"Sieg heil!": Ein bayerischer Ausbilder brüllt mit Schülern Nazi-Parolen und wird heimlich gefilmt

Hitlergrüße und ein Lied der NSDAP waren nur ein Teil seines rechten Repertoires.
7.2.18
Symbolfoto: imago | fossiphoto

Das Altmühltal ist ein idyllischer Ort, um auf der Suche nach gutem Bier, blauem Himmel und noch mehr Bier über Wanderwege zu pilgern. Manchen Leuten bietet es aber offenbar die perfekte Kulisse, um Nazi-Parolen zu brüllen, bis die Adern in den Augen platzen. In einen solchen braunen Schreikrampf soll ein Ausbilder an der Kaminkehrerschule in Dietfurt an der Altmühl verfallen sein. In einem Billardraum der Schule soll der Mann unter anderem das Horst-Wessel-Lied der NSDAP angestimmt und Schüler zum Mitgrölen animiert haben.


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Jemand hat die Vorfälle heimlich mitgefilmt und die Aufnahmen dem Bayrischen Rundfunk zugespielt. Darauf sei zu sehen, wie teils minderjährige Schüler zusammensitzen, rauchen und Bier trinken, schreibt der BR. In einem Ausschnitt kann man hören, wie der Ausbilder einen Schüler als "Kamerad" anspricht und fragt, wo er herkomme. "Oberpfalz!", antwortet dieser. Danach wird es richtig absurd. "Was sagt uns das?", fragt der Ausbilder und brüllt in den Raum: "Ein Volk, ein Reich, ein Führer!", im Chor mit seinen Schülern. Man hört Gelächter und daraufhin: "Sieg heil! Sieg heil Sieg heil!"

Doch dabei hat es der Ausbilder offenbar nicht belassen. Andere Videoausschnitte zeigen ihn laut BR dabei, wie er antisemitische und homophobe Witze reißt und einen seiner Schüler so lange drangsaliert, bis der den Raum verlässt. Sogar eine Hitler-Imitation mit rollendem R soll der Schornsteinfeger-Meister nicht ausgelassen haben – garniert mit "Sieg Heil"- und "Ausländer raus"-Rufen.

Der Schulleiter Peter Wilhelm reagierte schockiert auf die Videos. Noch nie zuvor habe es Vorfälle dieser Art gegeben, sagte er dem Bayrischen Rundfunk. "Wir haben natürlich sofort reagiert. Wir haben sofort den betroffenen Hauptakteur von sämtlichen Unterrichtseinheiten entbunden."

Der Mann wird also bald keine Nachwuchs-Kaminkehrer mehr unterrichten – weder in der Kunst des Schornsteinfegens noch in braunen Gröltexten. Doch dabei dürfte es kaum bleiben. Die Polizei ermittelt wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gegen ihn. Darauf stehen bis zu drei Jahre Haft. Beweismaterial für seine irre Predigt sollte es genug geben. Immerhin haben ihn seine Schüler bei der Aktion gefilmt.

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