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"Das verleitet Kinder nur dazu, Schlampen zu werden" – Ein junger Wiener Neustädter disst das Bollwerk

Auf der Seite "Bollwerk Free – Es ist schön, kein Bollwerkler zu sein", wird das Bollwerk mit schwarzem Humor hart rangenommen.
12.9.17
Header: Screenshot via Facebook

Wer in Wien, Klagenfurt, Graz oder Niklasdorf (?!?!) lebt, hat jedes Wochenende die unglaublich tolle Option, seine Freizeit im Bollwerk zu verbringen – seines Zeichens die bekannteste Großraumdisko-Kette Österreichs. Und wenn du dann zu den glücklichen Menschen zählst, die dieses Etablissement in ihrer Nähe haben, mal wenig Geld hattest oder einen Freundeskreis hast, der dich dazu zwingt, aus "Spaß" "lustige" Dinge auszuprobieren, hattest du schon mal deinen kleinen pink lackierten Zehennagel in diesem Epizentrum des fragwürdigen Geschmacks.

In den letzen Tagen ist man immer öfter auf eine Facebook-Seite gestoßen, die das Bollwerk und all seine Gäste basht. An und für sich ist es ja eine gute Sache, wenn man gewisse Probleme der Gesellschaft – oder auch nur von Clubs – mithilfe von Humor an die breite Masse streut. Gewisse Probleme des Bollwerks wären beispielsweise die fragwürdigen Events, bei denen man für wenig Gewand am Körper mit Gratisgetränken "belohnt" wird. Ein Konzept, für das sich der Club tatsächlich gewaltig schämen sollte. Ein anderes Problem des Clubs soll sein, dass man dort Minderjährigen Eintritt gewährt.

So sieht das auch der Gründer der Facebook-Seite Bollwerk Free - Es ist schön, kein Bollwerkler zu sein. Der macht sich mit seinem "eigenem schwarzen Humor" über die vermeintlich minderjährigen Bollwerk-Besucher lustig und greift in seinen Memes daher beispielsweise oft auf das Thema Pädophilie auf.

Die Memes sind unglaublich geschmacklos und statt den Mundwinkeln hebt sich bei uns nur die Magengrube. Während Männer als (zum Teil unwissende) Pädophile und junge Buben, die gleich ihr Wodka-Boot bekommen, präsentiert werden, rückt er die weiblichen Gäste ins "Schlampen"-Klischee. Den sogenannten "Ich bin nicht so eine"-Frauen (die er als durchschnittliche Bollwerklerin sieht) , schenkt er dann so Statusmeldungen wie: "Heut schon wieder so viele 'Ich bin nicht so eine'-Weiber unterwegs -.- am liebsten würd ich jeder ins Maul pissen." Sowas bekommt dann 45 Likes.

Auch die Personen, die der Seite folgen, geben dem Gründer der Seite Inputs für seine Memes. Weshalb beispielsweise auch das geschmacklose Meme zustande kam, in dem ein Flugzeug ins Bollwerk fliegt.

Den "schwarzen" Humor hatte der 22-jährige Betreiber der Seite auf Anfrage von Noisey schon immer. In seinem Freundeskreis sei er bekannt dafür, die "besten und tiefsten" Meldungen zu bringen, über die "jeder normale Mensch nicht lacht". Seinen Freunden verdanken wir auch die Seite, weil sie ihn – wie er sagt – motivieren. Dass er noch relativ neu in dem Business ist, merkt man dann an so Aussagen wie "Da meine Fans genau diese Art von Gruppe ist, die auf so einen Humor steht, habe ich auch ziemlich Erfolg damit." Ja, eh.

Ein Ziel verfolgt er mit der Seite nicht. "Höchstens die Leute unterhalten. Fame-Bitch will ich ja jetzt auch keine werden." Letzteres sehe man ja auch daran, dass er seinen Namen nicht angeben möchte. Beim Zweck, der auf den ersten Blick für uns verborgen bleibt, weil wir uns fragen, ob man Feuer mit Feuer bekämpfen kann, wird er dann deutlicher: "Die Seite soll halt auch zum Nachdenken anregen – welche niveaulosen Events das Bollwerk macht und ich – beziehungsweise viele – nicht zuschauen wollen, wie die Jugend dadurch verblödet." Wenn die Großraumdisko schon so billige Events mache, dann sollen seiner Meinung nach wenigstens die Ausweise ordentlich kontrolliert werden. "Denn Events wie 'Wenn der Kissgong ertönt, such dir irgendeinen hübschen Partner, geh zur Bar und kassier für 'nen kurzen Kuss einen Shotdrink und für einen Zungenkuss einen Longdrink' verleitet die Kinder nur dazu, Schlampen zu werden."

Der Wiener Neustädter sei selbst nur ein Mal im Bollwerk gewesen und das sei ihm nach einer Stunde auch schon wieder zu viel gewesen. Wenn er sich die Fotos vom Club ansieht, denkt er sich aber "Oh shit, was machen die mit den Kids? Warum wird da gerade ein kleines Mädchen von nem Stripper angetanzt?"

Wenn man sich – wie wir – mit seinem Humor schwer tut, dann will man mit dem Burschen ein langes und ausführliches Gespräch über substanzielle Satire führen. Vor allem, wenn man Sätze liest, in denen man "Mädchen in den Mund pissen möchte". Er habe aber nichts gegen Mädchen. "Im Gegenteil. Nur, dass das meiste Publikum junge Mädchen sind und eigentlich durch ihr billiges Outfit die ganzen anderen Burschen anlocken, weil sie nur Aufmerksamkeit brauchen. Das ist das ein großes Problem bei wie Events wie 'Kurze Hotpants' oder 'Wer im Bikini kommt, bekommt gratis Eintritt'. Das verhöhnt die Mädchen dazu, sich wie Schlampen zu verhalten und das ist natürlich gerade in der Pubertät schlimm."

Die Sache mit Problemen ist ja auch meistens, dass man dafür nicht nur einen von mehreren Faktoren dafür verantwortlich machen kann. Dass Jugendliche schon lange nicht mehr wie Kinder aussehen, ist kein Geheimnis. Oder, dass man damals wie heute Ausweise fälscht, um sich irgendwo rein zu schummeln. Möge der Erste seinen gefälschten Ausweis werfen, bitte. Das Problem hierbei kann man nämlich genauso gut bei den Eltern abrufen, die ihre Kinder in solche Lokale gehen lassen – oder erst gar nicht wissen, was ihre Lieben am Wochenende heimlich machen.

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