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Unendlicher Zoom: Das ist der Trick, der dieses virale Gif so frustrierend macht

Zehntausende Nutzer rätseln über das animierte Gif einer Küste. Doch Frame für Frame gibt die Aufnahme ihr Geheimnis preis.

von Sebastian Meineck
20 Februar 2018, 2:53pm

Bild: Screenshot | Twitter @KRUZAA_

Die Küste kommt näher und näher und näher. Gleich müsste man den Strand erkennen, die brandenden Wellen, Badegäste im Sand – so scheint es zumindest. Aber der unendliche Zoom ist eine Täuschung.

Der Betrachter steckt in einer Endlosschleife fest. Immer wieder wird die Erwartung enttäuscht, endlich den Strand aus der Nähe zu sehen. Denn die Animation springt nach nur zwei Sekunden an ihren Anfangspunkt zurück, ohne, dass wir es bemerken.

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Innerhalb von zwei Tagen haben mehr als 82.000 Leute das Gif auf Twitter geteilt, 129.000 haben es geliked. Auf Imgur wurde der Clip schon knapp vier Millionen Mal angesehen. Der Urheber ist unbekannt, doch der Trick des Infinite Zoom hält Nutzer offenbar schon seit mehr als einem Jahrzehnt gefesselt. Eine ältere, weniger hochaufgelöste Version des Küsten-Gifs stammt schon aus dem Jahr 2007.

Getwittert hat das Bild ein britischer Twitch-Streamer am 18. Februar mit der Bemerkung: "Das ist das frustrierendste Gif, das ich in meinem ganzen Leben gesehen habe." Viele Nutzer pflichten ihm bei. Einer twittert: "Ich war die ganze Nacht lang wach und habe versucht herauszufinden, wo es anfängt und aufhört."

Das Bild im Bild im Bild

Um euch derartige schlaflose Nächte zu ersparen, lohnt es sich, den scheinbar unendlichen Zoom genau unter die Lupe zu nehmen und den Trick zu entzaubern. Die Animation ist streng genommen kein Gif, sondern ein Video im mp4-Format. Wenn man Gifs auf Twitter postet, werden sie automatisch in das Videoformat konvertiert. Und dieses Video in Endlosschleife ist eigentlich nur schlappe zwei Sekunden lang.

Das Geheimnis des Clips: Dargestellt ist nicht die reale Aufnahme einer Küste aus der Vogelperspektive, sondern ein Bild im Bild. Das heißt, viele Bereiche im Bild gibt es mehrfach. Zum Beispiel die große, von Gischt umspülte Bucht rechts oben. Die findet sich noch einmal in einer deutlich kleineren Version weiter unten. Und dann noch einmal in einer geradezu winzigen Version. Um das zu verdeutlichen, haben wir die drei Buchten im Bild rot eingekreist. Auch das weiße Haus rechts in der Mitte taucht in verschiedenen Größen auf (gelb markiert).

Groß, klein und winzig: Hier steht ihr identische Bereiche der Aufnahme farblich markiert | Bild: Screenshot, Twitter @KRUZAA_

Dass hier getrickst wurde, erkennt man auch daran, dass nicht alle Bereiche im Bild dieselbe Auflösung haben. Die rot eingekreiste Bucht oben sieht zum Beispiel verwaschen aus und wurde offenbar vergrößert. Das Bild ist also wie ein Fraktal aufgebaut, das heißt, es besteht aus mehreren verkleinerten Kopien seiner selbst.

So funktioniert der Zoom-Effekt

Die Illusion vom unendlichen Zoom entsteht nun auf folgende Weise: Innerhalb von zwei Sekunden wird das manipulierte Bild Schritt für Schritt vergrößert. Das gelb umkreiste, winzige Haus zum Beispiel – im Screenshot nur als weißer Punkt zu erkennen – ist bald so groß, wie das kleine Haus zu Beginn gewesen ist. Es befindet such auch an der exakt gleichen Stelle im Bild. Das ehemals kleine, weiße Haus nimmt wiederum den Platz vom großen, weißen Haus ein.

Beim Zoomen wachsen die kleinen Bereiche im Bild zu den jeweils größeren an | Bild: Screenshot, Twitter @KRUZAA_

Und genau in diesem Moment fällt es nicht mehr auf, wenn die Animation an ihren Anfang zurückspringt. In der älteren Version des Gifs gelingt all das innerhalb von gerade mal 12 Einzelbildern. Das zeigt ein Blick in den Ebenenmanager von Adobe Photoshop.

Zwölf Ebenen, unendliche Illusion | Bild: Screenshot, Photoshop

Hinter dem Küsten-Gif steckt der Droste-Effekt aus dem Jahr 1904

Der unheimliche Effekt vom Bild im Bild wurde durch eine niederländische Kakaomarke namens Droste berühmt. Auf einer Droste-Kakaodose aus dem Jahr 1904 ist eine eine Frau abgebildet, die ein Tablett mit einer Tasse und einer Kakaodose balanciert. Wer aber die abgebildete Kakaodose näher betrachtet, muss feststellen: Auch hierauf ist die Frau mit dem Tablett zu sehen – und auch auf diesem Tablett steht eine Kakaodose. Zum Verrücktwerden.

Jan Misset | Wikimedia | CC0


Im Fall der animierten Küste ist das Bild im Bild noch etwas komplizierter. Die Grenzen zwischen den sich gleichenden Bereichen lassen sich nämlich nicht erkennen. Effekte wie diese lassen sich zum Beispiel mit dem Photoshop-Plugin "Pixel Bender" erzielen. Das Plugin vervielfacht die Bereiche im Bild und vermischt sie in einer Art Wirbel.

Wer Photoshop-Freak genug ist und das selbst ausprobieren möchte, sollte sich einmal dieses Tutorial durchlesen. Aber passt auf, dass ihr nicht im Strudel des unendlichen Zooms verloren geht.

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