Massenschlägerei in Hannover – wegen Erdoğans Krieg

Am Flughafen Hannover gingen Türken und Kurden aufeinander los. Es gab gab Verletzte – und Passanten, die mitfilmten.

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23 Januar 2018, 10:56am

150 Demonstranten sind da, es werden Fahnen geschwenkt, dann sind Schreie zu hören, plötzlich rennen Menschen – und schon fliegen die Fäuste. Im Terminal des Flughafens Hannover prügeln Türken und Kurden aufeinander ein, etwa 20 sollen laut Polizei aktiv beteiligt sein. Die anrückenden Polizisten sprühen Pfefferspray, können die Menschen nur mit Mühe trennen. Sie brauchen eine ganze Stunde, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. All das geschah am Montagnachmittag.

Der Grund für diese Massenschlägerei ist eine Militäroperation in 2.800 Kilometern Entfernung. Seit einigen Tagen geht die türkische Armee im Norden Syriens gegen die kurdische Miliz YPG vor, die diese Gegend bislang kontrolliert. Die Regierung Erdoğan fürchtet, dass die Kurden durch ihre neue militärische Stärke auch ihre Forderung nach einem unabhängigen kurdischen Staat mit neuer Vehemenz stellen. Dieser könnte heute zu Syrien und dem Irak gehörende Gebiete umfassen – aber eben auch Teile der Türkei.


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Zuerst hat die türkische Luftwaffe die Kurden aus der Luft bombardiert, dann rückten auch türkische Bodentruppen ein. Die YPG ist der syrische Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Diese gilt in der Türkei, der EU und in den USA als Terrororganisation.

In dem so perfide ausgetragenen Krieg in Syrien klingen sogar die Namen von Militäroperationen zynisch. Denn die Türken nennen ihre Offensive "Operation Olivenzweig". Ein Olivenzweig gilt seit der Antike als Friedenssymbol.

Gegen eben diese Frieden-durch-Krieg-Operation der Türkei haben die Kurden in Hannover demonstriert. Zuerst standen sie in der Innenstadt und demonstrierten unweit des türkischen Konsulats. Als sie dann aber an den Flughafen und dort vor den Schalter von Turkish Airlines zogen, kam es zu der Massenschlägerei. Angemeldet war die Demo vor dem Schalter nicht. Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben nun gegen vier Menschen.

So erreicht der Krieg in Syrien ein Land, mit dem er nur scheinbar kaum etwas zu tun hat. Denn die "Operation Olivenzweig" führt die türkische Armee auch mit deutschen Leopard-2-Panzern durch. So nah kann ein weit entfernter Krieg plötzlich rücken.

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