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Wie YouTube Menschen ungewollt von der Existenz der flachen Erde überzeugt

Eine US-amerikanische Forscherin hält die Algorithmen der Videoplattform für mitschuldig daran, dass viele Menschen die Erde für eine Scheibe halten.
19.2.19
flat earth
Foto: YouTube Logo: Wikipedia | Erde: Pixabayn3otr3x | CC0 || iPad: pxhere | CC0 

Eine Forscherin der Texas Tech University will herausgefunden haben, dass der Song von Bibi nicht das Schlimmste ist, was YouTube je hervorgebracht hat: das sind Flat Earthers. Menschen, die entgegen aller Beweise daran festhalten, dass die Erde eine Scheibe ist.

Asheley Landrum, Psychologin und Leiterin der Studie, besuchte 2017 und 2018 die "Flat Earth International Conference" in den USA. Dort trifft sich jährlich ein Haufen Menschen, der die Tatsache, dass die Erde eine Kugel ist, für die größte Verarsche der Menschheit hält. Landrum führte vor Ort Interviews mit 30 Verschwörungstheoretikern. Bis auf eine Person hatten alle von ihnen noch bis vor zwei Jahren geglaubt, dass die Erde rund ist. Das habe sich aber geändert, nachdem sie auf YouTube Verschwörungsvideos angeschaut hatten. Seitdem seien sie sicher: Wir schwirren auf einer Scheibe durchs All.

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Klar, 30 Leute sind kein einschlägiger Beweis für YouTubes Mitschuld an überzeugten Verschwörungstheoretikern. Wer aber jemals verkatert bei Tiervideos hängen geblieben ist weiß, wie schnell sowas eskalieren kann. Die meisten von ihnen hatten sich vorher Verschwörungstheorien über den 11. September und die erste Mondlandung angeguckt, als YouTube ihnen plötzlich Videos vorgeschlagen hat, deren Macher die Existenz der Erdkugel anzweifeln.

Trotzdem wären die meisten Leute vermutlich spätestens beim zehnten der "200 Beweise dafür, dass die Erde kein sich drehender Ball ist", eingeschlafen oder auf Friends umgestiegen. Die Interviewten fingen stattdessen an, sich die wirklich wichtigen Fragen des Lebens zu stellen: Wo soll diese Wölbung sein, von der immer alle sprechen? Und wieso ist der Horizont dann immer gerade? Nur eine Frage haben sie offensichtlich ignoriert: Wieso sollten sich Menschen die Mühe machen, so eine Lüge seit Aristoteles Lebzeiten aufrecht zu erhalten? Ernsthaft, WIESO?


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Landrum sprach nun beim jährlichen Treffen der American Association for the Advancement of Science in Washington, D.C. über ihre Ergebnisse. Nach Einschätzung der Forscherin tragen YouTubes Algorithmen dazu bei, dass sich Verschwörungstheorien schneller verbreiten. Landrum schlägt deshalb vor, dass YouTube seine Algorithmen ändert, damit Nutzer Fakten statt Desinformation zu sehen bekommen.

"Es gibt viele hilfreiche Informationen auf YouTube, aber auch viele Fehlinformationen", sagte Landrum. Es sei nicht zwangsläufig problematisch, wenn Menschen die Erde für eine Scheibe hielten, fördere aber das Misstrauen gegenüber Institutionen und Autoritäten.

Aus diesem Grund ruft sie nun Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen dazu auf, eigene Videos zu drehen, um den Verschwörungstheorien den Kampf anzusagen. Einem Verschwörungstheoretiker mit Fakten zu kommen, bringt in der Regel zwar so viel wie bei AfD-Politikern, aber wie Arafats Ex-Homie Bushido einst zu sagen pflegte: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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