Verbrechen

Zwei Studenten haben wochenlang in Münchner Clubs mit Falschgeld gefeiert

Die falschen 50-Euro-Scheine hatten sie aus dem Darknet.
22.8.17
Foto: Eibner Europa

Münchner Clubs – man kann sie lieben oder hassen, aber vor allem muss man sie bezahlen können. Wer das nicht kann, aber trotzdem mitfeiern möchte, muss kreativ werden – oder gleich kriminell. So wie die beiden Studenten, die das Münchner Amtsgericht am Montag verurteilt hat.

"Tobi K." und "Fabian D.", wie die Süddeutsche die beiden getauft hat, haben sich das Ausgehen nämlich über Wochen mit Falschgeld finanziert. Bestellt hatten sie die Blüten im Darknet, geliefert wurden sie von einer Fälscherwerktstatt in Landshut.

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"Dass es so einfach ist, das war für uns selbst auch unerklärlich", erzählte der damals 19-jährige Tobi K. vor Gericht. Nachdem sie den Shop gefunden hatten, bestellten sie probehalber erstmal einen einzelnen 50-Euro-Schein für Bitcoins im Wert von rund 23 Euro. Als der Schein per Post angekommen war, mussten die beiden ihn nur noch ausprobieren. Tobi K. nahm dafür ein Taxi – mit Erfolg. Der Fahrer schöpfte keinen Verdacht und gab K. echtes Wechselgeld. Die beiden beschlossen, die Masche durchzuziehen.

Beim nächsten Mal bestellten sie gleich 20 der falschen 50-Euro-Scheine. Allerdings lief es diesmal nicht ganz so glatt, weil sich zuerst die Lieferung verzögerte und dann auch noch jemand in ihr Bitcoin-Wallet einbrach und Bitcoins im Wert von knapp 300 Euro klaute.

Als das Falschgeld schließlich doch kam, machten die beiden sich an die Arbeit: Über zwei Monate lang klapperten sie im Frühjahr 2016 die Münchner Clubs ab, um ihre falschen Fünfziger unter die Leute zu bringen. Die Jungs waren dabei nicht wählerisch: Vom P1 über den Bullit-Club bis zum Neuraum war alles dabei – und überall wurden ihre Blüten akzeptiert. Das echte Wechselgeld nahmen sie mit und teilten es auf.


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Weil es ihnen zu gefährlich war, das Falschgeld einfach zu sich nach Hause zu bestellen, überredeten sie ihren Freund "Huu L.", ihnen die Schlüssel für seine Wohnung zu überlassen, während er in den Urlaub fuhr. "Ich war strikt dagegen", sagte der 23-Jährige vor Gericht. "Aber wir kennen uns seit über acht Jahren und sind sehr gut befreundet. Ich wollte ihnen einen Gefallen tun." Das hätte er lieber mal gelassen. Die beiden Freunde gaben ihm erstens nichts von dem ergaunerten Geld ab – sie verpfiffen ihn dann auch noch bei der Polizei, als sie selbst erwischt wurden. Ihn verurteilte das Gericht wegen "Beihilfe zur Geldfälschung" zu 90 Tagessätzen von jeweils zehn Euro.

Irgendwann kam es, wie es kommen musste: Eine Bedienung im Willenlos fiel nicht auf die Blüte herein und schaltete die Polizei ein. Zur selben Zeit gelang es der Polizei in Landshut, die Fälscherwerkstatt hochzunehmen – und die hatte fein säuberlich eine Liste all ihrer Kunden geführt. Die Polizei durchsuchte mehrere Wohnungen und beschlagnahmte Computer, auch die der beiden Studenten aus München. "Wir fanden selten so schöne Chat-Verläufe zu den Tathergängen", zitiert die Süddeutsche die Staatsanwältin im Prozess.

Selbst nach der Durchsuchung versuchten die beiden offenbar noch, die restlichen Blüten in Umlauf zu bringen. Am Montag verurteilte sie das Gericht zu einer Woche Dauerarrest und vierzig Stunden Sozialarbeit. "Nachdenken ist notwendig", erklärte die Richterin.

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