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street parade

Wir müssen über sexuelle Belästigung an der Street Parade reden

Die einzige Liebe, die nur von einer Person ausgeht, ist Selbstliebe. Also fickt euch, ihr Wixer!

von Nina Vedova
15 August 2017, 3:47pm

Montage Noisey: Foto rechts Jojo Schulmeister | Foto links Verein Street Parade  / Pressebild

Dieses Wochenende fand ein weiteres Mal das grösste Techno Festival der Welt im Herzen von Zürich statt. Obwohl Techno mittlerweile UNESCO-Kulturgut ist, haben sich an der Street Parade nicht alle kultiviert verhalten. Es war eine schöne und friedliche Street Parade. Doch wie immer wurden die weiblichen Besucher mit dem tagtäglichen Sexismus konfrontiert. Im Ausgang und an Grossanlässen wie der Street Parade wird dieses gesellschaftliche Phänomen noch stärker spürbar, da der Alkoholpegel erhöht und die Hemmungen gesenkt sind. Als wir dieses Wochenende an der Street Parade unterwegs waren, haben wir vieles erlebt und nicht alles davon war gut. Deshalb haben wir Erlebnisse unserer Redaktorinnen und Freundinnen vom Street-Parade-Wochenende zusammengetragen.

Leider müssen wir uns deshalb immer wieder wiederholen und sagen, dass Grabscher, Sprüche und Bedrängung einfach nicht cool sind und dass solche Aktionen nicht passieren dürfen. Daran ist nicht die Street Parade schuld – für sie haben wir dieses Jahr nur Liebe – sondern nur all die Idioten, die das Motto "Love Never Ends" nicht ganz gecheckt haben – für Liebe braucht es zwei. Und die müssen beide wollen. Die einzige Liebe, die nur von einer Person ausgeht, ist Selbstliebe. Also fickt euch, ihr Wixer!

Nina, 20

" Ich war mit zwei Freundinnen am Tanzen, als eine Gruppe von Jungs irgendwie auf uns aufmerksam wurde und einer von ihnen mich ansprach. Da ich keinen Bock mehr habe, Männern zu erklären, wieso sie meine Nummer nicht haben können und ich keine Lust habe, mit ihnen zu reden, ist meine Kollegin in solchen Situationen immer meine feste Freundin. Jedenfalls musste ich mich bei dem Typen im Ernst rechtfertigen, wieso ich lesbisch bin – er glaube es mir nicht, bis ich es ihm beweise. Wie er mich grosszügig belehrte, sei ich einfach vom falschen Ufer und er könne mich kurieren. Dementsprechend packte mich der Typ einfach und versuchte, mich zu küssen. Zum Glück konnte ich im letzten Moment zurückweichen und er traf nur meine Nase."

Lisa*, 22

"Wir haben laufend irgendwelche alten Männer beobachtet, die halbnackte Girls, nicht nur mit dem Handy, auch mit professionellen Kameras, fotografiert haben. Nein, keine Fotografen, irgendwelche Lüstlinge."

Marlin*, 20

"Ich schloss zu meinen Freundinnen auf, dabei überholte ich einen Typen. Auf einmal stand er neben mir, sagte irgendwas, was ich nicht verstand, und packte mir an den Arsch. Da hab ich ihm gesagt, dass er sich verpissen soll und ich jetzt nicht mit ihm reden möchte."

Lindsey, 26

"Ich war an einer Afterparty an der Langstrasse. Um circa 2 Uhr Morgens stand ich draussen und redete mit Freunden. Auf einmal kam einer, ging in die Hocke und wollte mir unter den Rock schauen."

Christina, 34

"Ich war mit meinen Freunden auf dem Weg zum Bürkliplatz durch die Menge. Es war so voll, dass man sich nicht gut bewegen konnte. Dementsprechend standen wir dicht an dicht in der Menschenmasse. Wir hielten uns gegenseitig an der Hand, um uns nicht zu verlieren. Als wir kurz stoppen mussten, weil es einfach zu viele Leute hatte und wir nicht weiterkamen, spürte ich auf einmal eine Hand in meinem Schritt. Die Hand schob sich an meinem Po vorbei nach vorne und kniff mich. Ich war im ersten Moment irritiert, aber dachte dann, dass es sicher mein Freund war. Als ich mich umdrehte, sah ich nur fremde Menschen und die Hand war weg. Leider konnte ich nicht erkennen, wer es war, da es einfach zu viele Personen hatte."

Jasmin*, 20

"Ich war auf dem Weg vom Bahnhof Stadelhofen zu meinen Freunden, die am See auf mich warteten. Auf der kurzen Strecke hat mich ein Typ an der Schulter gepackt und meine Nummer verlangt. Ein weiterer ist einfach mit mir mitgelaufen und wollte mich nicht in Ruhe lassen und zu guter Letzt hat einer einfach meine Hand gepackt."



Julia*, 20

"Ich tanzte mit Freunden auf der Quaibrücke, als ich plötzlich etwas an meinem Rücken spürte. Ich drehte mich um und irgendein Typ fuhr einfach mit seiner Hand an mir runter. Da er dann in die Hocke ging, um meinen Schuh festzuhalten, sah ich seine Pupillen und es war klar, dass der ziemlich was eingeschmissen hatte."

Lea*, 23

"Ich war auf dem Weg zur Street Parade. Da ich das schon lange mal machen wollte, war ich als Zombie-Krankenschwester verkleidet. Im Zug musste ich mir von einer Gruppe Typen eine Menge derber Sprüche anhören. Als ich schliesslich an ihnen vorbei lief, um auszusteigen, machten sie Kussgeschräsuche und lachten. Klar, für sie war es Spass, doch ich fühlte mich echt unwohl in der Situation."

Nathalie*, 20

"Ich war an einer Afterparty tanzen. Auf einmal kam irgendein total aufdringlicher Typ. Ich wurde den nicht mehr los und fühlte mich echt bedrängt. Schlussendlich zerrte die Mutter von einer Freundin den Typen an den Haaren raus, da er sie vorher auch belästigt hatte."

Nora*, 24

"Ich war mit einer Freundin und meinem Freund unterwegs und wurde mehrmals begrabscht. Das hab ich dann einfach ignoriert. Aber auf einmal kam ein Typ auf mich zu, fasste mir an die Brüste und steckte seinen Kopf zwischen meine Brüste. Dann habe ich ihn geboxt und so hat es eine Prügelei zwischen fünf Typen und meinem Freund gegeben. Zusätzlich zu allem Übel habe ich während der Prügelei mein Handy verlor."

*Die Namen wurde von der Redaktion geändert.



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