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Nicht alle Songs der WM 2018 sind grauenhaft, aber die meisten

Vom offiziellen FIFA-Song mit Will Smith (warum auch immer) bis zum wiederbelebten "Dschingis Khan"-Hit: Wir haben die bisher veröffentlichten WM-Songs angehört und bewertet.

von Nina Damsch
28 Mai 2018, 3:10pm

Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video "Бурановские бабушки - Football 2018" von Welcome2018·com - портал болельщиков ЧМ-2018

In etwa zwei Wochen beginnt die Fußball Weltmeisterschaft 2018. Yeah, Deutschland so geil, endlich wieder so richtig abdeutschen mit Stolz! Spaß, alle berechtigte Nationalismus-Kritik, Vuvuzelas und Fanmeilen mal beiseite: WM ist eigentlich toll, denn da ist immer gutes Wetter, Party nonstop und es gibt Limited-Edition-Chips in extravaganten Geschmackssorten. Und wie bei jeder Großveranstaltung dieser Art darf der passende Soundtrack nicht fehlen.

Unter "passender Soundtrack" scheinen die Musiklabels, Popmusiker und Produzenten dieser Welt nur leider zu verstehen: leicht mitgrölbare Songs mit "Woooahh Woooahh"-Hooks auf Beats, die exakt dem derzeitigen Zeitgeist entsprechen. Gesungen wird das Ganze am besten von irgendeinem random Weltstar, am liebsten Shakira (die tatsächlich für die letzten drei WMs Songs beigesteuert hat). Manchmal wird das Ganze noch pseudomäßig von einem lokalen Musiker des Gastgeberlandes begleitet, der dann im Outro drei Sätze in seiner ulkigen Muttersprache singen darf. Entsprechend desaströs sind dann auch meistens die Resultate.

Auch in diesem Jahr hat die Popmusik wieder volle Arbeit geleistet. Für die offizielle FIFA-Hymne wurde Will Smith als flippiger, hipper Entertainer, der in diesem Jahr die musikalische Untermalung für bierkotzende Jugendliche beisteuern darf, auserwählt – wer sonst!? Der hatte schließlich vor über 25 Jahren mal eine beliebte Jugendserie und dann sehr viele Blockbuster, stand aber nie, erst Recht nicht im Jahr 2018, für Musik, geschweige denn für Rap. Perfekt! Noch einen Latino-Act dazu geholt, denn auf diesen Sound stehen ja gerade alle. Und für die Quote noch 'ne Frau, am besten aus Russland. Naja, Kosovo tut's auch. Fertig!

Damit wäre eigentlich schon der offizielle FIFA-WM-Song zusammengefasst. Es sei noch angemerkt, dass Era Istrefi tatsächlich ihre drei Sätze Rihanna-esque auf Patois singt. Keiner weiß warum – überhaupt wäre das der viel treffendere Titel für diesen Song.

Es gibt aber noch weitere WM-Hits, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Und man höre und staune: Die sind nicht alle so furchtbar wie der FIFA-Beitrag! Aber viele.

Jason Derulo – "Colors"

Man kann es ihm nicht vorwerfen: Für jemanden, der so wenig Talent hat und vom ständigen Herunterbeten des eigenen Namens über die Jahre hinweg innerlich ausgehöhlt wurde wie ein Kürbis an Halloween, ist Jason Derulos Beitrag zu WM 2018 schon OK. Also natürlich schlecht, aber es ist nun mal eine Feel-Good-Pop-Hymne von Jason Derulo – was erwartet ihr? Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wäre irgendetwas an seinem Track nicht vollkommen berechenbar und klischeehaft, wären wir vermutlich enttäuscht.

Adel Tawil – "Flutlicht"

Selbiges gilt für Adel Tawil, mit dem Unterschied, dass dieser Song tatsächlich ausschließlich und komplett grauenvoll ist, weil er sich so schrecklich ernst nimmt. Hier werden ebenfalls Farben und Fahnen besungen, nur statt des gut gelaunten "Mir geht Fußball komplett am Arsch vorbei, ich bin hier nur wegen des Geldes, yolo Jason Deruuuulo"-Jason Derulos singt hier Adel "Ich mag zwar Fußball, aber Geld und schwermütigen Pathos noch mehr"-Tawil fast vier Minuten ein Loblied auf den "Moment", diese "eine Zeit im Leben", die man auf keinen Fall verschwenden darf, auf Helden und "Einigkeit". Dann doch lieber vier Minuten lang Vuvuzela direkt in den Gehörgang schrauben und gib ihm.

Jérôme Boateng feat. Jack Whitehall – "Mannschaft"

Jérôme Boateng auf Englisch rappend, inklusive unlustigem britischen Comedian ist immer noch besser als Adel Tawil und das ist alles, was wir dazu sagen werden.

Бурановские бабушки – "Football 2018"

Unser persönlicher Favorit: Buranowskije Babuschki, übersetzt "Die Großmütter aus Buranowo". 2012 verpasste die Gesangsgruppe aus dem westlichen Uralgebiet mit ihrem vielsagenden Hit "Party for everybody" leider knapp den Sieg beim Eurovision Song Contest. Inzwischen ist Zeit vergangen, die Omas haben Hunger und sind nun bereit, sich 2018 endlich zu holen, was ihnen gehört: Fame, Kohle und einen Hit für Russland!

Wir verstehen zwar nichts vom Text, aber selbst wenn die Omas über Fahnen und Farben singen sollten, verzeihen wir ihnen das. Ehrlicher Trash trifft jede Menge Seele und Melodie – ein würdiger russischer Kandidat!

Dschinghis Khan – "We love Football"

Es ist nur konsequent, dass eine Band, deren großer Hit "Moskau" hieß, sich anlässlich der Fußball-WM in Russland an einem Fußball-Hit versucht. Umso konsequenter, dass dieser Song schlicht "We love Football" heißt und exakt so klingt wie "Moskau". Oder "Dschingis Khan". So viel Konsequenz und Zero-Fucks-Attitude muss man einfach Respekt zollen. Und ein Hit ist nun mal ein Hit ist nun mal ein Hit, hey!

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