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6 Aufreißmethoden, die jeder Clubgänger kennt

Mit praktischen Tipps zum Abblocken. Nicht zum Nachmachen.
23.10.15
Foto: Flickr / Tom Godber / CC BY-SA 2.0

Fotos: von der Autorin

Wenn ich mit einem Wort den Unterschied zwischen einem Single und einem Vergebenen nennen müsste, wäre es das Wort "Party". Warum? Nun, es liegt nicht daran, dass vergebene Menschen keine Musik, Freunde und Suchtmittel brauchen. Viel mehr ist es die Tatsache, dass vergebene Menschen einfach alles haben, auch Sex. Oder, wenn die Beziehung länger dauert, halt keine Lust auf Sex. Beides lässt den Clubbesuch nur mühselig und beschissen erscheinen, was er ja streng genommen ab einem bestimmten Alter auch ist.

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Es sei denn, man ist Single. "Solo on Tour" ist nicht nur ein platter Netlog-Prolo-Spruch, sondern auch ein aufgezwungener Lebensstil. Neben der Suchtbefriedigung, den Freunden und der Musik gibt es noch den einen weiteren, wichtigen Party-Motivator: die große Liebe. Oder die große Liebe für eine Nacht. Oder eine nette kleine Affäre. Oder halt irgendeine Art von Zuneigung, die einem zeigt, dass man begehrenswert ist.

Und bevor hier jemand sein arrogantes Grinsen aufsetzt: Auch wenn die vergebene Menschheit es gerne vergisst, selbst ihr wart irgendwann mal "Solo on Tour". Auch ihr musstet euch Zuneigung und Bestätigung mit drei Promille bei 100 Dezibel erkämpfen. Oder ihr habt es zumindest versucht. Somit hatte einfach jeder Mensch, egal ob solo oder nicht, Erfahrung mit folgenden Aufrissen. Entweder als Ausführer oder als Ziel. Ach ja, mit Aufriss meine ich nicht zwangsläufig ein Happy End im Bett. Ich meine damit eine Interaktion. Irgendeine.

Der taktische Aufriss

Wenn du so tief im Single-Dasein steckst, dass Berührung eine seltsam entfernte Vokabel für dich ist, oder dein Mutter/Vater-Komplex echt tief greift, dann wirst du vielleicht schon auf absurde Aufriss-Anleitungen gestoßen sein, gegebenenfalls wirst du selbst welche entwickeln. Die meisten von uns haben das aber noch nie nötig gehabt. Was nicht heißt, dass wir dem taktierenden Gegenüber nicht zum Opfer gefallen sind. Wenn die eigene Sicht der Dinge getrübt ist, lässt man sich leicht um den Finger wickeln. Manchen ist das egal, andere fühlen sich danach benutzt und verarscht. Jedenfalls erkennt man den taktischen Aufriss oft erst, wenn es schon zu spät ist.

So erkennst du, dass du taktisch aufgerissen wirst: Na ja, wenn der Mensch es wirklich gut macht und Übung hat—vergiss es. Zum taktischen Aufriss gehören stets Charme und das absolute Verdecken der Tatsache, dass du eine Nummer bist. Wenn es zu schnell zur Sache geht—egal ob es sich um ein bisschen Rumgemache oder Sex handelt, ist das ein Anzeichen. Wenn es vier Uhr morgens ist und der Mensch noch relativ nüchtern erscheint, ist das ein weiteres Anzeichen. Jemand, der taktisch aufreißt, ist ja leider nicht ehrlich. Niemand wird dir sagen, dass es nur um Sex geht. Eher wirst du dich wie ein einzigartiges Juwel fühlen.


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So reißt du taktisch eiskalt auf: Sehne dich nach Liebe, die dir deine Eltern nie geben konnten. Sei verzweifelt. Halte Liebe für ein Gerücht, weil du nie geliebt worden bist. Gehe dann auf diverse, einschlägige Foren. Werde zum Arschloch und bilde dir ein, dass Quantität tatsächlich wichtiger als Qualität ist. Lebe nach dem Leitsatz dass nur Loser alleine schlafen gehen.

So gehst du am Tag danach damit um: Ich habe jahrelange Erfahrung als "beste Freundin" und deshalb kann ich diesen drastischen Tipp geben: Vergiss es.

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Wenn du der Aufreißer bist: Geh dich schämen. Es ist absolut unterste Schublade, standardisierte Vorgehensweisen bei Menschen anzuwenden. Es ist egal, ob dein Gegenüber das alles eh wollte und locker gesehen hat. Frauen sind hier genauso zu verurteilen wie Männer. Es ist beschämend für uns als Menschen. Hör auf damit.

Der ehrgeizige Aufriss

Während der taktische Aufreißer ein Schema hat, hat der ehrgeizige Aufreißer nichts als seine Notgeilheit. Da wir alle schon mal notgeil und zufällig besoffen waren, waren wir auch irgendwann selbst ehrgeizige Aufreißer. Ehrgeizige Aufreißer sind nicht immer erfolgreich, weil sie meistens wirklich betrunken und wirklich notgeil sind. Manchmal sind sie aber doch erfolgreich. Der ehrgeizige Aufreißer hat keine Ahnung, was er gerade macht, aber er versucht irgendwelche Bravo-Tipps aus seinem besoffenen Hirn zu kramen, was dem Gegenüber meistens ein Getränk beschert. Die ehrgeizige Aufreißerin lenkt innerhalb der ersten fünf Minuten das Gespräch entweder auf eindeutige Themen oder setzt direkt zum Rummachen an.

So erkennst du, dass du ehrgeizig aufgerissen wirst: Auch hier, du wirst dich wie ein einzigartiges Juwel fühlen. Diesmal aber zu Recht. Du bist nämlich auch die große Hoffnung und Erlösung. Der ehrgeizige Aufreißer geht meistens mit Menschen seiner Geschlechtsgruppe feiern. Meistens hat sich diese Gruppe dasselbe Ziel—das Aufreißen—gesetzt und sich daraufhin soviel Mut angetrunken, dass nur einige wenige es schaffen, tatsächlich aufzureißen. Muss der Typ oder das Mädel also ab und an nach den Freunden sehen, weil sie erbärmlich am Klo kotzen, dann hast du eine Aufriss-Gang am Start.

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So reißt du ehrgeizig auf: Sei notgeil, kaufe eine Wodka-Flasche, mobilisiere andere notgeile Freunde und ab geht's. Wird es peinlich für dich? Nicht wirklich, du wirst dich ja kaum erinnern können.

So gehst du am Tag danach um: Bestelle Pizza. Oder: Bestellt euch Pizza. Oder bestelle Pizza und adde sie/ihn auf Facebook. Auf jeden Fall irgendetwas mit Pizza.

Der k.A.-Aufriss

k.A. steht hier für zwei Dinge: keine Ahnung und keine Angabe. Keine Angabe deshalb, weil du keine Ahnung hast. Der k.A.-Aufriss hat viel mit deiner K.O.-Sauferei zu tun. Also mit der Nacht, an die du dich nur noch dunkel bis gar nicht erinnerst. Es wird einige Nächte in deiner Sauf-Geschichte geben, die in dieses Schema passen. Ab und an wird ein Erinnerungsfetzen mit einem dir komplett fremden Menschen auftauchen. Hast du ihn aufgerissen? Er dich? Du bist der letzte Mensch, der es weiß.

Die Tipps für diesen Aufriss sind sogar mir zu blöd.

So gehst du am Tag danach um: Frage deine Freunde. Frage nicht den Menschen neben dir. Gehe mit dem Menschen zu Starbucks nett frühstücken und schaue auf seinen oder ihren Becher. Na, wer weiß jetzt zumindest den Namen? Du schlaues Ding, du.

Wenn jemand mit dir zum Starbucks geht—nett frühstücken—sage einen komplett absurden Namen. Oder, wenn du gefragst wirst, wie dein Facebook-Name ist, sag einfach "Eh normal—ach so, weißt du gar nicht, Müller mein Nachname." Frage nach zehn Minuten, ob du schon geaddet bist, weil du nichts bekommen hast. Schaue den k.A.-Menschen beim panischen WhatsAppen mit seinen Freunden zu.

Der verliebte Aufriss

Das ist der Mensch, der dich ein bisschen zu toll findet. Der Mensch, der nicht mehr von deiner Seite weicht. Der Mensch, der dich im Club ansieht und immer wieder Orte aufsuchen will, wo ihr euch unterhalten könnt. Wenn du diese Orte aufsuchst, unterhält sich dieser Mensch wirklich mit dir. Während der taktierte Aufriss eher Männer-Sache ist, ist der verliebte Aufriss eher Frauen-Sache. Natürlich gibt es Männer, die sich schnell verlieben und einem Atemnot und Einengungsgefühle bescheren, obwohl man auf einem Open-Air ist.

Aber Frauen neigen dazu, den Typen vor sich samt seiner Aufmerksamkeit und einem Kuss als den nächsten Freund zu sehen. Weil sie es wollen. Weil sie es brauchen. Genau wie der taktische Aufreißer. Beide Arten Mensch haben meiner Meinung nach einen ziemlichen Sprung im Porzellan. Eigentlich wäre es lustig, beide zusammen in Aktion zu sehen.

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So erkennst du, dass du verliebt aufgerissen wirst: Der Mensch vor dir will lieber dein angesoffenes BlaBla hören, als mit dir wirklich sexuelle Dinge zu vollführen. Oder er will doch, aber wichtiger bist du als Person.

So reißt du verliebt auf: Fühle dich ohne Partner unvollständig und unzufrieden. Sei unglücklich. Glaube fest daran, dass alle, die mit dir rummachen und mit denen du dich nach drei Bier verstehst, deine Erlösung sind.

So gehst du am Tag danach um: Fliehe, wenn du die andere Seite bist. Erwähne vorher, dass es nur ein Flirt war. Wenn du der Verliebte bist: Bitte sei nicht erbärmlich, höre auf, needy zu sein und lerne dein Leben auch ohne Partner zu lieben.

Foto: Flickr | icanteachyouhowtodoit | CC-BY 2.0

Der beschämende Aufriss hat nicht in erster Linie mit schlechten Küssen und schlechtem Petting zu tun. Der beschämende Aufriss geht tiefer. Kurz gesagt: Wenn du dich am nächsten Tag schämst, bist du einem beschämenden Aufreißer zum Opfer gefallen. Oder, noch besser, warst selbst einer. Wenn ihr euch beide schämt, dann hat das seinen Grund und ihr tut mir ehrlich leid. Scham ist das einzige Gefühl, das man nicht teilen sollte. Weil es immer schlimmer wird. Wenn du dich also schämst, weil du dicht warst oder dein Gegenüber eigentlich unattraktiv ist, oder dein Arbeitskollege, oder gar beides: HA HA!

So erkennst du, dass du beschämend aufgerissen wirst: Also ein ganz toller Hinweis ist die Tatsache, dass du diesen Menschen aus deinem Alltagsleben kennst. Und eigentlich nichts von ihm möchtest, aus welchen Gründen auch immer. Kann der Aufreißer nicht mehr wirklich einen Satz sprechen, oder ist eklatant jünger, schaufelst du dir gerade deine ganz persönliche Scham-Grube.

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So reißt du beschämend auf: Geh! Gehe zu dem scharfen Arbeitskollegen, der eigentlich tabu ist. Geh nur! Oder der beste Freund deines Ex? Why not? Oder wie wär's mit der besten Freundin deiner kleinen Schwester? Kippe vorher, noch ein paar Kurze und dann los!

So gehst du am nächsten Tag damit um: Hoffentlich ist von dem Schnaps noch etwas da.

Der Reste-Aufriss

Die Vokabel "Resteficken" hat in unserer Clubkultur ihren festen Platz im Basis-Vokabular. Nicht zu Unrecht. Immerhin ist "Resteficken" ein total pragmatisches Ding. Man geht auf eine Party, säuft sich so richtig mit Freunden zu und hat Spaß. Eine halbe bis eine Stunde vor dem Ende der Party reißt man sich noch ein bisschen Zuneigung oder Bestätigung auf. Edel ist das vielleicht nicht. Ja, und auch nicht besonders romantisch oder erstrebenswert. Aber dieses geniale Verhalten hat zwei Vorteile: Alle, die vor Ort sind und somit in Frage kommen, sind dicht und somit nicht besonders anspruchsvoll. Zweitens: Du hast einen All-Inclusive-Abend. Theoretisch.

So erkennst du, wenn du ein Rest bist: Schatz. Wenn der Mensch dich um fünf Uhr morgens das allererste Mal anspricht, dann bist du der Rest. End of Story.

So reißt du Rest auf: Es ist fünf Uhr, schau dich um. Such dir was aus.

So gehst du am nächsten Tag damit um: Bei "Resteficken" geht es ums Ficken. In seltenen Fällen kommt es zum Knutschen, oder gar zu so etwas Edlem wie einem Gespräch. Es gibt kein Rest ohne Gegen-Rest. Das heißt, egal wer wen: Ihr seid beide Rest. Bestellt euch eine Pizza. Behaltet den Rest für Freunde. All Inclusive und so.

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