak für sich beansprucht. Man muss aber festhalten: Die meisten Jugendlichen finden die Sprache auch uncool. Sie ist im Mainstream und so ist auch nur noch der Mainstream übergeblieben: Berufsjugendliche und Menschen, die gerne noch 17 wären. Ich zähle mich zu beiden Gruppen.

Bims-Sprache zu haten, weil sie überreizt ist, finde ich OK. Bims-Sprache zu haten, weil es kein Hochdeutsch ist, hat ziemlichen Pensionisten- oder Deutsch-Professor-Swag. Ich würde auch allen Leuten, die den Humor nicht lustig finden, weil da grammatikalische Fehler sind, raten, Deutschprofessor zu werden. Du bimst (sic) nicht Aristoteles und nur weil du etwas nicht verstehst oder es gegen die einengenden Grammatik-Grenzen deines Hirnes stößt, sind nicht automatisch alle dumm, die es lustig finden. Aristoteles war der Dude, der sich über die dumme Jugend aufgeregt hat. Deshalb ist er auch als ein elitärer Spießer und nur ein bisschen als Genie in die Geschichte eingegangen. Gratuliere Stoli. I han m1 Mic gedroppt (sic).

Die VONG-Seite hat einige Schmankerl, die sehr wahr sind und die ich auch in Hochdeutsch übersetzt habe, damit diese Weisheiten auch dem letzten Grammar-Fan nicht entgehen.

1. Der Hinweis auf die Unmöglichkeit, die medizinisch-empfohlene nichtalkoholische Flüssigkeitsmenge zu sich zu nehmen, im Kontrast zum eigenen Trinkverhalten am Wochenende

Wir haben schon alle von verschiedensten Seiten gehört, wie wichtig die tägliche Wasserzufuhr ist. Aber drei Liter sind verdammt viel. Kein Mensch hat einen drei Liter-Durst. Einen Liter lasse ich mir einreden, aber drei? Kann überhaupt etwas gesund sein, dass sich nach der zweiten Flasche wie ein aufgezwungener Kreuzzug anfühlt? Laut den Ärzten schon. Und laut den Ärzten ist es auch supereasy, drei Liter Wasser am Tag zu saufen.

Das hält der Durchschnittsmensch aber eher für einen nicht praktikablen Tipp – und das trotz ordentlicher Flüssigkeitszufuhr in zirka vier Stunden am Freitag Abend. Wenn ein großes Bier 0.5 Liter hat und man vier davon sauft – dann hat man irgendwie schon zwei Liter Flüssigkeit intus. Das geht tatsächlich irgendwie leichter runter. Diese Diskrepanz ist den VONG-Machern aufgefallen und sie haben einen Denkanstoß gewagt. Danke.

2. Das vermeintliche Zieren von vermeintlich nicht suchtaffinen Freunden

Natürlich kennen wir alle solche Freunde. Wir sind nämlich diese Freunde. Wenn du nicht dieser Freund bist, dann besteht die große Chance, dass du VONG nicht lustig findest, gerne aus deinem Fenster schaust um Falschparker anzuzeigen und an irgendeinem Punkt deines Lebens einen Blog geführt hast oder starker Wordpress-Seite-Blog Leser warst. Außerdem isst du gerne Avocados und reflektierst deine politische Meinung nicht. Geh das nächste Mal einfach saufen.

3. Das unausweichliche Bewusstsein, der Stolz des Elternhauses zu sein

Ich werfe hier eine Frage in den Raum: Hat man überhaupt gelebt, wenn man in der Jugend keine Alkoholismus-Vorwürfe der Eltern gehört hat? An alle Eltern: Nein, eine 16-Jährige kann nicht Alkoholikerin sein, die Frage macht erst ab 25 Sinn. Hat man gelebt, wenn man nicht um drei Uhr nachts bumm zu von den eigenen Erzeugern beim Reinschleichen erwischt worden ist?

Hat man den Hauch einer Ahnung, was das pure Leben ist, wenn man nicht den Erziehungsberechtigten zumindest einmal vor die Füße gekotzt hat? Auf die letzte Frage ist die Antwort: Ja, man hat eine Ahnung. Eltern vor die Füße kotzen ist nicht kategorisch notwendig, um zu einem Lebensguru aufzusteigen. Aber man braucht schon echt viel länger, um den Lebensguru-Status zu erreichen. Kinder, die keine Problemjugendlichen waren sind mir suspekt und werden später einen langweiligen Job haben. Dieser Spruch spielt auf "Schäme dich nicht für das, was du tust. Das ist die Aufgabe deiner Eltern" an und ist deshalb ziemlich genial.

4. Die Tatsache, dass beim Ausgehen nicht Romantik auf dich wartet

Ist es noch lustig, wenn es so schmerzvoll wahr ist? Wie oft hat dir ein anderer Mensch beim Heimweg die Hände gewärmt? Hat dein One-Night-Stand das für dich gemacht? Hat er oder sie dir zumindest einen Döner geholt? Nein? Ich weiß. Aber das macht nichts, stay strong und kaufe dir einfach selbst händewärmendes Essen.

5. Die Unmöglichkeit unserer Generation, sich festzulegen

Eine Anekdote aus letzter Woche: Mein Gspusi und ich wollten so zirka, eventuell, schau mer mal, auf jeden Fall spontan am Wochenende etwas machen. Am Donnerstag wussten beide noch nicht, am welchen Tag oder um welche Uhrzeit. Am Freitag auch nicht. Obacht: Technisch gesehen, ist der Freitag ein Teil vom Wochenende. Am Freitag um 22:00 Uhr hat sich langsam eine Zeit herauskristallisiert (nämlich zwei Stunden später, um 24:00 Uhr). Und wir verbringen die Zeit nicht mit freundschaftlichem philosophieren. Bei den Treffen geht es um angenehme, körperliche Dinge. Wenn das nicht für die lose, spontane und verlorene Tinder-Generation steht, dann weiß ich nicht. Wir sind fucked, hoffen wir auf das Beste für unsere Kinder. Und deren Kinder.

Zweite Anekdote: In meinem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis gibt es eine Freundin, die sich traut, zu sagen "He, gib mir eine klare Antwort, ob du nächsten Freitag mit mir was machst oder ob nicht." Sie wird auch richtig sauer, wenn man ihr spontan absagt. Die Folge: Niemand traut sich mehr zuzusagen und alle machen sich so zirka-eventuell, auf jeden Fall spontan-Treffen und Saufereien ohne sie aus. Dieses VONG-Bild ist also genialste Gesellschaftskritik. Wir machen uns selbst das Leben schwer, indem wir es uns die ganze Zeit leichter machen.

6. Die Tatsache, dass sämtliche Einkünfte in Alkohol fließen und das eigentlich ziemlich christlichen Background hat


"Ich brauche mehr Gott in meinem Leben" ist neben "Wo ist mein Handy?" sicher unter der Top 3, der von mir am meisten verwendeten Sprüche. Dabei ist eh viel Göttliches oder Christliches in meinem Leben, außer Zahlungsmahnungen der katholischen Kirche (Wirklich? Ihr traut euch, das in so einer säkularisierten Gesellschaft? Das sind quasi Erinnerungen zum Austreten, nicht zum Zahlen, ihr Marketing-Profis) und mein Firmungsschein, der mir bis dato noch nichts im Leben gebracht hat.

Gott sei Dank habe ich da ein gutes halbes Jahr investiert. Danke, Eltern! Jedenfalls dachte ich, dass ich ein ziemlich verlorener Mensch bin und der Durchschnittschrist in meiner Nähe in Flammen aufgeht. Aber offenbar tut er das nicht, weil ich regelmäßig mehrere Euros in Wein verwandle. Wöchentlich. Kein Front gegen tatsächlich gläubige Menschen, wirklich nicht. Ich glaub auch an Horoskope – das Leben mit Glaube ist schließlich doch besser. Institutionen sollte man trotzdem hinterfragen.

7. Gesunde Ernährung ist wichtig und in vielen Formen und Facetten zu finden

Bier, bisschen Milch, bisschen Käsleberkäs und du bist am Start, Bruder. Und Schwester. Vielleicht wird das auch bald ein hipstriger Superfood-Hype. Ich würde mich freuen.

8. Hehe. Das macht keinen Sinn, aber es ist trotzdem zu lustig.

Fredi hat Twitter: @schla_wienerin

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